„Zu unserem Brauchtum gehört natürlich unsere Mundart, unser Neller Plott“, sagt Klaus Müller, vom Heimatverein Waldniel. Bis ins 19. Jahrhundert habe man in Waldniel nur Neller Plott gesprochen. „Heute wird es nur noch von wenigen gesprochen und ist bald ganz weg.“ Neller Plott entstand aus dem Fränkischen, besser gesagt aus dem südniederfränkischen. „Wer Neller Plott sprach, den konnte jeder verstehen. Er sprach also Klartext. So erkläre sich die Bedeutung des Sprichwortes jemanden etwas platt vor dor Kopp sägge. „Und schreiben brauchte man es auch nicht. Es heißt ja Mundart und nicht Schreibart“, sagt Müller. „Wir Niederrheiner neigen dazu, manchmal so zu reden wie uns der Schnabel gewachsen ist, nämlich etwas grob. Wir beurteilen unsere Zeitgenossen nach ihrem Körper und ihren verschiedenen Eigenschaften.“ Da könne der Niederrheiner an sich nichts für, findet Müller. „Das steckt in uns drin, so sind wir eben.“

Er hat sich mit Sprichwörtern der Region auseinandergesetzt und festgestellt, dass einige genau diese Direktheit ausdrücken.

He-ä mot ed Mu-ere schroppe noch li-ere. Frei übersetzt: Möhren werden dünn geschält, da muss jemand noch lernen, sparsam zu sein.

Lüü die dech jät en et Huus brenge, draaje dech och jät errut. Frei übersetzt: Erzähle den Leuten, die dir Neuigkeiten erzählen, nicht zu viel von dir selbst.

Örr möt et maar schu-en maake, maar mech ut dor Büll blive. Frei übersetzt: Ihr könnt alles machen, nur mich darf es nichts kosten.

Pe-ärds die dor Haafer verdeene, kriije öm net. Frei übersetzt: Menschen die, die meiste Arbeit haben, werden meistens nicht entsprechend entlohnt.

Enn alde Hänn, jript man möt Kaaf. Frei übersetzt: Ein altes Huhn ist auch schon mal mit dem Dreschabfall zufrieden.

He-ä hät niks vörr en de Melek de brokke! Frei übersetzt: Ein armer Mensch, er hat noch nicht mal etwas Brot, um sich das in seine Milchsuppe zu bröckeln.

Drenk Fli-ereti-e,dann ded dech dor Buuk net wi-e. Frei übersetzt: Wenn du Bauchschmerzen hast, trinke Holundertee.

De-ä hät jät lü-ene jehü-ert, wet äffer net wo-a de Jlokke honge. Frei übersetzt: Da hat jemand etwas gehört, weiß aber nichts Genaues.

Do moss ene Aap ed Jeseechterschni-e net li-ere. Frei übersetzt: Du musst einen Fachmann nicht lehren, wie es gemacht wird.

He-ä hätt et so drök, wie en Pann op Fastelo-avend. Frei übersetzt: Früher wurden zu Fastnacht alle Bratpfannen, die im Haus waren, zum Backen der Hefemuzen gebraucht.

Jedde Mannskä-el ment, sinn Ü-el wü-er eh Düvke. Frei übersetzt: Jeder Mann meint, seine Frau (Eule) wäre seine Traumfrau (Taube).

Hä-e süüt uut wie Värkeswöllem (Schweinehirt). Frei übersetzt: Er sieht aus, wie einer der gerade den Schweinestall ausgemistet hat.

Hät dor Moon eh Ämke, schpellt de Vrau Madämke. Frei übersetzt: Bekleidet der Mann ein hohes Amt, spielt seine Frau die Madam.

Be en Vrau on ene Hämds-Kraach, merkse e-ärsch op se posse, wenn do se an dor Hols häss. Frei übersetzt: Ob eine Frau oder ein Hemdenkragen richtig zu dir passen, merkst du erst, wenn du sie am Hals hast.

Be-äter en Luus en dor Pott, wie jaar ke Fleesch. Frei übersetzt: Besser eine Wurst im Pott, als gar nichts. Bleib bescheiden.

Mech fimpe de U-ere, do-a träkke se mech du-er de Täng. Frei übersetzt: Ich habe ein Pfeifen in den Ohren, irgendwo wird über mich gesprochen.

We-ä no-a enne Honk schmiite well, de-ä vöngt och enne Schteen. Frei übersetzt: Wenn man jemandem etwas anhängen will, findet man schon etwas.

Ne-äve jedde Kirek, sät dor Düüvel eh Kapellke. Frei übersetzt: Neben jeder Kirche befindet sich auch eine Wirtschaft.

Vörr jedde Schnii Bru-et die do drüch werde löts, moss do enne Daach vor de Hemmelspo-art waarde. Frei übersetzt: Für jede Schnitte Brot die du nicht verwendest, musst du einen Tag vor der Himmelspforte warten.

Wat öss die Tzupp schtoot, die kik os möt kee Ooch aan. Frei übersetzt: Die Suppe ist so mager, da sind keine Fettaugen drauf.

De-ä bruuk blos sinn Boks an dor Bäätpoos de honge, träk es sii Wifke wärr so wiit. Frei übersetzt: Es gibt Ehen, da muss der Mann nur seine Hose an den Bettpfosten hängen, schon ist seine Frau wieder schwanger.

Vullike ös rääste, ohne möösch de si-en. Frei übersetzt: Faulenzen ist, sich ausruhen, ohne müde zu sein.

Eh le-äch Portemonee es ene jo-e Schotzängel. Frei übersetzt: Wenn man nicht viel Geld im Portemonnaie hat, gibt man auch nichts aus.

Fang nie aan Opdehü-ere, on hü-er nie op aandevonge. Frei übersetzt: Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.