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Stuttgart – Der Traum von Millionen Autofans weltweit – für immer mehr Soldaten wird er bald in Erfüllung gehen. Sie dürfen Mercedes fahren. Ausrücken unter dem Edel-Stern: Die deutsche Nobelmarke rüstet auf! Das Pkw-Geschäft mag kriseln, die Rüstung boomt. Bei Mercedes Trucks, der Lkw-Sparte, die auch Militärfahrzeuge baut, sind die Auftragsbücher voll.

Gerade erst hat Frankreich 7000 Zetros-Lkw (Allrad, 6 Tonnen) geordert und mit dem deutschen Drohnenbauer „Quantum Systems“ eine Partnerschaft abgeschlossen. Die Bundeswehr hat bei Daimler Trucks (30 Prozent Anteil bei Mercedes) bereits Hunderte „Arocs 6×6“-Lkw für die Logistik bestellt, Litauen auch.

Auch Mercedes selbst plant eine gezielte Expansion im militärischen Sektor. Es geht, wie beid er Truck-Firma, um Großaufträge. Besonders attraktiv: Geländewagen der Mercedes-G-Klasse (Bundeswehrname „Wolf“). Bei Daimler Trucks: Kraxelwunder „Unimog“ und der Lieferwagen „Sprinter“ bis zu schweren Lkw. Es locken Großserien von oft mehreren Tausend Stück. Was intern längst Maßgabe war – Mercedes-Boss Ola Källenius (56) hat es nun dem „Wall Street Journal“ offen gesagt: „Wir wären dazu bereit.“

So will Mercedes aufrüsten

  • Der Sprinter als Truppentransporter: Was Logistikfirmen, Handwerker und Wohnmobilbauer schätzen, soll auch Armeen zugutekommen. Flexibel einsetzbare Transporter für den schnellen und zuverlässigen Personentransport hinter den Linien. Dazu geländegängig und auf Wunsch auch gepanzert oder militärisch bestückt (beides über Partner). Das Chassis könnte demnächst auch dem Rüstungskonzern Rheinmetall als Basis geliefert werden.
  • Die G-Klasse weiterentwickeln: Als der Schah von Persien in den 70er Jahren die G-Klasse als Militärwagen für seine Grenztruppen wollte, wurde daraus der „Wolf“ geboren. Das bewährte Allrad-Urgestein soll (mit Partnern) auch für moderne Formen der Kriegsführung fit werden.
  • Lastwagen udn G-Klasse als Drohnenbasis: Mit Quantum arbeitet Mercedes an einer Vernetzung von Lkw und Drohnenschwärmen.

Der Wolf im G-Kleid: Auf Basis der G-Klasse baut Mercedes seit den 70er Jahren den „Wolf“ auch für die Bundeswehr. Hier der neue „Wolf 2“

Der Wolf im G-Kleid: Auf Basis der G-Klasse baut Mercedes seit den 70er Jahren den „Wolf“ auch für die Bundeswehr. Hier der neue „Wolf 2“

Foto: Bundeswehr

Ein Mercedes-Sprecher zu BILD: „Grundsätzlich entwickelt und produziert Mercedes-Benz zivile Fahrzeuge. Unsere Aktivitäten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich sind ein strategisches Entwicklungsfeld, das wir aktiv und in Kooperation mit Partnern weiter gestalten werden.“

Die Ausrichtung bleibe aber klar: Mercedes werde definitiv kein Rüstungskonzern. In den eigenen Werken werden weder Panzer noch Geschütze oder Munition gefertigt. Die Aufrüstung der eigenen Fahrzeuge geschehe bei Partnern. Schon heute fahren in mehr als 20 Ländern Mercedes-Militärtrucks.

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Nicht nur bei Mercedes: Rüstungskonzerne suchen derzeit den Kontakt in die kriselnde deutsche Automobilindustrie. Beispiele:

  • Der israelische Konzern Rafael sucht Werke in Deutschland für die Produktion von Raketenabwehrsystemen (Iron Dome) und den Bau seiner Laserkanone.
  • Der Panzerbauer KNDS (Leopard, Boxer) hat die Auftragsbücher so voll, dass er über die Übernahme oder Teilnutzung des Mercedes-Werkes in Ludwigsfelde bei Berlin (bisher Sprinter) verhandelt. Auch das VW-Werk in Osnabrück (soll 2027 dichtmachen) steht bei KNDS ganz oben auf der Liste für den Boxer.
  • BMW ist militärisch eher „ungedient“, verhandelt laut Branchenberichten aber über Lösungen fürs autonome Fahren im Militärbereich.

Daraus ergeben sich gleich zwei Vorteile. Deutsche Autobauer können aus Klein- schnell Großserien machen („skalieren“). Anders als im zivilen Geschäft gibt es beim Militär keine Rabattschlachten, keine Leasingrückläufer und eine sichere Kalkulation. Und zumindest in Europa: keine Konkurrenz aus China.

Korrekturhinweis

In einer früheren Version haben wir den Eindruck erweckt, alle Lkw würden von Mercedes kommen. Tatsächlich kommen Unimog und Lkw u. a. Fahrzeuge von der eigenständigen Daimler Truck, an der Mercedes noch 30 Prozent hält. Wir haben das nun klarer formuliert.