„Alles bei der Feuerwehr macht am meisten Spaß“, sagt Ida. Die Neunjährige sitzt in einem Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Ludwigsburg-Hoheneck. Zusammen mit ihren jungen Kameradinnen und Kameraden zählt sie auf: das Teamwork, das spielerische Retten und Transportieren von Personen, Wettbewerbe und Abzeichen, die großen Fahrzeuge, das Mitfahren im Feuerwehr-Boot.

Kinderfeuerwehr: Notruftraining bis Löschangriff

Es ist Samstagvormittag. Fast 20 Kinder sind in die Feuerwache gekommen. Wäre das Wetter schön, würden sie einen Löschangriff üben – mit echten Schläuchen, Wasser aus dem Hydranten und einem Ball, der durch ein Slalom gespritzt werden muss. Doch es ist kalt und feucht, so machen die Sechs- bis Neunjährigen ein Notruftraining. Danach treten sie in zwei Mannschaften beim Feuerwehr-Quiz gegeneinander an.

Jugendfeuerwehren haben so viele Mitglieder wie noch nie. Laut Deutscher Jugendfeuerwehr gab es 2025 mehr als 380.000 Mitglieder. Das sind rund 42 Prozent mehr Kinder- und Jugendliche als fünf Jahre zuvor. Sven Heck, Stadtjugendfeuerwehrwart in Stuttgart, berichtet von Wartelisten in fast jeder Abteilung. Insgesamt gibt es in der Landeshauptstadt mehr als 500 Kinder und Jugendliche bei der Feuerwehr. „Wir haben alle Nationalitäten. Alle haben bei uns die gleiche Chance und dürfen mitmachen“, sagt Sven Heck.

Keine Angst vor Feuer, aber Respekt

Für Jonas sind die zwei Stunden Kinderfeuerwehr in Ludwigsburg pro Monat mehr als nur Spaß, Action und tolle Gemeinschaft. Der Neunjährige will nach der Kinder- und Jugendfeuerwehr zu den aktiven Feuerwehrleuten gehen. Seine Wunschposition: der Angriffstrupp. Sein Opa und sein Ur-Opa waren auch schon bei der Feuerwehr, erzählt Jonas weiter.

Auch Max ist neun Jahre alt und sitzt mit im Feuerwehrfahrzeug. Wassertrupp-, Schlauchtrupp-, Angriffstrupp- und Gruppenführer sowie Melder und Maschinist – er findet alle Positionen interessant. Ob er Angst vor Feuer hat – nein, sagt er. „Ich habe aber Respekt.“

Jugendfeuerwehren: Wartelisten statt Nachwuchssorgen

Die Kinderfeuerwehr in Ludwigsburg-Hoheneck ist beliebt. „Wir haben eine Warteliste von derzeit 10 Kindern“, sagt Nathalie Weller, die selbst seit fast 20 Jahren bei der Feuerwehr ist und die Gruppe zusammen mit ihren Kameradinnen und Kameraden leitet. Auch bei der Jugendfeuerwehr, also bei den 10- bis 17-Jährigen, gibt es mehr Interessierte als Plätze.

Kinderfeuerwehr Ludwigsburg-Hoheneck

Max, Ida, Lyanna und Jonas im Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Ludwigsburg-Hoheneck. Ausgestattet sind sie mit Handlampen, Wärmebildkamera und Funkgerät.

Echte Einsätze erst ab 18 Jahren

Der Stuttgarter Stadtjugendfeuerwehrwart Sven Heck schätzt, dass von fünf jugendlichen Feuerwehr-Mitgliedern etwa drei in die aktive freiwillige Feuerwehr eintreten. Ein Teil von ihnen gehe sogar noch weiter, arbeite später bei der Berufsfeuerwehr.

Für die Kinder in Ludwigsburg ist das noch Zukunftsmusik. Kinder und Jugendliche gehen nicht mit auf Einsätze. „Das ist erst ab 18 Jahren erlaubt“, erklärt die Ludwigsburger Feuerwehrfrau Nathalie Weller. Trotzdem trainieren sie schon Einsätze. Neulich haben sie den Anschluss von Schläuchen an Hydranten geübt. Danach stand die Straße unter Wasser – sehr zur Freude der Kinder. Max erzählt, wie es ist, einen Schlauch zu halten, durch den 400 Liter Wasser pro Minute rauschen. „Da ist sehr viel Druck drauf.“ Deswegen halten die Kinder ihn immer nur zu zweit.

Ehrenamt und Teamwork bei der Feuerwehr

Teamwork ist wichtig – nicht nur im Einsatz, sondern auch bei den Übungsstunden. Abteilungsjugendleiterin Nathalie Weller ist zusammen mit Timo Ritter und Stephanie Grammlich da. Dazu die Partnerinnen von zwei Feuerwehrkameraden. „Ohne Ehrenamt geht es nicht“, sagt Timo Ritter. „Wir sind alle freiwillig da.“