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Die Deko-Kette Depot muss erneut den Weg in die Insolvenz gehen. Der Chef nennt drei Gründe und gibt einen Ausblick.
Aschaffenburg – Die Insolvenz-Welle rollt weiter ungebremst durch Deutschland. Neben großen Traditionsbetrieben müssen mittlerweile auch viele große Ketten den Weg in die Zahlungsunfähigkeit gehen. So nun auch die Deko-Kette Depot – schon wieder, muss man sagen.
Die Deko-Kette Depot geht erneut den Weg in die Insolvenz. (Archivbild) © Alicia Windzio/dpa
Die GDC Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Aschaffenburg das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung beantragt. Das bestätigte eine Gerichtssprecherin der dpa. Bei diesem Typ der Insolvenz bleibt die bisherige Geschäftsführung prinzipiell im Amt, bekommt aber Hilfe zur Seite gestellt. Im Fall von Depot ist das Rechtsanwalt Thomas Rittmeister, der bei Depot vom Gericht als Sachverwalter bestellt wurde.
Deko-Kette Depot geht den Weg in die Insolvenz – „schwierige Zeit“
Das Aus soll die Insolvenz für Depot aber nicht bedeuten. Unternehmensgeschäftsführer Christian Gries will Depot über diesen Weg sanieren: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und möglichst viele Filialen erhalten“, so Gries zur dpa.
Gries nannte drei Gründe für die finanzielle Schieflage: Neben den Zöllen von Donald Trump und der wachsenden Konkurrenz durch Billig-Plattformen wie Temu sei auch die Konsum-Zurückhaltung der Kunden angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage ein Faktor. „Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise“, so Gries. Die Preise zu senken, sei aber auf Dauer kein Weg, um rentabel zu wirtschaften, so der Geschäftsführer.
Über Depot-Insolvenz:
Depot hat seinen Sitz im unterfränkischen Großostheim. Während und nach der Corona-Pandemie kämpfte die Kette mit Schwierigkeiten. Schon 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung an. Daraufhin wurden bundesweit zahlreiche Filialen geschlossen.
Aktuell betreibt Depot noch mehr als 150 Geschäfte, vor einigen Jahren waren es noch rund 400. Zur Zahl der Beschäftigten machte Gries auf Nachfrage keine Angaben.
Nach der erneuten Insolvenz sollen auch jetzt wieder einige Filialen schließen. Eine genaue Zahl konnte Gries noch nicht nennen. Man werde jedoch „alles auf den Prüfstand stellen“ und auch mit den Vermietern in Kontakt treten. Auch beabsichtigt Gries, das generelle Konzept von Depot anzupassen. Was das bedeutet, bleibt vorerst offen.
Insolvenzen in Deutschland: Ganze Branche unter Druck
Die Branche steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um die Existenz. Im April schätzten 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Lage als existenzbedrohend ein, so viele wie nie zuvor.
In dieser Woche hatte auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz Insolvenz angemeldet. Die Zahl der Pleiten in der Branche befindet sich auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Branchenexperten erwarten weiter steigende Zahlen.
In den vergangenen Jahren haben bereits Zehntausende Geschäfte in Deutschland geschlossen – nicht nur wegen Insolvenzen. Laut einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) dürfte die Zahl der Läden in diesem Jahr unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. (Verwendete Quellen: dpa, Lebensmittelzeitung)