Umgeben von anderen Seniorinnen und Senioren sitzt Gerda Szabo am Kaffeetisch, vor sich ein Stück Kuchen und ein Stapel Rummikub-Steine. „Ich kann nur jedem raten, hierherzukommen“, sagt sie lächelnd. Jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr verwandelt sich der Lokschuppen des Friedberger Bürgernetzes in einen Ort des Miteinanders. Bis zu 30 Besucherinnen und Besucher plaudern, tauschen sich aus und spielen gemeinsam Spiele. Der Spielenachmittag ist nur eine von vielen Aktivitäten, die das Bürgernetz für Seniorinnen und Senioren aus Friedberg und Umgebung organisiert.
Die 86-Jährige Friedbergerin kommt seit vier Jahren regelmäßig zum Bürgernetz
„Ich bin sehr froh, hier zu sein“, erzählt Gerda Szabo. Die 86-Jährige kommt seit 2022 regelmäßig zu Veranstaltungen des Bürgernetzes. Früher sei sie viel gereist und oft mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Auf den Spielenachmittag aufmerksam wurde sie durch einen Artikel in der Zeitung. „Zuerst dachte ich, da gehe ich nicht hin. Der Anfang war schon eine Überwindung“, erinnert sie sich. Beim ersten Besuch habe sie anderen Teilnehmerinnen zunächst nur beim Rummikub spielen zugeschaut. Doch nach der zweiten Runde habe sie einfach mitgemacht. Heute berichtet sie: „Jetzt spiele ich jeden Mittwoch Rummikub. Ich habe viel Spaß und treffe lauter nette Damen“, sagt sie lächelnd. Die geborene Friedbergerin lebt allein, aber einsam fühle sie sich nicht.
Gerda Szabo ist begeistert von den verschiedenen Angeboten des Bürgernetzes.:„Ich war auch schon beim Gedächtnistraining, das war toll, aber zum Teil auch ganz schön schwierig.“ Ein anderes Mal sei auch ein Polizist zu Besuch gewesen, um über Schockanrufe aufzuklären. „Das war ebenfalls sehr interessant und wirklich hilfreich“, fügt die Seniorin hinzu.
Denn im Bürgernetz geht es genau darum: Der Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken und Seniorinnen und Senioren ihren Alltag zu erleichtern. Die Idee des Cafés ist es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, wo Unterstützung gebraucht wird. Der Bedarf ist groß und viele ältere Menschen sind auf Hilfe angewiesen, erzählt Rosemarie Krendlinger, Gründungsmitglied des Bürgernetzes. Ein Beispiel ist das „Repair Café“, welches jeden Donnerstag stattfindet und immer sehr gut besucht ist. Oft sind es nur Kleinigkeiten bei denen schnell geholfen werden kann. „Außerdem haben wir eine Wunsch-Box für Ideen. Wir versuchen, bestmöglich alles umzusetzen, was gebraucht wird“, erklärt Krendlinger.
Bürgernetz-Besucherin Gertraud Wissing: „Wenn wir hier sind, ist niemand einsam“
„Wenn wir hier sind, ist glaube ich, niemand einsam“, sagt Gertraud Wissing. Das Bürgernetz-Café ist ein fester Bestandteil ihres Alltags. Seit dem ersten Treffen vor zwölf Jahren ist sie jeden Mittwoch dabei, erzählt sie. Ihr Rat an Seniorinnen und Senioren: „Wer sich einsam fühlt, braucht sich nur einmal aufraffen und kann direkt teilnehmen.“ Interessierte können jederzeit und ohne Anmeldung an den Treffen teilnehmen. Für Menschen, die nicht allein zum Bürgernetz gelangen können, gibt es einen Fahrdienst. Außerdem sind die Preise für Kaffee, Kuchen, Mittagessen oder gemeinsame Aktivitäten auf Spendenbasis.
Traute Dreher ist ebenfalls ehrenamtliche Helferin und beobachtet, dass die gemeinsamen Nachmittage oft mehr als nur ein paar Stunden Unterhaltung bedeuten. „Hier entstehen Freundschaften“, sagt sie. „Und genau das ist unser Bestreben.“ Für Gerda Szapo sowie viele Friedberger Seniorinnen und Senioren ist das Café Bürgernetz zum festen Bestandteil ihres Alltags geworden. Nicht wegen des Kaffees oder der Spiele, sondern wegen des Miteinanders und der gemeinsamen Zeit.