
Steht massiv in der Kritik: Stärker und fairer hat Großbritanniens Premierminister Keir Starmer das Vereinigte Königreich bisher nicht gemacht.
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Großbritanniens Premierminister Keir Starmer kämpft um sein politisches Überleben: Die Lokal- und Regionalwahlen waren genau das Fiasko für Labour, das man seit Monaten erwartet hatte. In England verlor die Regierungspartei fast 1500 Sitze, in Wales kam ihre hundertjährige Vorherrschaft zu einem abrupten Ende, auch in Schottland verlor sie Sitze. Es war eines der schlechtesten Wahlergebnisse in der Geschichte der Labour-Partei – und es war verdient.
Vom grundlegenden Wandel, den Starmer vor weniger als zwei Jahren versprochen hatte, ist nichts zu spüren. Die dringlichsten Probleme der Briten – darunter steigende Lebenshaltungskosten, ein maroder Gesundheitsdienst, eine grassierende Wohnungskrise – sind noch genauso akut wie zu Tory-Zeiten. Starmer scheint orientierungs- und visionslos, und die Affäre um Ex-Botschafter Peter Mandelson hat ihm zudem den Vorwurf der Inkompetenz eingebracht. Dass der Premierminister jetzt um seinen Job fürchten muss, ist nur folgerichtig.
Als großer Wahlsieger präsentiert sich Nigel Farage. Er sprach nach der Wahl von einer »historischen Verschiebung« in der britischen Politik. Tatsächlich legte seine rechtsradikale Partei Reform UK in allen Landesteilen stark zu, vor allem in den englischen Midlands, im Norden und an der Ostküste. Damit bekräftigt Farage seinen Anspruch, die nunmehr dominante politische Kraft im Land zu verkörpern. Das wird auch die rechte Straßenbewegung weiter stärken – eine klare Trennlinie zwischen Reform UK und den noch extremeren Aktivisten, die im vergangenen September die größte Rechtsdemo der britischen Geschichte organisierten, gibt es nicht. Für diesen Samstag ist ein weiterer Protest geplant.
Aber bei genauerem Hinsehen ist die Situation nicht ganz so düster. Noch vor wenigen Wochen hatte Reform UK mit viel mehr Sitzen gerechnet, und in den Lokalwahlen vor einem Jahr schnitt sie besser ab. Auch ist die Rechtspartei seit ihrem Umfragehoch Ende 2025, als sie bei deutlich über 30 Prozent Wähleranteil lag, auf etwa 25 Prozent abgerutscht. Meinungsforscher halten es für möglich, dass Reform UK den Höhepunkt ihrer Popularität bereits hinter sich hat.
Ebenso optimistisch stimmt aus linker Perspektive das Ergebnis der Grünen. Während die Medien im vergangenen Jahr vor allem vom Aufstieg der Reform UK berichteten, wurde die etablierte Politik gleichzeitig von links herausgefordert. Unter Zack Polanski, der im September zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, machen die Grünen zunehmend Klassenpolitik – und haben damit Erfolg: Die Green Party konnte ihre Mitgliederzahlen auf mehr als 225 000 verdreifachen, in Umfragen liegt sie etwa gleichauf mit Labour und den Tories. Bei den Lokalwahlen vergangene Woche gewann die Partei mehr als 400 zusätzliche Sitze. In fünf englischen Kommunalräten hat sie nunmehr die Mehrheit, und in zwei Bezirken in London stellt sie zudem Bürgermeister*innen: Zoë Garbett in Hackney und Liam Shrivastavan in Lewisham.
Ob und wie die Grünen ihre Sitzgewinne nutzen können, um ihre neue Rolle als linke Opposition zu stärken, wird sich zeigen – es wäre nicht das erste Mal, dass wahlpolitischer Erfolg zu einer Abstumpfung der rebellischen Instinkte führt. Aber für den Moment herrscht bei der Linken Erleichterung: Immerhin gibt es einige Hundert gewählte Vertreter mehr, die sich dem Rechtsruck im Land entgegenstellen.