
AUDIO: Bildschöne Bücher: „Norman Foster. Works“ von Philip Jodidio (4 Min)
Stand: 17.05.2026 06:00 Uhr
Der Architekt Norman Foster hat vielen Städten weltweit seinen Stempel aufgedrückt. Voriges Jahr ist er 90 geworden und hat nun bei der Gestaltung eines Buches mitgewirkt, das sein Lebenswerk vorstellt.
Ein Trumm, schwergewichtig, klotzig-rechteckig, inhaltsreich – so stand der Reichstag jahrzehntelang in Berlin auf der Wiese. Bis ihm der britische Architekt Norman Foster eine gläserne Kuppel aufsetzte. Dies tat er jedoch nur sehr widerwillig.
Imponierende Werkschau
Ebenso schwergewichtig, klotzig-rechteckig und inhaltsreich liegt nun auch der 700 Buchseiten starke Bildband „Norman Foster. Works“ auf dem Tisch. Die imponierende Werkschau eines Mannes, der von vielen als berühmtester Architekt der Welt bezeichnet wird, obwohl er eigentlich mehrere Architektur-Büros mit rund 1.500 Mitarbeitern führt.
„Ich glaube, es hängt davon ab, wie man eigene Arbeit definiert“, sagt Foster. „Man arbeitet mit den Leuten, die einen beauftragen. Man arbeitet mit den eigenen Kollegen. Es überrascht also nicht, dass es das Ergebnis der Arbeit vieler ist.“
Zwischen Staunen und Stirnrunzeln
Die zahlreichen Fotografien, Zeichnungen, Skizzen und Pläne in dem Band dürften fast jeden Betrachter überwältigen. Hearst Tower in New York, Millenium Bridge in London, Zayed National Museum in Abu Dhabi oder Terminal 3 des Internationalen Flughafens Peking – Fosters Bauwerke sind prestigeträchtig, seine Lösungen sind häufig brillant.
Dennoch kann sich beim Blättern allmählich ein leichtes Störgefühl einstellen. Denn die Huldigungen, die Autor Philip Jodidio ausgiebig verteilt, wirken auf Dauer eitel und fad. Kein Zweifel: Norman Foster ist ein fantastischer Architekt von Weltrang. Doch musste es sein, dass Stolperer und ästhetische Fehlentscheidungen in dieser Retrospektive zwischen zwei Buchdeckeln derart klein gehalten werden?

Norman Fosters Architektur ist für ihr innovatives und nachhaltiges Design bekannt. 2025 feierte er seinen 90. Geburtstag.
Beispiel Reichstag: Fosters Idee war, ein freistehendes Dach über das Gebäude zu ziehen; ihn schien nicht zu stören, dass das Parlament damit wie eine übergroße Tankstelle ausgesehen hätte. Heutzutage feiert alle Welt Foster für seine begehbare, transparente Glaskuppel, die der Bildband ausgiebig bei Tag und bei Nacht abbildet. Dass er sich lange dagegen gewehrt hatte, bleibt beinahe unerwähnt. Nur ein zwölf mal acht Zentimeter kleines Bildchen zeigt Fosters ursprünglich geplantes „Tankstellen“-Dach.
Immerhin verrät das Detail, wie zuhörbereit und kompromissfähig der Architekt am Ende sein konnte, der dann auch 1999 im NDR-Interview über die Kuppel sagte: „Eine Struktur wie diese gibt es in der ganzen Welt nicht. Das ist aus all den verschiedenen Wünschen erwachsen. Ich bin damit durchaus zufrieden.“

Bildbände über Architektur, Menschen oder Landschaften sind immer ein Genuss für die Augen. NDR Kultur stellt immer wieder herausragende Neuerscheinungen im Programm vor.
Fosters Handschrift: Aerodynamik, Transparenz, Eleganz
Zufrieden kann der 90-jährige Norman Foster nun auch mit diesem voluminösen Bildband sein, der 88 vollendete und fünf derzeit noch laufende Bauprojekte aus seiner langen Karriere vorstellt. Eine wahre Bilderflut entströmt auf jeweils vier bis acht Seiten vor der Leserschaft und macht deutlich, wie wichtig dem Stararchitekten Aerodynamik und Transparenz sind. Aber auch, wie flexibel er Materialien einzusetzen weiß, dass er auf „Foster-typische Formen“ gern verzichtet und doch Lösungen schafft, die jede für sich ästhetisch-elegant wirken – obwohl unterschiedliche Menschen Eleganz gewiss unterschiedlich definieren. „Fosters Fähigkeit, Strenge, Form und Gefühl in einem effizienten Design zu vereinen, kann kaum überschätzt werden“, schreibt Philip Jodidio in seinem Vorwort.
Fosters Prinzip von Gemeinschaft und Offenheit
Der Bildband bietet keine kritische Würdigung, vielmehr eine Festschrift für ein Architektur-Genie. Am Ende deutet Jodidio in einem Fazit doch an, dass der enorme Erfolg dieses Mannes nicht allein an Geistesblitzen und starkem Willen liegen kann:
Während sich viele seiner Kollegen als Einzelgänger sahen, die darum kämpften, ihre Vision zu verwirklichen, oft gegen den Willen anderer, wusste Foster von Anfang an, wie man zuhört, wie man verschiedene Ideen integriert und wie man seinen eigenen Namen mit einem System von Gemeinschaft und Offenheit verbindet.
Leseprobe

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Der Fotograf Rainer Zerback zeigt in seinem Bildband, wie radikal wir die Landschaft in eine Kulisse verwandelt haben.

Norman Foster. Works
von Philip Jodidio
- Seitenzahl:
- 712 Seiten
- Genre:
- Bildband
- Verlag:
- Taschen
- ISBN:
- 978-3-7544-0584-0
- Preis:
- 80 €