Bielefeld. So ein Angebot unterhält bei Weitem nicht jede größere Stadt: Die Unabhängige Patientenberatungsstelle Bielefeld hat deshalb eine wichtige Rolle bei der Information und Versorgung von Patienten und deren An- und Zugehörigen in der gesamten Region. Nun wurde das Angebot in den Räumen des Gesundheitsladens, Breite Straße 8, deutlich ausgeweitet.
Statt zweimal pro Woche zwei Stunden stehen die Beraterinnen nun insgesamt 16 Stunden, verteilt auf vier Wochentage, zur Verfügung. Und: Was bis dato ehrenamtlich geleistet werden musste, ist seit Anfang Mai finanziert und als „Regionale Patientenberatungsstelle“ am Start. Die drei Beraterinnen Larissa Hubert, Carolina Krohn und Jenny Krüger sind Ansprechpartnerinnen für Ratsuchende.
Telefonisch und montags bis donnerstags vor Ort beraten sie kostenfrei, unabhängig und vertraulich zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen. „Wir sind total froh, damit ein verlässliches, finanziertes Angebot zu haben“, so Günter Hölling, Projektbeauftragter und Gesundheitswissenschaftler mit langjähriger Erfahrung. Was sind die Kerngebiete? Hölling nennt einige Themen: „Es kann sich um die Kranken- und Pflegeversicherung drehen, um medizinische und zahnmedizinische Versorgung, Arzneimittel und pharmazeutische Beratung, um Sozialrechtsfragen, Befund-Erläuterung oder um Behandlungsfehler.“
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Die Beratungsstelle will auch politisch Einfluss nehmen
Die Beratungsstelle, die von der Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) finanziert wird, verstehe sich als Lotse, der Ratsuchenden Wege zu Anlaufstellen im Gesundheitswesen bahne. Zu beachten sei, dass hier keine Diagnosen gestellt würden, keine Zweitmeinungen gegeben werden und auch keine konkreten Praxen, Kliniken oder Kanzleien empfohlen oder Rechnungen geprüft würden. „Aber wir beraten, welche Schritte in unklaren Situationen sinnvoll sind, wo sich Empfehlungen finden lassen, wo man Unterstützung erhält“, so Hölling.
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Für rechtliche Fragen ist mit Larissa Hubert eine Volljuristin an Bord. Eine weitere Kraft kenne sich gut im Sozialrecht aus, eine andere im psychosozialen Bereich. Darüber hinaus verstehe sich die Beratungsstelle als Ort der politischen Einflussnahme: „Unser Ziel ist es, die Menschen kompetenter zu machen für Entscheidungen im Gesundheitsbereich“, so Hölling. Die „Graswurzelbewegung“ der Gesundheitsläden habe bei ihrer Entstehung vor rund 45 Jahren eine Demokratisierung des Gesundheitswesens fokussiert. Weg von der Top-Down-Praxis mit ihren „Halbgöttern in Weiß“, könnte man sagen. Noch immer gibt es hier offenbar einiges zu tun.
Zur symbolischen Schlüsselübergabe kamen Gäste aus Politik, Verwaltung und sozialen Netzwerken, darunter der Patientenbeauftragte des Bundes, Stefan Schwartze (7.v.l.) und die NRW-Patientenbeauftragte Claudia Middendorf (4.v.re.).
| © Gesundheitsladen BI
Somit stand die Politprominenz am Tag der Eröffnung Ende April in Person von Stefan Schwartze, Patientenbeauftragter des Bundes, und Claudia Middendorf als NRW-Patientenbeauftragte stellvertretend für diesen politischen Anspruch. UPD-Vorständin Katharina Graffmann-Weschke verwies darauf, dass „in einem zunehmend komplexen Gesundheitssystem verständliche und unabhängige Informationen“ für die Menschen von großer Bedeutung seien.
„Viele wissen nichts von ihrem Recht auf Zweitmeinung“
Aus dem lokalen Umfeld nahmen der zuständige Dezernent Martin Adamski, Julia Harmsen als Leiterin des Gesundheitsamtes und Angelika Beier als Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Stadt Bielefeld an der Eröffnung des Angebots teil. Regionale Netzwerkpartner waren mit Matthias Rotter vom Paritätischen und Uwe Ohlrich von der Selbsthilfekontaktstelle Bielefeld vertreten. Gregor Bornes war als Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen aus Köln angereist.
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Zwei häufig wiederkehrende Fragen in der Beratung nannte Hölling: dies sei zum einen das Recht auf eine eine ärztliche Zweitmeinung, „von dem viele Patienten gar nichts wissen“. Zweitens gehe es oft um Probleme mit der zentralen Notrufnummer 116 117. Diese frustriere viele Ratsuchende, wenn sie über Stunden nicht erreichbar sei. Hier in einer schwer einzuschätzenden Lage eine verlässliche „Vorsortierung“ per Telefon zu bekommen, wäre das Ziel. Es spare Zeit und Ärger. Etwa, wenn besorgte Angehörige einen Rettungseinsatz auslösten und später auf den Kosten sitzen bleiben, weil sich der Notfall als Bagatelle herausstelle.
