Starkes Kollektiv: Der VfB bejubelt in Frankfurt den Einzug in die Königsklasse. Foto: Baumann/Hansi Britsch
Der VfB etabliert sich durch den Einzug in die Champions League als Spitzenteam – muss aber jetzt weiter kluge Entscheidungen treffen, kommentiert David Scheu.
Nach oben zu kommen, ist das eine – sich an der Spitze zu halten, aber oft die eigentliche Herausforderung. Der VfB Stuttgart ist auf dem besten Weg, sie zu meistern. Zum zweiten Mal binnen drei Jahren wird der Bundesligist aus Bad Cannstatt in der Champions League antreten, sich mit den stärksten Teams Europas messen, auf der größten Bühne präsent sein. Zwar wartet noch ein Highlight mit dem Pokalfinale gegen den FC Bayern, das Erreichen von Platz vier nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt krönt die Saison aber schon jetzt.
Zwar gelang der Einzug in die Königsklasse dieses Mal nicht so schwerelos wie einst 2024, die Leistung ist aber mindestens gleichrangig einzuordnen. Anders als vor zwei Jahren war es eine Spielzeit mit Doppelbelastung, oftmaliger Favoritenrolle – und unter Zugzwang bis zuletzt. Im engen Rennen um die Königsklasse brauchte es mehr Punkte als üblich, der VfB hat sie geholt und auf dem Papier besser besetzte Teams wie Bayer Leverkusen distanziert.
Die Spielräume für Transfers sind durch die neuen Millionen größer
Wie? Durch einen konsequent offensiv-aktiven Spielansatz (71 Saisontore), aber auch mit der nötigen Gewinnermentalität. Die Mannschaft hat Rückschlägen getrotzt, Druckresistenz bewiesen, an Stabilität gewonnen. Die Folge: 62 Punkte, nur viermal waren es seit Einführung der Drei-Punkte-Regel mehr Zähler. Dass der Einzug in die Königsklasse für das Team von Erfolgstrainer Sebastian Hoeneß ein verdienter ist, steht völlig außer Frage. Vor allem aber ist er immens bedeutend.
Ein entscheidender Vater des Erfolgs: Trainer Sebastian Hoeneß Foto: Baumann/Hansi Britsch
Das Millionenspiel Champions League eröffnet mit fixen Einnahmen von rund 40 Millionen Euro finanzielle Spielräume auf dem Transfermarkt – es liefert aber auch Argumente, den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten und umworbene Stammkräfte wie Taktgeber Angelo Stiller von einem Verbleib zu überzeugen. Denn: Das Anspruchsdenken innerhalb der Mannschaft ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, die viele ambitionierten öffentlichen Aussagen der Spieler lassen daran keinen Zweifel.
Nun ist es keine Neuigkeit, dass man mit viel Geld auch viel Unsinn anstellen kann. Zu befürchten ist das beim VfB aber nicht. Die Chefetage um Vorstandsboss Alexander Wehrle und Sportchef Fabian Wohlgemuth hat den Club mit einem Mix aus maßvoll kalkuliertem Risiko und klugen Transferentscheidungen in den vergangenen Jahren auf den jetzigen Erfolgskurs gebracht – und ist nun erneut gefordert im anstehenden Sommer, in dem entscheidende Weichen gestellt werden. Die Ausgangslage für den VfB dafür ist eine blendende.