Stand: 16.05.2026 16:30 Uhr
In Schleswig-Holstein leiden nach Experten-Angaben etwa 30.000 Menschen an der chronischen Darmerkrankung Zöliakie. Betroffene fordern, dass in öffentlichen Einrichtungen zwingend Essen angeboten wird, das kein Gluten enthält.
Romina ist chronisch krank. Sie leidet an Zöliakie – eine unheilbare Autoimmunkrankheit. Schon kleinste Mengen vom Klebe-Eiweiß Gluten in Weizen, Dinkel, Gerste und Roggen führen bei ihr zu Darmentzündungen – langfristig besteht die Gefahr, dass sie Folgeerkrankungen entwickelt. Deswegen backt und kocht sie nahezu alles selbst – auf die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe kann sie sich nicht verlassen.
Rund ein Prozent in Deutschland erkrankt
Laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) ist rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung erkrankt. Die Symptome sind vielfältig, deshalb wissen demnach viele Menschen nichts von ihrer Erkrankung, sagt Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin.

Romina darf kein Gluten essen, deswegen kocht und backt sie alles selber.
Auch die Dunkelziffer sei hoch – Sina geht davon aus, dass viele Betroffene nur mit der Diagnose „Reizdarm“ leben und womöglich eigentlich Zöliakie haben. Die Krankheit ist nur durch Ernährungstherapie zu behandeln, sagt Sina. Betroffene müssen konsequent glutenfrei essen und trinken.
Alltag eingeschränkt durch die Erkrankung
Zöliakie ist keine reine Glutenunverträglichkeit. Romina braucht zum Beispiel einen eigenen Toaster, um keine Glutenspuren aufzunehmen. Auch ein Mixer, der mit Gluten in Kontakt gekommen ist, würde den für sie gefährlichen Stoff auch nach gründlicher Reinigung übertragen. „Ganz entspannt kann ich nur Lebensmittel essen, die tatsächlich nicht verarbeitet wurden“, sagt sie. Auch ihr Alltag abseits des Essens ist teilweise durch ihre Krankheit eingeschränkt: „Wenn mich mein Partner küssen würde, nachdem er gerade ein Brötchen gegessen hat, dann würde das auch schon ausreichen.“

Zöliakie ist unheilbar und nur durch Ernährungstherapie zu behandeln, sagt Christian Sina.
Eine weiteres Problem: die Erkrankungen und Symptome, die die Zöliakie begleiten, so Sina. „Wir haben sehr viele Komorbiditäten, die nicht immer auf das Weglassen von Gluten ansprechen. Wir sehen in bis zu 30 Prozent der Betroffenen Darmbeschwerden und wir sehen Beschwerden im Sinne von Diabeteserkrankungen.“ Dadurch müsse neben der Ernährung auch auf weitere Therapien geachtet werden.
Forderung der DZG: Glutenfreies Essen auch in Kantinen

In öffentlichen Kantinen soll es verpflichtend auch glutenfreies Essen geben, fordert die DZG.
Eine Hürde für Menschen, die mit der Erkrankung leben, will die DZG bald nehmen: In öffentlichen Kantinen ist das Angebot an glutenfreiem Essen knapp bis gar nicht vorhanden. Damit das zukünftig verlässlich möglich ist, hat die DZG eine Bundestagspetition gestartet, über die heute auch auf dem Welt-Zöliakie-Tag in der Kulturwerft Gollan in Lübeck informiert wurde. Außerdem gab es dort Fachvorträge zu neuen Therapieansätzen und gesunder glutenfreier Ernährung. Zu den Themen gehörten außerdem Therapieansätze und gesunde, glutenfreie Ernährung.
Forschungsstand Zöliakie: Licht am Horizont?
Wie steht es um die Forschung zu der Krankheit? Nach einer langen Zeit des Stillstands sieht Christian Sina etwas Licht am Horizont – neue Ansätze und Medikamente werden demnach gerade ausprobiert. Noch sei es aber zu früh, um zu sagen, wie effektiv diese neuen Therapieversuche wirklich sein werden.

Wie viele Menschen in MV genau unter einer Gluten-Unverträglichkeit leiden ist nicht bekannt, aber ihr Alltag ist oft ein Problem.

Bei Gluten-Unverträglichkeit zerstören schon kleinste Mengen Gluten aus Getreiden, Fertigprodukten oder verunreinigten Küchenutensilien die Darmzotten.

Krankheit Zöliakie
Hazel Brugger spricht über ihre Autoimmunerkrankung Zöliakie. Die Glutenunverträglichkeit wurde spät entdeckt, verrät sie Barbara Schöneberger.