Am Abend findet das Finale des Eurovision Song Contest in Wien statt. Aber schon Stunden vorher wird in der Stadt gefeiert, gesungen und protestiert. Die Teilnahme Israels am Wettbewerb ist umstritten, fünf Länder boykottieren den ESC deshalb in diesem Jahr. Unser Reporter ist live vor Ort und berichtet.
ESC-Newsblog vom 16.5.2026
17:01 Uhr: Fans in Wien freuen sich auf „große Party“
Doch es gibt nicht nur Protest in Wien, auch viele Fans sind schon in den Straßen unterwegs – trotz des Regens. Margarita und ihre Freundin Elena sind aus Bochum und Regensburg nach Wien gekommen und haben Tickets für das Finale heute Abend. Sie freuen sich auf eine „große Party“, sagt Margarita. Den ESC verfolgen die beiden schon seit Jahren. „Das ist immer eine mega Show.“ Ihre Favoriten heute Abend: Australien, Italien und Griechenland.
Margarita (r.) und Elena kommen aus Bochum und Regensburg.
© Lion Grote
Aus Großbritannien sind Charlie, Meg und Rachel angereist. Es ist nach Malmö ihr zweiter ESC. Den britischen Kandidaten Look Mum No Computer finden sie großartig, erwarten aber keinen Sieg. „Er wird furchtbar abschneiden“, glaubt Charlie. Beim ESC geht es für die drei aber vor allem um die Stimmung. „Liebe für alle – das ist das Motto“, sagt Rachel.
Charlie, Meg und Rachel (v.l.) glauben nicht an einen britischen ESC-Sieg.
© Lion Grote
15:58 Uhr: Die Protestierenden haben sich auf den Weg gemacht
Inzwischen hat sich der große Protestzug in Bewegung gesetzt. Zu sehen sind vor allem palästinensische Flaggen, gekommen sind aber auch viele Vertreter sozialistischer, kommunistischer und antikapitalistischer Gruppen.
Der Protestzug ist in Bewegung.
© Lion Grote
Gerufen wird immer wieder der Slogan „Free, free, Palestine“. Bei der vorigen Kundgebung wurde aber auch gegen den internationalen Zionismus geschimpft. Die Zahl der Demonstranten ist inzwischen auf mehrere Tausend angewachsen. Ausschreitungen gab es bislang keine.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Externen Inhalt anzeigen
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
15:21 Uhr: Artists against Antisemitism protestiert
Nur wenige hundert Meter vom großen Protest gegen die Israel-Teilnahme beim ESC hat sich die Gruppe Artists against Antisemitism postiert.
Sonja, Aktivistin
© Lion Grote, Tagesspiegel
Sonja ist eine der Aktivistinnen. Sie empfindet die Proteste und die Boykottbewegungen als antisemitisch und bedrohlich. „Wir sind hier, um eine Gegenstimme zu sein und erklären uns solidarisch mit allen Jüdinnen und Juden“, sagt sie.
14:32 Uhr: Demo gegen Israel-Teilnahme läuft
Unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“ startete um 14 Uhr die größte ESC-Demonstration in dieser Woche in Wien. Sie protestieren gegen die Teilnahme Israels am Wettbewerb und kritisieren das israelische Vorgehen in Gaza. 3000 Personen waren angemeldet, zum Auftakt am Westbahnhof waren es deutlich weniger, möglicherweise auch wegen des anhaltenden Regens.
Die Teilnehmerzahl war überschaubar.
© Tagesspiegel/Lion Grote
Reinhard Kloß ist gebürtiger Wiener. Er empfindet es als seine Bürgerpflicht, zur Demonstration zu kommen. „Was die Regierung Netanjahu in Gaza, im Iran und im Südlibanon macht, kann ich nicht akzeptieren“, sagt er.
Reinhard Kloß.
© Tagesspiegel/Lion Grote
Valerie sagt, sie könne „nicht feiern, wenn woanders Menschen sterben“. Die Teilnahme Israels am ESC findet sie „heuchlerisch“. Das Argument, der Wettbewerb sei unpolitisch, kann sie nicht nachvollziehen. „Dann müsste Russland ja auch dabei sein dürfen.“
Valerie.
© Tagesspiegel/Lion Grote
14:30 Uhr: Lage laut Wiener Polizei vor dem Finale „sehr ruhig“
Vor der Final-Show des streng bewachten Eurovision Song Contest (ESC) und den angekündigten Demonstrationen in Wien hat ein Polizeisprecher die Lage als „sehr ruhig“ bezeichnet. Das sei schon während der ganzen ESC-Woche so gewesen und habe sich bislang nicht geändert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
13:39 Uhr: Schwedische ESC-Finalistin fällt nach Probe in Ohnmacht
Die schwedische ESC-Teilnehmerin, Felicia, hat nach der Generalprobe in der Nacht zum Samstag einen Kreislaufkollaps erlitten. Das berichtete die Zeitung „Aftonbladet“ unter Berufung auf die Leiterin des schwedischen ESC-Teams, Lotta Furebäck.
Der Rundfunksender SVT teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass die Sängerin nach der Probe in ihrem Umkleideraum einen Blutdruckabfall erlitten habe. Der Grund dafür sei gewesen, dass Felicia dehydriert gewesen sei – sie habe im Laufe des Tages nicht genug getrunken und gegessen.
Felicia aus Schweden mit dem Titel „My System“ auf der Bühne bei den Proben für das erste ESC-Halbfinale.
© dpa/Jens Büttner
In einer Stellungnahme schrieb die Sängerin, dass es im sogenannten Greenroom „unglaublich heiß“ gewesen und ihr dort immer schwindliger geworden sei. Später habe sie „großartige Hilfe“ vom medizinischen Personal vor Ort bekommen.
Sie habe gut geschlafen, viel getrunken und gegessen. „Jetzt bin ich super bereit für den Tag!“, hieß es in Felicias Stellungnahme.
Mehr zum ESCEurovision-Siegerin Nicole im Interview „Ich erkenne den ESC nicht mehr wieder“ ESC am Samstagabend Sarah Engels tritt beim Finale in Wien als Zweite an „In Wien muss alles erst Theater werden“ Beim ESC wird eine ganze Stadt zur Bühne für Party und Protest
In Wien kämpfen am heutigen Samstag 25 Lieder und ihre Interpreten um den Sieg beim 70. Eurovision Song Contest (ab 21.00 Uhr live im Ersten). Für Deutschland mit der Startnummer 2 geht die Sängerin Sarah Engels mit der Dance-Nummer „Fire“ ins Rennen. (mit dpa)