Regenbogenfahnen wohin das Auge reicht: Stuttgart zeigte sich vor dem Neuen Schloss am Sonntag von seiner bunten Seite. Menschen jeder Altersstufe waren gekommen um anlässlich des Idahobita* 2026, dem Internationalen Protesttag gegen Gewalt an LGBTQIA*-Menschen zu protestieren. Eingeladen zum Protesttag hatte ein Bündnis aus verschiedenen queeren Vereinen und Organisationen aus Stuttgart und Baden-Württemberg.

„Es ist wichtig, dass wir ein Zeichen gegen Hass, Hetze und Gewalt setzen. Für Vielfalt und Freiheit. Unsere Freiheit lassen wir uns nicht nehmen“, so der frischgebackene Gesundheits- und Sozialminister Baden-Württembergs Oliver Hildenbrand (Bündnis 90/Die Grünen) bei seiner Rede am Sonntag.

Gewalt gegen queere Menschen immer noch an der Tagesordnung

Den Idahobita feiern Menschen auf der ganzen Welt am 17. Mai, denn bis zu diesem Tag im Jahr 1990 galt Homosexualität laut Weltgesundheitsorganisation als Krankheit. Dass dies nicht so ist, ist aber noch immer nicht bei allen Menschen angekommen. Davon zeugen die Erzählungen einiger Teilnehmenden am Sonntag. Sie machen deutlich, dass Gewalt gegen queere Menschen auch 36 Jahre später immer noch an der Tagesordnung ist.

„Und genau heute vor einem Jahr war ich auch hier. Beim Idahobita in Stuttgart. Jemand kam zu meinem Vorstandskollegen Lars und mir und meinte, dass wir alle krank hier seien, und dass er uns deshalb am liebsten gerne umbringen würde“, erzählt Betina vom Organisationsteam bei ihrer Rede am Sonntag.

Manche Teilnehmer brachten Schilder mit. Foto: Ferdinando Iannone / Lichtgut

Bei ihren Worten geht ein kurzes Schaudern durch die rund 300 Zuschauenden. „Als ich das erzählt habe, habe ich in die Gesichter geschaut und gesehen und gewusst, dass das viele hier auch erlebt haben. Das schafft eine besondere Verbindung“, führt sie im Anschluss aus. Betina zeigt mit diesem Beispiel, dass Gewalt gegen LGBTQIA*-Menschen immer noch allgegenwärtig ist.

„Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon beleidigt wurde“

Das bestätigt auch Ben, ein Teilnehmer aus Murrhardt: „Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon beleidigt wurde. Körperliche Gewalt habe ich zum Glück noch nie selbst erfahren, aber die Angst davor ist immer dabei. Gerade zum Beispiel in der Bahn oder so. Und natürlich kenne ich Menschen, die körperliche Gewalt erfahren haben, weil sie queer sind“.

Auch die Statistiken zeigen, dass solche Fälle kein Einzelfall sind. Laut den Veranstaltenden der Kundgebung seien bis zum 31. Dezember 2025 bundesweit 1.776 Straftaten im Bereich „sexuelle Orientierung“ und 1.132 im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“ erfasst worden.

„Deshalb ist es wichtig, dass wir heute hier sind und laut sind und dass uns vor allem auch Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen unterstützen, genauso wie alle Menschen im Alltag“, so Ben abschließend.