Der Stehplatzblock des Aachener Tivoli voller Fans

Stand: 16.05.2026 • 22:59 Uhr

Traditionsclub Alemannia Aachen hat eine denkwürdige Saison in der Dritten Liga beendet – schwarz-gelb wie die Vereinsfarben im 125. Jubiläumsjahr. Schwarz war die Hinrunde in Abstiegsgefahr, sonnengelb die Rückrunde mit Platz sieben in der Abschlusstabelle und einem 6:1 im letzten Spiel gegen den TSV Havelse.

Die Fans sind nach der Achterbahnfahrt überwiegen glücklich. „Es war wirklich furchtbar zu Beginn“, sagt Arthur Lowartz. Sozialarbeiter ist der 27 jährige, Alemanne, seit er laufen kann, und im Dezember, als sein Verein auf einem Abstiegsplatz stand, fast schon hoffnungslos. Jetzt fliegen die Träume wieder hoch: „Wir hatten tolle Spiele, wunderbaren Fußball – fast schon Zweitligafußball, wie Optimisten sagen.“

Sportdirektor setzt auf ruhigen Aufbau

Die Fans reden also vom Aufstieg – der Geschäftsführer Sport bremst die Euphorie: „Perspektivisch ist das ein Ziel, aber zunächst müssen wir uns weiter stabilisieren.“ Rachid Azzouzi kam im August, als Alemannia ausgerechnet im Jubiläumsjahr in den Abgrund blickte. Der 55-Jährige wuchs in der Aachener Region auf – in Alsdorf – und hat im Fußball reichlich Erfahrung gesammelt als Spieler, Trainer und Manager.

Torschützenkönig zum Anfassen: Lars Gindorf mit Fans

Azzouzi machte sich mit Geduld und dicken Nerven an sehr viel Arbeit. Schon die Saisonvorbereitung war chaotisch: Trainer Backhaus zog es zum Zweitligisten Braunschweig, sein Nachfolger Benedetto Muzzicato ging mit 13 gesunden Profis ins erste Spiel, nach einer Niederlagenserie war für ihn im Oktober Schluss.

Erfolg auch durch neue Spieler

Der Neue, Mersad Selimbegovic, bekam neue Spieler und von Rachid Azzouzi Zeit zur Einarbeitung. Das zahlte sich aus – das letzte Spiel verlor Alemannia am 4. März.

Im August war das eine Notoperation am offenen Herzen. Wir mussten einfach nur die Liga halten. Jetzt geht es darum, aufzubauen mit einem Kader, der am besten uns gehört.

Rachid Azzouzi, Geschäftsführer Sport Alemannia Aachen

Viele Erfolgsgaranten, allen voran Lars Gindorf, Torschützenkönig der Liga, waren nur ausgeliehen und verlassen den Tivoli. Allerdings mit Wehmut. „Die Stimmung ist fast wie bei einem Schulabschluss“, so Trainer Selimbegovic. „Da ist menschlich etwas gewachsen, das ich so noch nicht erlebt habe im Profigeschäft.“

Alemannia setzt auch Zeichen gegen Rassismus

Die Fans sind versöhnt, die lange zögerlichen Sponsoren melden sich zurück, Alemannia ist nach der Berg- und Talfahrt Gesprächsthema in der Kaiserstadt, und zwar ein positives. Dazu gehört auch, dass Aachens größter Sportverein klar Stellung bezieht gegen Hass und Rassismus. Zum Jubiläumsspiel im Januar wurde der während der NS-Zeit ermordeten jüdischen Spieler gedacht – auch von den Fans mit einer Choreographie auf der Stehtribüne.

„Mehr war realistisch nicht zu holen“, sagt Fan Arthur Lowartz nach dem 6:1-Heimsieg auf dem Vorplatz des Tivoli-Stadions, auf dem die Mannschaft mit einer Party in die Sommerpause verabschiedet wird. „Ich gehe mit einem breiten Lächeln vom Stadion nach Hause.“

Quellen

  • Fans von Alemannia
  • Rachid Azzouzi
  • Mersad Selimbegovic
  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR.de, Alemannia Aachen erlebt turbulente Saison, 16.05.2026, 21.35 Uhr

Westdeutscher Rundfunk