Als ihr Verlag sie fragte, ob sie einen Beitrag zu einer Anthologie über Kaffeehäuser oder Cafés schreiben wolle, sagt Brigitte Lamberts spontan zu. Und welches Café für sie infrage kam, war auch sofort klar: das Café Heinemann an der Blumenstraße. Denn dort ist sie Stammgast, liebt es, dort zu frühstücken und zu Mittag zu essen. „Hier gibt es noch kulinarische Köstlichkeiten, die sonst kaum noch auf der Karte stehen“, sagt sie und denkt an Ragout fin oder Königsberger Klopse. Herausgekommen ist ein Essay, eine Liebeserklärung an das Café. Viel mehr will die 65-Jährige nicht verraten, erscheint die Sammlung über Kaffeehäuser doch erst im Herbst.

Dafür kann die gebürtige Düsseldorferin aber jede Menge von ihren anderen Büchern und Veröffentlichungen erzählen. „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ ist beispielsweise eine Anthologie mit 20 Kurzgeschichten, die die promovierte Kunsthistorikerin herausgegeben und auch einen Beitrag dazu geliefert hat. Eine dramatische Geschichte zweier Geschäftsleute, die sich auf dem Flug von New York nach Düsseldorf kennengelernt haben. Die beiden verabschieden sich am Gepäckband und verabreden sich für den nächsten Tag. Einer schafft es nicht, die Feuerwalze verschlingt ihn. So hat Lamberts den Flughafenbrand vom 11. April 1996 noch einmal verarbeitet.

Anthologien sind das eine, mit denen sich Brigitte Lamberts beschäftigt, Krimis das andere. Dabei hat die 65-Jährige, bevor sie anfing, Kriminalromane zu schreiben, lange gar keine Krimis gelesen. Eine Freundin hat sie überzeugt, sie sollte endlich mal einen lesen, bevor sie darüber redet oder lästert.

Heute ist das anders. Es hat sie gepackt. „Ich lese fast nur Krimis“, sagt Lamberts, die in Kaiserswerth am Theodor-Fliedner-Gymnasium ihr Abitur machte, dann die Landeshauptstadt erstmals verließ und nach Studium und Promotion anfangs in Museen arbeite. Da war sie in der Öffentlichkeitsarbeit und PR tätig, bis sie sich selbstständig machte und vor zwölf Jahren zurück nach Düsseldorf kehrte.

Heute lebt und arbeitet sie in Stockum, und dort schrieb sie auch vor zwölf Jahren ihren ersten Kriminalroman „Ausgeweidet“. Den Plot hat sie zusammen mit einer Schulfreundin und Nachbarin entwickelt. Die glaubte nicht daran, dass Lamberts etwas niederschreibt, „bis ich ihr die ersten 20 Seiten einfach in den Briefkasten geworfen habe“, meint sie verschmitzt lächelnd.

Ihr erster Protagonist heißt Clemens von Bühlow, ist Hauptkommissar in Düsseldorf. Doch nach drei Büchern schickte Lamberts ihren Ermittler in den Urlaub – möglichst weit weg. „Da ist er immer noch“, meint sie. „Aber vielleicht kommt er irgendwann wieder.“

Und dann kam er: Sven Ruge ein Düsseldorfer Gastro-Kritiker, der einen kulinarischen Reiseführer über Mallorca schreiben soll. Die Figur, die sie erfand, ist ein junger sympathischer Typ, der seine Nase in Dinge steckt, die ihn nichts angehen. So entstand die Reihe „El Gustario de Mallorca“. Fünf Bücher sind erschienen, der sechste Band ist in Arbeit. Ruge ist inzwischen auf Mallorca heimisch geworden, denkt sogar daran, dort ein Haus zu kaufen, und er geht immer noch leidenschaftlich gerne essen – wie seine Erfinderin. „Ich liebe die mallorquinische Küche – mediterran und etwas rustikal“, sagt sie.

Ihr Held Ruge gerät ständig in Gefahr. Lamberts gelingt es, eine Verbindung zwischen Krimi, Reiseführer und Gastro-Empfehlungen zu geben. Deshalb musste es auch Mallorca sein – ihre Lieblingsinsel. Sie ist fasziniert von der Schönheit der Landschaft. Da kennt sie sich bestens aus. Und seit ihren Romanen noch besser. Denn in „El Gustario de Mallorca“ geht es um mehr – nämlich um Hintergründe oder um Geschichte. Und da recherchiert sie minutiös. Mal geht es um den spanischen Bürgerkrieg, mal um die Flucht vor Hitler, dann um die große Hungerskatastrophe im 19. Jahrhundert. Diese dunklen Begebenheiten der Vergangenheit spielen bei der Aufklärung der Verbrechen eine wichtige Rolle. „Der historische Kontext muss stimmen“, sagt Lamberts. Ohne Mord und Totschlag geht allerdings nichts.