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Schokolade ist teurer geworden, teils bei kleinerer Füllmenge – klassische Mogelpackungen sorgen zunehmend für Kritik im Supermarkt.

Berlin – Schokolade ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich teurer geworden – und gleichzeitig in manchen Fällen kleiner. Verbraucher reagieren mit einem klaren Signal: Sie greifen häufiger zur Eigenmarke. Händler haben das registriert und passen ihr Sortiment an. Nun gerät auch Ritter Sport wegen möglicher „Shrinkflation“ in die Kritik.

Ein Supermarkt-Regal mit Ritter Sport und MilkaRitter Sport präsentiert sich in einer neuen Größe. Der Hersteller gibt Verbraucherwünsche als Grund an. (Symbolbild) © Zoonar/Imago

Seit Mai 2026 sind laut Unternehmensangaben drei neue Sorten der „Edelkakao Klasse“ im Handel erhältlich – allerdings mit nur noch 75 statt der bislang üblichen 100 Gramm pro Tafel. Der Preis blieb mit 2,29 Euro unverändert. Die bisherige „Kakao-Klasse“ werde nicht mehr produziert, erklärte das Unternehmen. Das geringere Gewicht begründet Ritter Sport in einer Stellungnahme damit, dass Verbraucher bei Schokolade mit hohem Kakaoanteil dünnere Tafeln bevorzugen würden.

Verbraucherschützer warnen vor Shrinkflation bei Ritter Sport

Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht die Entwicklung deutlich kritischer. „Aus unserer Sicht spricht vieles dafür, dass es sich bei den 75-Gramm-Tafeln der Edelkakao Klasse von Ritter Sport um Shrinkflation handelt“, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg auf ihrer Website. Auch in sozialen Netzwerken und Verbraucherforen sorgte die Reduzierung der Füllmenge für zahlreiche kritische Reaktionen und Unmut unter Kunden.

Ähnliche Vorwürfe gab es bereits zuvor gegen Mondelez International. Anfang 2025 reduzierte das Unternehmen die Füllmenge der Milka-Alpenmilch-Tafel von 100 auf 90 Gramm und hob gleichzeitig den Preis von 1,49 auf 1,99 Euro an, wie unter anderem der Stern berichtete. Die Verpackung blieb dabei äußerlich nahezu unverändert.

Listerien, Pferdefleisch, Olivenöl: Die zwölf größten Lebensmittelskandale in DeutschlandCollage Lebensmittelskandale, Gammelfleisch, Eier mit Dioxin, Olivenöl (v.l.)Fotostrecke ansehenLandgericht Bremen sieht Irreführung bei Milka-Verpackung durch fehlende Kennzeichnung

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg sei die Schokolade „unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden“, während Gestaltung und Erscheinungsbild gleich geblieben seien. Die Verbraucherschützer gingen rechtlich gegen die Praxis vor – mit Erfolg: Das Landgericht Bremen entschied, dass die reduzierte Füllmenge auf der Verpackung nicht ausreichend deutlich kenntlich gemacht worden sei und damit gegen das Wettbewerbsrecht verstoße, berichtete der Weser-Kurier.

Das Gericht stellte laut dpa fest, dass Mondelez die Packung mit 90 Gramm nicht ohne deutlichen Hinweis auf den reduzierten Inhalt hätte in den Verkehr bringen dürfen – zumindest nicht in den ersten vier Monaten nach der Umstellung, in denen zuvor die 100-Gramm-Packung im Angebot war. „Um eine Irreführung auszuräumen, hätte es eines Hinweises auf der Verpackung bedurft“, sagte der Vorsitzende Richter Claas Schmedes bei der Urteilsverkündung laut dpa. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen.

Konkrete Konsequenzen hat das Urteil allerdings nicht. Da die Gewichtsreduzierung bereits Anfang 2025 erfolgt war, seien die betreffenden vier Monate zum Zeitpunkt des Urteils bereits verstrichen.

Kakaopreise auf Rekordniveau treiben Schoko-Preise und verändern Kaufverhalten

Die steigenden Preise für Schokolade haben vor allem einen Grund: den drastischen Anstieg der Kakaopreise auf dem Weltmarkt. Im Frühjahr 2024 kletterte der Börsenpreis für eine Tonne Kakao laut einer Pressemitteilung des Fachverbands der Lebensmittelindustrie vom Mai 2024 von rund 2000 Euro auf über 10.000 Euro. „Kakaopreise jenseits der 10.000 Euro-Marke pro Tonne waren die höchsten Werte in der Geschichte der Preisaufzeichnungen“, erklärte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Die höheren Preise der Markenhersteller wirken sich inzwischen auch deutlich auf das Kaufverhalten der Verbraucher aus. Eigenmarken von Discountern und Supermärkten lagen damit erstmals vor Produkten von Milka und Ritter Sport, wie CHIP.de unter Berufung auf die Lebensmittel Zeitung berichtete.

Preisdruck im Schokoladenmarkt: Discounter passen Eigenmarken an

Die großen Handelsketten haben auf die veränderte Nachfrage nach günstigerer Schokolade reagiert und ihre Eigenmarken ausgebaut. Wie eine Sprecherin von Aldi Nord und Aldi Süd der HNA von Ippen.Media mitteilte, fokussiere sich der Discounter im Bereich Tafelschokolade eher auf die Eigenmarken. „Dass Eigenmarken im Vergleich zu Markenprodukten die günstigere und qualitativ oft sogar bessere Option sind, bestätigen auch Stiftung Warentest und ÖKO-TEST regelmäßig“, so die Sprecherin.

Laut einer Pressemitteilung von Lidl Deutschland vom Dezember 2025 senkte der Discounter die Preise für zahlreiche Schokoladenartikel der Eigenmarke Fin Carré um bis zu 23 Prozent. Auch Aldi reagierte: Laut Medienberichten reduzierte der Discounter die Preise für zahlreiche Produkte der Eigenmarken Choceur und Moser Roth. Auf Anfrage von Ippen.Media zu den Entwicklungen im Schokoladensegment war Lidl zunächst nicht zu erreichen. (Quellen: Verbraucherzentrale Hamburg, dpa, Weser-Kurier, CHIP.de, Lebensmittel Zeitung) (jal)