Samstagmorgen in Düsseldorf: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, langsam füllen sich die Außenterrassen der Cafés. Gemütlich geht es zu, ja fast idyllisch. Überall in Düsseldorf? Mitnichten – rund um den Schadowplatz herrscht an diesem Samstagmorgen bereits reger Trubel. Hunderte Menschen, zumeist junge Männer, stehen dort und warten. Alle eint ein Ziel: Sie möchten eine Uhr kaufen. Aber nicht irgendeine Uhr – es soll jene der Schweizer Uhrenmarke Swatch sein, die gemeinsam mit dem Schweizer Hersteller Audemars Piguet (AP) die „Royal Pop“ auf den Markt gebracht hat. Verkaufsstart? Am 16. Mai. Diesen Samstag.
Doch bloßes Warten wäre wohl etwas für Anfänger, die Experten unter den Wartenden befinden sich schon länger an Ort und Stelle. Wie Videoaufnahmen aus den Sozialen Netzwerken zeigen, haben sich die ersten Wartenden bereits am Vorabend versammelt – und vor Ort kampiert, Campingstühle, warme Klamotten, Thermosflaschen voller heißem Tee inklusive. Und das alles für eine Uhr. Wieso tut man sich das an?
Das beantworten der 42-jährige Rauand und der 18-jährige Tolga aus Düsseldorf, die gemeinsam an diesem Morgen ganz vorne in der Schlange stehen. „Ich liebe Uhren“, sagt Rauand. Vor gut zwei Wochen habe er erfahren, dass der Verkauf der Royal Pop an diesem Samstag startet. „Für mich ist die Uhr ganz besonders“, sagt der 42-Jährige. „Eine der berühmtesten und schönsten Swatch-Uhren der Welt“, ergänzt Tolga. Da nimmt man durchaus Wartezeiten von vielen Stunden in Kauf. Noch wissen die beiden Düsseldorfer nicht, ob sie eine der begehrten Uhren ergattern – oder wie viele davon überhaupt über die Ladentheke gehen.
Die „Royal Pop“ ist weniger klassische Luxus-Uhr als spielerisches Designobjekt. Die acht Modelle der Kollektion sind aus Bioceramic gefertigt, einem Mix aus Kunststoff und Keramik. Das Gehäuse lässt sich in verschiedene Halterungen einfügen und so etwa an Tasche, Gürtel oder es kann als Kette getragen werden. Auch deshalb war der Ansturm wohl so groß – die Uhr ist mehr Accessoire als Notwendigkeit.
Auch der 23-jährige Tommy aus Meerbusch bei Düsseldorf wartet schon länger. Er steht etwas weiter hinten in der Schlange, die sich Dutzende Meter weit schlängelt, eine Kurve nimmt und parallel zu Breuninger in Richtung Hofgarten führt. „Eigentlich wollten wir erst heute früh kommen“, sagt der Meerbuscher. Dann hätten er und seine Freunde aber am Vorabend gesehen, wie lang die Schlange da bereits gewesen sei – und sich spontan entschieden, ebenfalls vor Ort zu bleiben und ihr Lager für die Nacht aufzuschlagen. „Mein Vater hat dann gestern Abend einen Rucksack mit einigen Dingen vorbeigebracht“, sagt Tommy.
Während der junge Mann erzählt, wächst die Unruhe unter den Wartenden merklich. Eigentlich sollte der Swatch-Store bereits um 10 Uhr öffnen. Doch auch eine knappe Viertelstunde später sind die Türen immer noch verschlossen, während zahlreiche Securitykräfte Mühe haben, die Masse zu bändigen. Diskussionen entbrennen – anscheinend wird vielen Wartenden klar, dass sie möglicherweise nicht zum Zug kommen werden. Unruhe macht sich breit. Wenig später kommen zwei Polizeibeamte und positionieren sich vor dem Laden – nur zur Sicherheit.
Umherstehende, die die Situation mit einer Mischung aus Belustigung und Verachtung beobachten, zücken ihre Handys. Einige Youtuber haben sich ebenfalls vor dem Laden eingefunden. Als es dann um kurz nach halb elf so weit ist, sich die Türen des Ladens endlich öffnen, brandet Jubel und Applaus auf. Der hält allerdings nur kurz, denn die Information, dass nur 60 Uhren verfügbar sind, macht schnell die Runde – viel zu wenig für die Hunderte wartenden Menschen. Der Unmut wächst, jedenfalls bei jenen Menschen, die wohl keine Chance auf eine der Uhren haben werden. Viele dürften enttäuscht wieder nach Hause gefahren sein.
Schon jetzt deutet sich an, dass ein Teil der Käufer weniger an der Uhr selbst als am schnellen Gewinn interessiert ist. Auf Ebay gibt es erste Angebote in vierstelliger Höhe. Die Szenen erinnern an den Hype um die Moon-Swatch im Jahr 2022: Damals standen auch in Düsseldorf rund 200 Menschen auf dem Schadowplatz Schlange.