Liebe Leserin, lieber Leser,

Was wird heute wichtig? Hier sind die Termine des Tages:

• In Berlin gibt es eine Motorrad-Gedenkfahrt für gefallene Soldatinnen und Soldaten. Sie endet am Ehrenmal der Bundeswehr am Bundesministerium der Verteidigung. (12 Uhr, Platz der Luftbrücke)

• Unter dem Motto „Schluss mit der Besatzung Palästinas. 78 Jahre Al Nakba“ demonstrieren die Teilnehmer einer Demonstration in Kreuzberg. (14 Uhr, Oranienplatz)

• Am Rüdesheimer Platz in Berlin eröffnen Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch und Bezirksverordnetenvorsteherin Judith Stückler den Weinbrunnen. Zum Auftakt schenkt das Weingut Adam Basting aus. (15 Uhr)

Neues aus Berlin

Wie passt das zusammen? An einem einzigen Tag haben wir gestern zwei völlig gegensätzliche Nachrichten zur wirtschaftlichen Lage der Stadt veröffentlicht. Da war einerseits die Geschichte meines Kollegen Helge Denker: „Berliner Wirtschaft wächst dieses Jahr um 1,5 Prozent.“ Darin geht es (einmal mehr) darum, dass sich die Berliner Wirtschaft „robust“ zeigt und laut einer Prognose der Investitionsbank Berlin Brandenburg (IBB) stärker wächst als der Bundestrend.

Getrieben wird dieses Plus offenbar ganz stark von der Bauwirtschaft. Baugenehmigungen sind um 40,7 Prozent gestiegen, die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe um sagenhafte 53,7 Prozent. Die Freude darüber schmeckt dennoch schal.

Luxus-Penthouse wird verlost

Berlin ist die Stadt krasser Gegensätze: luxuriöse Wohnungen einerseits.
© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Denn die andere Nachricht lautete: Berlin hat zwölf neue Armutskieze. Insgesamt sind es jetzt 57. Das geht aus dem Bericht des Senats mit dem Titel „Soziale Stadtentwicklung Berlin 2025“ hervor. Danach wird die Lage vor allem am Stadtrand mancherorts immer dramatischer.

Wie also passt das zusammen? Lange Zeit hieß es ja, Berlin sei „arm, aber sexy“. Das aber stimmt längst nur noch teilweise. Weder ist Berlin nur noch sexy. Noch: nur noch arm. Und Klaus Wowereits Satz könnte daran einen nicht zu vernachlässigenden Anteil haben.

Man könnte auch sagen: Berlin ist gewissermaßen zu erfolgreich geworden. Das klingt erstmal absurd. Tatsächlich ist es aber ja so: Der Erfolg der Stadt erzeugt: hohe Attraktivität, mehr Gründer, mehr Wirtschaftswachstum, steigendes Durchschnittseinkommen, im März 2025 lebten bereits 63 Einkommensmillionäre in der Stadt, mehr Zuzug.

Aber eben auch gleichzeitig und in direktem Zusammenhang: steigende Preise, steigende Mieten, die geringste Kaufkraft aller Bundesländer, ein Einkommensdurchschnitt, der nur bei 92 Prozent aller Bundesländer liegt. 10,6 Prozent Arbeitslose – bundesweit nur 6,4. Und Verdrängung: Nämlich aus der immer teurer werdenden Innenstadt in Richtung Stadtrand. Siehe oben.

"Die Arche" feiert 30-jaehriges Bestehen

Und andererseits Kinder, die in der „Arche“ essen müssen.
© epd | Christian Ditsch

Es ist paradox: Berlin ist wirtschaftlich dynamisch – aber die Einwohner profitieren unterdurchschnittlich. Umso richtiger, dass die Berliner Wirtschaft „kluge Investitionen“ fordert. „In den Wohnungsbau, die Digitalisierung und insbesondere in die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft“, fordert Hinrich Holm, Vorsitzender des IBB-Vorstandes.

Doch damit wird es nicht getan sein. Berlin ist eine Wachstumsstadt mit einem riesigen Verteilungsproblem. Berlin muss praktisch alles auf einmal machen: Wohnungen bauen, Industrie fördern, aber eben auch die Zurückbleibenden unterstützen. Welcher Partei die Berlinerinnen und Berliner diese gigantische Aufgabe am ehesten zutrauen, wird sich am 20. September bei der Wahl zeigen.

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Bilanz nach der Krise: Jahre des Ausnahmezustands beim Sender RBB könnten vorbei sein. Und dennoch stehen die möglicherweise bedeutendsten Termine erst noch bevor. Julian Würzer blickt zurück auf die RBB-Affäre um die frühere Intendantin Patricia Schlesinger.

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„Nicht mit meiner Tochter“: An der Rixdorfer Grundschule in Neukölln sollen künftig auch junge Erwachsene mit Suchterkrankungen unterrichtet werden – ein Plan, der bei den Eltern für massive Empörung sorgt Nun stellt sogar der Senat die Standortentscheidung des Bezirksamts infrage, berichten Nicole Dolif und Hannah Köllen.

Ambitionierter Zeitplan: Auf dem Gelände des früheren Funkwerks Köpenick entsteht an der Wendenschloßstraße ein neues Wohnquartier mit 255 Wohnungen. Die Gewobag hat die Vermietung bereits gestartet. Neben sozial gefördertem Wohnraum gibt es auch frei finanzierte Wohnungen, etwa eine Dreizimmerwohnung für rund 1572 Euro Gesamtmiete. Noch in diesem Jahr soll das Projekt fertig werden, weiß Bezirksreporter Philipp Hartmann.

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende!

Ihre
Heike Dietrich

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