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Berlin – „Er hat sich so gefreut, dass er Regierender Bürgermeister geworden ist. Aber er hat kein Profil entwickelt.“ Das sagt einer seiner Vorgänger über Kai Wegner (53, CDU). Sohn eines Bauarbeiters, weit gekommen. Aber nach drei Jahren als Berliner Regierungschef sitzt der Vollblut-Politiker auf einem Vulkan: Geht noch irgendwo ein Skandal hoch?
Es gab schon die volle Packung in 2026: Sein Tennisspiel am ersten Tag eines XXL-Blackouts hat er nur halbherzig eingestanden. Eine Drängelliste von Parteifreunden zur Förderung von umstrittenen Projekten will er nicht gekannt haben – der Rechnungshof brandmarkte die Vergabe der Mittel als „evident rechtswidrig“. Ist wirklich schon alles zu allem gesagt?
Ein Profil hat Wegner: Gegner von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Erst diese Woche wich er von der Parteilinie ab, forderte, auch bei der Vermögenssteuer etwas zu tun. Ein sozialer Schachzug, um in der linksdominierten Hauptstadt die Berlin-Wahl (20. September) zu bestehen? Seine Leute werfen ihm ohnehin vor, dem aktuellen Koalitionspartner SPD in vielen Fragen zu sehr entgegenzukommen.
Mehr zum ThemaKommt nach Wegner eine CDU-Frau?
In der zweiten Reihe der Hauptstadt-CDU planen sie schon ohne Wegner. Spätester Termin: Nach einem Wahlabsturz und drohendem Abschied aus dem Roten Rathaus in vier Monaten. Die Rolle des (derzeit loyalen) Kronprinzen hat Stefan Evers (46, CDU), Finanz- und auch Kultursenator der Schuldenhauptstadt (67 Milliarden Euro). Aber aus Kreisen werden Zweifel gesät: Würde er springen – und ist er eigentlich hart genug? Neu im Gespräch ist eine Frau: Felor Badenberg (51), Justizsenatorin mit kurzer Parteierfahrung. Sie wäre der beste Konter gegen die Linken-Frontfrau Elif Eralp (44), heißt es.

Justizsenatorin Felor Badenberg (51) wird von Teilen der Berliner CDU gepusht
Foto: picture alliance/dpa
Wahlumfragen versenken seit Monaten Wegners Wow-Sieg von 2023 (28,2 Prozent) auf nur noch um die 20 Prozent. Das dichte Verfolgerfeld spürt die CDU im Nacken: AfD, Linke, Grüne, SPD. Kaum ein Zweifel: Drei Parteien werden sich in vier Monaten zu einer neuen Koalition zusammenraufen müssen. Die zurzeit wahrscheinlichste Variante: Rot-Rot-Grün.

Finanzsenator Stefan Evers (46) sorgte als damaliger CDU-Generalsekretär mit einer preisgekrönten Kampagne 2023 für den Erdrutschsieg seiner Partei. Viele hoffen auf ihn als Wegner-Nachfolger
Foto: picture alliance/XAMAX
Brandmauer gegen Linke gefordert
CDU-Strategie gegen den aufziehenden Links-Koalitions-Block: Die Union fordert von SPD und Grünen eine Brandmauer gegen die „linksradikale und in großen Teilen antisemitische Linkspartei“. Der Effekt: Man würde dann die CDU für eine Koalition brauchen, und die könnte vermutlich sogar erneut den Regierenden Bürgermeister stellen.