1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Kochel am See

DruckenTeilen

Uns auf Google folgenGeschulter Blick: Bildhauer Max Leutenbauer junior muss sehr akkurat arbeiten.Geschulter Blick: Bildhauer Max Leutenbauer junior muss sehr akkurat arbeiten. © Privat

Kochel erhält eines seiner Wahrzeichen, den Fischerbrunnen, zurück. Ein Bildhauer hat aus einem Eichenstamm eine detailgetreue Nachbildung der fast 90 Jahre alten Originalskulptur geschaffen, die zuletzt stark marode war. Am 21. Juni soll das markante Kunstwerk am Pfarrer-Demleitner-Platz feierlich eingeweiht werden.

Kochel am See – Max Leutenbauer junior kennt sich mit dem Werkstoff Holz bestens aus. Als hauptberuflicher Bildhauer und Restaurator arbeitet er täglich damit. Doch eines seiner aktuellen Projekte stellt selbst ihn vor eine besondere Herausforderung: Im Auftrag des Kochler Vereins für Heimatgeschichte, dessen Vorsitzender sein Vater ist, fertigt er eine detailgetreue Kopie der 2,20 Meter hohen Fischerfigur, die über Jahrzehnte hinweg am Pfarrer-Demleitner-Platz stand.

Letzter Feinschliff

Leutenbauer, der aus Kochel stammt und heute in München lebt, steht kurz vor der Vollendung seines Werks – derzeit sei er am letzten Feinschliff, berichtet er. Der 33-Jährige ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Ich freue mich sehr und bin stolz, dass ich das machen durfte.“ Schließlich verbindet er mit der Skulptur, zu deren Ensemble auch ein Brunnentrog gehört, persönliche Kindheitserinnerungen.

Am Original, das um 1937 entstand, hatte der Zahn der Zeit deutliche Spuren hinterlassen. Die Statue, die der Künstler Matthias Lautenbacher einst im Auftrag der Gemeinde schuf, war trotz regelmäßiger Pflege von innen heraus verfault. Die überlebensgroße Darstellung eines Mannes – den Hut tief in die Stirn gezogen, ein Ruder in den Händen – verkörpert mit ihrer aufrechten Haltung den Stolz einer Zunft, die die Ortsgeschichte Kochels geprägt hat: die Fischer vom Kochelsee. Am Sonntag, 21. Juni, kehrt nun die Nachbildung an ihren angestammten Standort zurück. Nach einem Gottesdienst sind die kirchliche Segnung sowie ein Fest mit Musik und – passend zum Anlass – Fischspezialitäten geplant.

Seit gut einem Jahr widmet sich Bildhauer Max Leutenbauer junior vorwiegend an den Wochenenden der Aufgabe, den hölzernen Gesellen aus einem mächtigen Eichenstamm herauszuarbeiten. Als Vorlage dient ihm dabei das Original. „Man muss sehr genau messen“, erklärt der Fachmann die Vorgehensweise. Dafür griff er auf verschiedene Hilfsmittel zurück und konstruierte unter anderem ein Gerüst aus Holzlatten, um die Proportionen präzise zu erfassen. Besonders anspruchsvoll seien das Gesicht mit seinem feinen Lächeln sowie die Hände, berichtet er. Zum Schutz trage er abschließend lediglich Leinöl auf. Die beiden Objekte befinden sich in der Werkstatt des Landwirts Mathias Lautenbacher im Ortsteil Ort. Er ist der Neffe des gleichnamigen Bildhauers, der an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte und in den 1930er-Jahren die ursprüngliche Version des Fischers herstellte.

Kopie und Original: In der Werkstatt des Lautenbacher-Hofs im Ortsteil Ort stehen die neue (li.) und alte Statue.Kopie und Original: In der Werkstatt des Lautenbacher-Hofs im Ortsteil Ort stehen die neue (li.) und alte Statue. © Privat

Max Leutenbauer junior war bei dem Vorhaben nicht allein: Kilian Lautenbacher, Sohn des genannten Landwirts, übernahm mit der Motorsäge den groben Vorschnitt. Wie viele Stunden er insgesamt investiert hat, kann Leutenbauer nicht genau sagen. „Bei 120 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er. Inzwischen dürften es, schätzt er, zwischen 250 und 300 Stunden sein. Mit dem Verein für Heimatgeschichte als Auftraggeber hat er eine pauschale Bezahlung vereinbart – den darüber hinausgehenden Aufwand bringt er nach eigenen Angaben ehrenamtlich ein.

Vorbereitung für Einweihung

Beim Verein für Heimatgeschichte laufen derweil die Vorbereitungen für den großen Tag der Einweihung auf Hochtouren. Der dazugehörige Wassertrog sei bereits fertiggestellt, berichtet der Vorsitzende Max Leutenbauer senior. Dazu hätten Hans Resenberger und die Schreinerei Graf beigetragen. Vor Ort muss nun noch das Fundament samt Sockel errichtet werden, auf dem dann die Fischerfigur mithilfe von Edelstahlstiften befestigt werden soll. Bei dieser habe man sich bewusst für eine natürliche Oberfläche entschieden, erklärt der Kochler, der 24 Jahre lang Mitglied des Gemeinderats war. Das Schnitzwerk werde mit der Zeit Risse entwickeln und vergrauen. „Wir schauen ihm beim Verwittern zu.“

Mit dem Projekt ist der Verein inzwischen seit Jahren befasst. Allein die Suche nach einem geeigneten Eichenstamm erwies sich als ausgesprochen schwierig. Die Gesamtkosten schätzt der Vereinsvorsitzende auf rund 10.000 Euro. Neben zahlreichen ehrenamtlich geleisteten Stunden seien auch großzügige Spenden eingegangen, unter anderem von Familien aus dem Ort sowie der Dorst-Löcherer-Stiftung. Leutenbauer senior zieht bereits vor dem Abschluss ein positives Fazit: „Das ist gut gegangen.“