Nach der dritten Frage war Schluss, Sebastian Hoeneß verabschiedete das Plenum in eine „schöne Sommerpause. Ich gehe jetzt feiern.“ Für weitere Antworten reichte die Energie des Stuttgarter Trainers nicht mehr auf seiner letzten Bundesliga-Pressekonferenz einer Saison, „die besser nicht hätte enden können“, aber ihm im Verlauf viel Substanz gekostet hat.
„Es war viel Druck drauf“, bekannte Hoeneß nach dem 2:2 seines Teams bei der Frankfurter Eintracht, das nicht mehr nötig war, um Platz vier und die Champions League zu sichern, weil die Hoffenheimer 0:4 in Gladbach untergingen, aber zu wenig gewesen wäre, wenn die Kraichgauer gewonnen hätten.
Zwei Elfmetertore von Jonathan Burkardt hatten die Stuttgarter 2:0-Führung durch Chema (9. Minute) und Nikolas Nartey (45.+3) ausgeglichen, was „am Ende völlig egal war, obwohl wir uns gerne mit einem Sieg aus der Bundesligasaison verabschiedet hätten“. Hoeneß wirkte in Frankfurt wie ein geschaffter Sieger, nicht wie ein strahlender Triumphator. Den Siegerkranz setzte er nicht sich selbst auf, sondern allen anderen Stuttgartern. „Ich möchte der Mannschaft, dem ganzen Klub herzlich gratulieren, das war eine ganz konstante Saison.“ Dann setzte er hinzu: „Ich bin extrem stolz darauf, was wir geleistet haben. Es gehören so viele dazu. Ich kann nicht alle nennen, aber es ist ganz sicher keine One-Man-Show, was bei uns passiert.“
Hoeneß’ Rat an den Bundestrainer
Sicher nicht, aber Hoeneß war verantwortlich dafür, den Laden zusammenzuhalten. Es war kein Spaziergang durch den Rosengarten, den der VfB zu absolvieren hatte, und wenn, dann gab es durch die Dornen einige Kratzer: Das Ausscheiden in der Europa League gegen den FC Porto, eine Niederlage gegen Absteiger St. Pauli, ein Unentschieden gegen Heidenheim und zu Hause gegen Bremen – die Bilanz der letzten zehn Spiele lautete vier Siege, drei Unentschieden und drei Niederlagen.
Aber kein Rückschlag setzte negative Energien im Teamgefüge frei. Die Truppe hielt immer zusammen, viele Punktgewinne sicherte sich das Team im Laufe der Saison erst in der Schlussphase der Spiele. „Wir haben geliefert, wenn wir mussten“, sagte Hoeneß und lobte explizit seine Führungsspieler. Deshalb empfahl er sehr freundlich Bundestrainer Julian Nagelsmann, eine große Stuttgarter Fraktion zur WM in die Vereinigten Staaten mitzunehmen. „Unter größtem Druck zu liefern, wie in Hoffenheim, wo wir fast schon weg waren, und im Do-or-die-Spiel gegen Leverkusen, kann man bei einer WM gut gebrauchen.“
Hoeneß gab am Samstagabend seinen Spielern „Leinen los“ zum Feiern, obwohl am nächsten Samstag noch das Pokalfinale gegen den FC Bayern ansteht. Es sei noch genug Zeit, um zu regenerieren. „Die Situation könnte schöner nicht sein. Mit der Champions League im Rücken gegen die beste Mannschaft Deutschlands anzutreten.“
Die Eintracht als mahnendes Beispiel
Die Zukunft erstrahlt für den VfB im Moment so rosarot wie für die Frankfurter Eintracht vor einem Jahr, als sie sich als Bundesliga-Dritter für die Königsklasse qualifizierte. Am Samstag endete die Meisterschaft nach dem 2:2 für die Eintracht nur mit Platz acht, das Tor nach Europa bleibt für sie damit verschlossen. Als einen der auslösenden Faktoren der negativen Entwicklung sehen die Hessen den Energieverlust durch die körperlichen Belastungen und die frustrierenden Ergebnisse in der Champions League an.
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Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth steht vor der Aufgabe, auch im Moment des Glücks die sportliche Qualität seines Kaders realistisch einzuschätzen und die finanziellen Möglichkeiten seines Klubs weiter effektiv zu nutzen. „Sportlich und wirtschaftlich ergeben sich durch die Champions League andere Möglichkeiten“, sagte Wohlgemuth gleich nach dem Schlusspfiff in Frankfurt. „Wir können unseren Weg konsequent weitergehen und möglicherweise sogar beschleunigen.“ Es gibt jedoch auch mehr Möglichkeiten, teure Fehler zu begehen, wie sie in Frankfurt leidvoll erfahren haben.
Auf jeden Fall ist Wohlgemuth nicht in der Versuchung, mehrere Schritte auf einmal machen zu wollen. Von Bayern München sprach der VfB-Vorstand in den Frankfurter Katakomben erst gar nicht. „Vereine wie Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen haben ein paar Jahre Vorsprung. Es wird noch einige Jahre dauern, dass wir wirtschaftlich zu den stärkeren Vereinen in der Liga, die es definitiv noch gibt, aufschließen.“ Dann aber war es ihm wie Hoeneß genug: „Jetzt sollten wir erst mal genießen, diesen Moment konservieren.“