Geöffnete Kaubonbon-Verpackungen an der Kasse, zerbrochene Dekoartikel aus Holz, beschädigte Kleiderbügel, Schreibwaren und die letzten Kleidungsstücke, die auf dem Teppich vor den Wühltischen liegen: Die Rabattschlacht der vergangenen Wochen hat deutliche Spuren hinterlassen. „Der Ansturm war groß – leider sind auch Waren kaputt gegangen“, sagt Judy Abdulkader.

Seit rund einem Jahr leitet der 31-Jährige die Woolworth-Filiale an der Niederwallstraße in Neuss. Am Samstag nimmt eines der deutschlandweit größten Häuser der Kette Abschied. Es wird der letzte Verkaufstag sein, ehe die Tür zum letzten Mal abgeschlossen wird. „Zehn Jahre voller Emotionen gehen zu Ende“, sagt Abdulkader über das Haus, das etwas abseits des Hauptstraßenzugs vor rund einer Dekade den Moderiesen C&A ablöste.

Das Haus an der Niederwallstraße hat eine Verkaufsfläche von 2250 Quadratmetern (mit Lager 3000). „Am Büchel sind es circa 1000 weniger“, sagt Abdulkader, den es nach seiner Tätigkeit in Neuss nach Gladbeck ziehen wird, wo er ebenfalls Filialleiter sein wird. Eine feste Schließzeit für den Samstag gibt es übrigens nicht. Die Marschroute: Spätestens um 20 Uhr ist Schluss, wenn keine Ware mehr vorhanden ist, auch schon früher.

Um die letzten Artikel – hauptsächlich aus den Bereichen Party, Deko und Basteln – auf einer Fläche zu konzentrieren, sind die oberen zwei Etagen schon nicht mehr zugänglich. Dort, wo einst Kleidung zu haben war, herrscht längst gähnende Leere. Gestartet wurde im Zuge des Abverkaufs am 29. April mit einem Rabatt von 30 Prozent, ab dem 6. Mai waren es 50 und seit Mittwoch schließlich 70 Prozent.

Von diesem Preissturz wollte am vorletzten Tag auch Anni Meier mit ihrer Familie profitieren. „Wir sind auf der Suche nach Kindersachen mit dem Schwerpunkt Lernförderung“, sagte sie und sollte auch fündig werden. Ein Lernbuch, das einst vier Euro kostete, schnappte sich Meier am Freitag für nur 1,20 Euro. Woran sie sich störte, war allerdings das zu Beginn beschriebene Bild, das sich in der Filiale bot. „Sieht katastrophenmäßig aus“, beschrieb es die Kundin mit Blick auf die vielen Waren und Warenreste, die auf dem Boden lagen.

Gabi Seiferth (auf der Suche nach Schreibwaren-Schnäppchen) gab Meier Recht, machte für das Chaos aber nicht das Personal verantwortlich, sondern die Kunden. „Manchen fehlt offenbar die nötige Erziehung“, sagte sie. Apropos Personal: Kündigungen soll es trotz der Schließung nicht geben. Woolworth teilte mit, dass alle Mitarbeiter des Hauses (nach Informationen unserer Redaktion sind es 16) Angebote für eine Weiterbeschäftigung erhalten hätten.

Wie es mit dem Objekt weitergeht, zeichnet sich ebenfalls bereits ab: So liebäugelten sowohl Bürgermeister Reiner Breuer als auch der Eigentümer des Hauses (Bema-Gruppe) zuletzt mit der Umwandlung in ein Wohngebäude.