Geplante Sperrungen von wichtigen S-Bahn-Strecken zwischen Hamburg-Hauptbahnhof und Harburg und gleichzeitig Baustellen auf Fernbahnstrecken sorgen für chaotische Zustände im Zugverkehr der Hansestadt. Teilweise wurde es sogar gefährlich.

Völlig überfüllte Wartebereiche, ratlose Reisende, genervte Bahn-Mitarbeiter und manche Tränen – wer an diesem langen Wochenende Hamburg aus Richtung Süden erreichen will, erlebt ein XXL-Chaos. Wie konnte es dazu kommen? Hier die wichtigsten Fragen kurz beantwortet.

1. War es sinnvoll, die S-Bahn-Verbindung zwischen Harburg und der Hamburger Innenstadt zu sanieren, während rund um das Himmelfahrtswochenende gleichzeitig auch Fernzüge wegen Bauarbeiten in Harburg endeten?

Nein. Die schiere Zahl an Reisenden war hier nicht zu bewältigen, wenn beide Verkehrssysteme über die Elbe gleichzeitig ausfallen.

2. Wie hatte sich die Deutsche Bahn den Weitertransport der Reisenden denn gedacht?

Wer in Richtung Innenstadt wollte, sollte entweder in die Regionalbahnen/Metronom-Angebote umsteigen oder einen Bus-Schienenersatzverkehr nutzen.

3. Und hat das funktioniert?

In vielen Stunden an allen Tagen überhaupt nicht. Die Regionalbahnen waren durch das lange Wochenende ohnehin voll besetzt, es wurde gedrängelt und gequetscht, denn oft kam der nächste Zug erst eine Stunde später, war dann aber auch übervoll. Der Ersatzverkehr war ebenfalls völlig überlastet und ließ immer wieder Hunderte Wartende ratlos zurück, „Das ist hier wie in Indien“, sagte einer der Wartenden.

4. Wieso ratlos? Gab es denn keine Informationen?

Auf die Ersatzbusse machten kleine angeklebte Zettel aufmerksam, mehr Informationen waren nicht erhältlich. Ein Schaffner gab auf Anfrage die Antwort: „Eigentlich können Sie nur ein Taxi nehmen“. Was kaum möglich war, denn es gab viel zu wenige Taxis.

5. Gab es weitere Probleme?

Ja. Am Freitag riss noch eine Oberleitung, was auch die Regionalbahnen ausbremste. Ein Wasserrohrbruch auf einer zentralen Straße stoppte wiederum den Ersatzverkehr.

6. Wer waren die größten Verlierer?

Im Grunde war die Deutsche Bahn an diesen Tagen der größte Verlierer, aber vor Ort traf es vor allem Familien mit kleineren Kindern, Ältere oder Menschen mit Behinderungen, die im Grunde in dem Chaos keine Chance auf eine Weiterbeförderung hatten. Blöd lief es auch für einige Fußballfans, die das Pauli-Heimspiel nicht mehr erreichen konnten.

7. Wurde es sogar gefährlich?

Vor allem am Freitag nach Himmelfahrt waren die Bahnsteige und Treppengänge im Harburger Bahnhof so voll, dass nur Glück eine Panik verhinderte. In manchen Stunden ging es in der Menschenmenge kaum noch vorwärts, die Reisenden waren eingekeilt. Im Grunde hätte hier die Polizei den Bahnhof kontrolliert räumen müssen.

8. Reagierte die Bahn darauf?

Ab und an durften ICE-Züge dann doch bis zum Hauptbahnhof durchfahren, weil weitere Hunderte Reisende den Harburger Bahnhof gar nicht mehr hätten fluten können. Stattdessen drängten sich dann Wartende in diese ICE, was dazu führte, dass entnervte Zugführer darauf aufmerksam machten, dass die Gänge freizuhalten seien. Doch das war schlicht unmöglich. Eine offizielle Erklärung der Bahn zu dem selbstverschuldeten Planungschaos gab es nicht.

9. Gab es auch Gewinner?

Ja. Die Imbiss-Anbieter in Harburg machten das Geschäft des Jahres.

10. Wird die Bahn aus diesen Tagen für künftige Planungen lernen?

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