„Ich konnte es kaum noch aushalten“

Der elfjährige Theo liebt seinen Job bei der Parkeisenbahn

Aktualisiert am 17.05.2026 – 07:30 UhrLesedauer: 3 Min.

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Theo in seinem Element: Bei der Parkeisenbahn im Großen Garten ist der Elfjährige meist als Erster im Dienst. (Quelle: t-online)

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Nach der Schule trägt der Fünftklässler Verantwortung für Hunderte Fahrgäste. Bei der Dresdner Parkeisenbahn macht er Ansagen, bedient Schranken und pfeift im Notfall dreimal schnell hintereinander.

Plötzlich schrillt eine Klingel im Stellwerk – das Signal, dass sich ein Zug nähert. Theo lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Erst als der Zug tatsächlich kurz vor der Station Carolasee auftaucht, springt er ins Häuschen und greift zum Mikrofon: „Bitte Vorsicht am Bahnsteig, der Zug zur Rundfahrt fährt ein.“

Theo rattert die Ansage herunter; erinnert an die Fahrscheinkontrolle und wünscht eine angenehme Fahrt. Kein Räuspern, kein Versprecher – vorgetragen, als mache er schon sein ganzes Leben lang nichts anderes. Dabei ist Theo erst elf Jahre alt und geht in die fünfte Klasse. Vor einer Stunde saß er noch im Unterricht.

Jetzt steht er mit blauem Polohemd, roter Mütze und Befehlsstab am Bahngleis der Dresdner Parkeisenbahn – genauso wie vor ihm schon seine beiden großen Brüder und bereits sein Vater.

Dresden im Mai 1986: Ein Pionier pfeift mit Trillerpfeife zum Start des Zuges.Vergrößern des BildesDresden im Mai 1986: Ein Pionier pfeift mit Trillerpfeife zum Start des Zuges. (Quelle: IMAGO/OS14000_A0 #53802)

Gegründet wurde die Bahn 1950 als Kindereisenbahn im Großen Garten, eigentlich nur für einen Sommer. Doch die Begeisterung war so groß, dass Dresdner Schulkinder nach Berlin reisten und den damaligen DDR-Staatschef Walter Ulbricht persönlich überzeugten, die Bahn zu erhalten: Seitdem betreiben Kinder und Jugendliche eine echte Schmalspurbahn: 5,6 Kilometer Strecke, fünf Bahnhöfe, über 200.000 Fahrgäste im Jahr. Fast 200 junge Parkeisenbahner halten den Betrieb am Laufen.

Seit etwa einem Jahr ist Theo einer von ihnen. Seine Augen leuchten, wenn er von diesem Moment erzählt, als er endlich alt genug war. „Ich konnte es kaum noch aushalten“, erzählt Theo, während er die Schranke herunterkurbelt, damit der eingefahrene Zug den Haltepunkt verlassen kann, und seine Stimme überschlägt sich: „Als ich dann endlich zehn wurde, da war ich wirklich, wirklich fröhlich.“ Sein nächstes großes Ziel ist es, am Straßburger Platz tätig zu werden; dem Hauptbahnhof der Parkeisenbahn. Dort warten mehr Weichen, mehr Züge und noch mehr Verantwortung.

Theo bedient die Schranke an der Haltestelle Carolasee im Großen Garten.Vergrößern des BildesTheo bedient die Schranke an der Haltestelle Carolasee im Großen Garten. (Quelle: t-online)

Prüfungen wie bei der echten Bahn

Damit dabei nichts schiefgeht, absolvieren alle jungen Eisenbahner eine bis zu vierjährige Ausbildung. Jeden Winter, wenn die Parkeisenbahn pausiert, wechseln die Kinder an eine große Modelleisenbahnanlage – und proben den Betrieb im Rollenspiel: Signale stellen, Züge melden, Gefahrensituationen durchspielen.