Als die alte Esche auf dem Außengelände, die von vielen Fledermäusen als Rückzugsort genutzt wurde, gefällt werden musste, befürchtete Sabine Weenen Schlimmes: hohe Kosten für die vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahme. „Unsere Stadt ist als waldarm eingestuft”, sagt die Geschäftsführerin der Einrichtung „Menschen im Zentrum” mit sieben Kita-Gruppen. Insgesamt 91 Mädchen und Jungen werden hier betreut, 43 davon mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Die Auflage für das Entfernen des geschädigten Baums lautete: sieben Fledermauskästen sollten auf dem Areal befestigt werden, um den nachtaktiven Tierchen neue Unterkünfte anzubieten. „Bei Kosten von etwa 90 Euro pro Stück wäre das ganz schön ins Geld gegangen”, so Weenen.

Der Nabu spendierte sieben Fledermauskästen

Sie meldete sich auf der Suche nach einer Lösung beim Mönchengladbacher Naturschutzbund (Nabu). Michael Haberl leitet dort zusammen mit Michael Thissen den Arbeitskreis Amphibien und Reptilien, der auch für den Fledermausschutz im Stadtgebiet zuständig ist. Das Ergebnis ist nun sichtbar: Sieben hölzerne Wohnstätten für heimische Fledermausarten wie den Großen Abendsegler mit bis zu 40 Zentimetern Flügelspannbreite oder das Braune Langohr spendierte der Nabu – vier auf Vereinskosten und drei, die von Vorstandsmitgliedern finanziert wurden. Haberl kennt die bedrohliche Situation der Fledermäuse in Mönchengladbach, die – wie Vögel – oft von Windrädern getötet werden oder nicht mehr genug Nahrung finden und deshalb in einem abgemagerten Zustand sind. Ersatzquartiere seien deshalb sehr wichtig, so der Experte für Amphibien und Reptilien im Gespräch mit unserer Redaktion. Viele dieser Tiere seien auf Unterschlüpfe an Gebäuden oder Naturhöhlen in Bäumen angewiesen. Auch die Motorsäge gehört zu den Feinden der Fledermaus. „Die Zwergfledermaus hat fast jeder bei sich zu Hause im Garten“, so Haberl.

Die Kästen sollen regelmäßig kontrolliert werden

Die Unterkünfte sind nun installiert worden. Ab sofort sollen sie in regelmäßigen Abständen von Nabu-Mitgliedern kontrolliert werden. Auch Hausmeister Ewald Speier wird sich um die Fledermaus-Häuschen kümmern. Bis zum Einzug kann unter Umständen allerdings noch einige Zeit vergehen. „Manchmal sogar ein paar Jahre”, erklärt Michael Haberl. Oft würden die Kästen auch von Meisen oder Hornissen belegt.

In einer einzigen Nacht könne eine Fledermaus 1000 bis 2000 Insekten vertilgen, darunter die lästigen Stechmücken. Um weiterem Insektenschwund effektiv entgegenzuwirken, rät Haberl Gartenbesitzern daher, Insektenhotels aufzustellen oder aufzuhängen. Die enge Zusammenarbeit mit dem Nabu ist der Einrichtung „Menschen im Zentrum” wichtig. Auch an den nächsten Krötenwanderungen besteht Interesse – dabei werden Eimer aufgestellt, um Kröten davon abzuhalten, gefährliche Straßen zu überqueren. Fledermäuse stehen auch im Mittelpunkt der Vorträge, die Michael Thissen an der Katholischen Grundschule Zeppelinstraße sowie an der Städtischen Grundschule Nespelerstraße hält, deren offener Ganztagsbetrieb von „Menschen im Zentrum” organisiert und geleitet wird.