Alexander Barth führt die Leserinnen und Leser seines neuen „Unorte“-Buches wieder auf die Spuren der beiden Weltkriege und stellt auch darin wieder fest, dass die Euregio Maas-Rhein hier mehrmals eine zentrale militärische Rolle spielte und dass diese Konflikte auch dunkle Erinnerungen zurückgelassen haben.
Manchmal ist es „nur“ eine weggeschossene Ecke in einem historischen Gebäude, wie in Valkenburg in der niederländischen Provinz Süd-Limburg und manchmal zeigt das passende Foto nur ein Militärfahrzeug, dass als Denkmal aufgestellt wurde, wie in Stavelot in der Provinz Lüttich. Doch immer wieder erzählen solche Mahnmale von schweren Kämpfen und Schlachten, bei denen Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren.
Andernorts tauchen Stellen auf, die sogar in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle gespielt haben, wie der heute nur noch in minimalen Fragmenten erhaltene Bahnhof von Herbesthal unweit der belgisch-deutschen Grenze an der Hauptstrecke zwischen Aachen und Lüttich. In der Zeit zwischen 1914 und 1918 wurden hier deutsche Militärzüge, die in Richtung der westflämischen und nordfranzösischen Schachtfelder mit Nachschub fuhren.
Im zweiten Weltkrieg wurden über diesen Bahnhof zunächst tausende jüdische Kinder mit Zügen evakuiert, doch hier fuhren wohl auch Demorationszüge aus Richtung Belgien in Richtung der Vernichtungslager des Dritte Reiches durch…
Ein einzelnes Grab unter einer bedeutenden Brücke…
In Moresnet unweit des Dreiländerecks richtet der Autor einen Blick auf ein Grab eines Mannes, der 1914 von deutschen Soldaten erschossen wurde. Im Hintergrund des Bildes erkennt man die Moresneter Eisenbahnbrücke, die im Ersten Weltkrieg teilweise von Kriegsgefangenen gebaut wurde. Diese Brücke ist Teil der strategischen Strecke zwischen Aachen-West und Belgien, die auch heute noch eine wichtige Rolle im internationalen Güterverkehr spielt.
Und in Lüttich wird der Blick auf einen Friedhof im Ortsteil Wandre gelenkt, auf dem 1914 Soldaten beerdigt wurden, die dort zuvor fast an der gleichen Stelle noch gekämpft hatten. Im Umfeld dieses Friedhofs sind noch die Spuren der Schlacht zu erkennen…
Eine historische Neueinordnung bietet sich manchmal durchaus an
„Unorte“ Band 2 und auch die erste Ausgabe aus dem Jahr 2017 zeigen Erinnerungsorte, an denen man oft unachtsam vorbeigeht, aber auch Stellen, an denen Weltgeschichte geschrieben wurde. Nicht selten, so Alexander Barth, warten solche „Unorte“ auf eine zeitgemäßere Erinnerungs- oder Gedenk-Präsentation, denn ein Panzer aus Stahl und Eisen ist nicht nur ein technisches Kriegsdenkmal, sondern ein Fahrzeug, das Tod und Verderben gebracht hat.
„Acht Jahre nach dem ersten Band knüpft Barth an sein erfolgreiches Konzept an und erweitert es um neue Perspektiven auf eine Region, die wie kaum eine andere von Grenzen, Konflikten und deren Folgen geprägt ist.“ Schreibt der Grenzecho-Verlag in seiner Pressemitteilung zu „Unorte“ Band 2. Besser kann man es nicht zusammenfassen. Dieses Buch lädt dazu ein, bei Spaziergängen an solchen Orten vorbei nachzudenken, wie sich da und dort die geschichtliche Einordnung verbessern lassen könnte. Machen Sie sich auf den Weg „gegen das Vergessen.“
„Unorte“ Band 2 ist wieder im Grenz-Echoverlag erschienen und kann dort unter www.gev.be bestellt werden. Der erste Band ist dort auch noch zu haben.