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Herford (Nordrhein-Westfalen) – Schlechte Nachrichten für Herforder und Paderborner. Der Warsteiner-Konzern schließt die Herforder Brauerei in Hiddenhausen. Auch der Standort in Paderborn steht auf dem Spiel. Jetzt bangen rund 220 Mitarbeiter und ihre Familien um ihre Zukunft. Und in Ostwestfalen droht ein Stück Identität zu verschwinden.

Die Schließung ist für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Und es könnte noch härter kommen: Falls ein Verkauf der Brauerei in Paderborn nicht gelingt, soll der Betrieb dort zum Jahresende 2026 ebenfalls eingestellt werden.

Schwerer Schlag für die Region

Verkündet hat das Aus die Haus Cramer Gruppe, die Dachgesellschaft der Warsteiner Brauerei. Sie gehört zu den größten Brauereien Deutschlands. Für die Region ist das ein schwerer Schlag. Fast 100 Arbeitsplätze in Herford stehen auf dem Spiel, dazu etwa 120 in Paderborn. Und für viele Mitarbeiter ist es mehr als nur ein Job. Es geht um Heimat und Identität.

Soll verkauft werden: die Brauerei in Paderborn

Soll verkauft werden: die Brauerei in Paderborn

Foto: picture-alliance/Robert B. Fishman

Was mit dem Bier passieren soll

Die Mitarbeiter und ihre Familien fordern in einer Internet-Petition: „Stoppt das Aus für Herforder: Tradition lässt sich nicht umfüllen!“ Initiator Thomas Gersmann beklagt gegenüber BILD: „Eine über 140-jährige Brautradition soll beendet werden.“ Das Bier solle künftig als „Kuckucksei“ im über 80 Kilometer entfernten Warstein gebraut werden.

Das Herforder und Paderborner Bier soll künftig im Hauptstandort in Warstein gebraut werden

Das Herforder und Paderborner Bier soll künftig am Hauptstandort in Warstein gebraut werden

Foto: David Inderlied/dpa

Mit der Trennung von den beiden Brauereien in Ostwestfalen-Lippe kürzt der Familienkonzern seine Brau-Kapazitäten um rund 30 Prozent, wie die Haus Cramer Gruppe mitteilt. Die Biermarken Herforder und Paderborner sollen bleiben. Künftig werden sie in Warstein in NRW hergestellt. Das Familienunternehmen begründet die Einschnitte mit dem stark sinkenden Bierkonsum in Deutschland.

„Das Unternehmen ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und möchte gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sozialverträgliche Lösungen erarbeiten. Zudem wird angestrebt, einen Teil der Belegschaft am Standort in Warstein zu übernehmen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Mehr zum ThemaBier-Markt in Deutschland schrumpft weiter

In Deutschland wird seit Jahren immer weniger alkoholhaltiges Bier getrunken. 2025 ging der Konsum um historische 5,8 Prozent zurück. Die Talfahrt setzt sich auch 2026 fort. Nach jüngsten Angaben des Deutschen Brauer-Bundes gaben in den vergangenen sechs Jahren 137 Betriebe auf, darunter viele jahrhundertealte Brauereien. Große Brauereien schließen Standorte, so wie Oettinger in Braunschweig.

Erst im März ging die Maritius-Brauerei in Sachsen pleite. Sie produziert unter anderem für Rewe. Auch die 160 Jahre alte Rosenbrauerei Pößneck in Thüringen rutschte in die Insolvenz, wurde verkauft. Die Pleite-Liste der Brauereien ist lang, und sie wird immer länger.