Wer heute über internationale Drehkreuze wie Frankfurt reist, verbringt manchmal Stunden im Terminal, eine Zeit zwischen Ankunft und Abflug. Diese Zeit lässt sich auf verschiedene Weise füllen. Fraport möchte das neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen auch zu einem Ort der Kunst machen. Eine zentrale Rolle spielt dabei Tobias Rehberger. Der in Frankfurt verwurzelte Künstler, Professor an der Städelschule und Träger des Goldenen Löwen der Biennale von Venedig, arbeitet im Terminal 3 laut Fraport als „Artist with Residence“. Seit vielen Jahren bewegen sich Rehbergers Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst, Design und Alltag. Im Terminal 3 sind sie Interventionen, die einen Kontrast zur Architektur von Christoph Mäckler bilden sollen.

Ein Ort des Übergangs

Im Zentrum von Rehbergers Konzept steht das Motiv des Übergangs. Flughäfen sind klassische Orte von Übergängen. Dieses Motiv greift Rehberger auf und übersetzt es in Installationen, die den Weg der Passagiere durch das Terminal begleiten: nach der Passkontrolle auf dem Weg zum zentralen Marktplatz des Terminals und im Marktplatzbereich mit der Installation “To From”. „Say Hello To Goodbye“ ist in dreidimensionaler Schrift im Durchgang zu lesen, den der/die Reisende betritt. Nach der Passkontrolle befinden sich die Passagiere im Transit und sind somit nicht mehr in Deutschland und noch nicht dort, wo sie hinmöchten.

Sie befinden sich in einem Dazwischen. Nicht mehr da und noch nicht angekommen. Rehbergers Kunst wird dabei zur Begleiterin, der Durchgang zum Selfie-Spot, in dem sich die Passagiere fotografieren. Auf dem „Marktplatz“ im Non-Schengen-Bereich steht ein von Rehberger gestaltetes mobiles DJ-Pult, hier legen DJs, die aus dem MOMEM-Umfeld kommen, auf. Auch eine Raucherlounge mit Rehbergers Arbeiten befindet sich hier. Wer hineinblickt, hat das Gefühl, sich in einem Spiegelkabinett zu befinden, in dem sich die Neonarbeiten unendlich zu wiederholen scheinen.

Von Fröhlichkeit und Melancholie

Wie es zur Zusammenarbeit kam, erklärt Rehberger: „Ende November hat mich Dr. Thomas Frank von Fraport kontaktiert und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Interventionen im neuen Terminal 3 zu machen.“ Rehberger antwortete, dass er sich das grundsätzlich vorstellen könnte, allerdings sei bis zur Eröffnung im April sehr wenig Zeit. „Zum Glück ist mir schnell etwas eingefallen. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich selbst oft an Flughäfen bin.“ Reisen sei oft sehr anstrengend, man sitzt viel herum, das koste Energie. Die Interventionen sollen den Reisenden Energie geben. Rehbergers Arbeiten im Terminal 3, die bunt und poppig erscheinen, sollen allerdings nicht nur oberflächlich-fröhlich verstanden werden.

„Sie sind nicht nur fröhlich, sondern haben auch etwas Melancholisches.“ Orte des Übergangs seien eben nicht klar, nicht nur fröhlich oder traurig, sondern haben etwas Zweischneidiges. Inwieweit hat die Architektur des Terminal 3 Rehbergers Arbeiten beeinflusst? „Ich finde, dass mit Kunstwerken Kontrapunkte gesetzt werden können. Wenn etwas eher elegant und seriös erscheint, wie das Terminal 3, muss es Kontrastpunkte geben“, erklärt Rehberger, „fast so, als ob ein Ufo gelandet wäre.“

Im Terminal 3 soll die Kunst nicht isoliert präsentiert werden, sondern – im sogenannten „Marktplatz“ gelegen – die anderen Bereiche Shopping, Gastronomie und Wartezone – verknüpfen. Künstlerisch gestaltete Stelen an den Eingängen der Geschäfte machen die Reisenden auf die Installationen im Terminal aufmerksam. Die Zusammenarbeit mit Tobias Rehberger ist laut Fraport als langfristige Initiative angelegt. Weitere Arbeiten sollen im Laufe des Jahres folgen.