Toter Buckelwal vor Dänemark

AUDIO: Buckelwal vor Dänemark ertrunken? Meeresexperte fordert Sektion (1 Min)

Stand: 17.05.2026 17:31 Uhr

Es ist ein trauriges Ende eines Buckelwallebens – höchstwahrscheinlich durch Ertrinken in der Ostsee. Während ein Rostocker Meeresexperte eine wissenschaftliche Sektion des Tieres fordert, hält Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) diese inzwischen für kaum noch sinnvoll.

Nachdem die dänische Umweltschutzbehörde EPA bestätigt hat, dass es sich bei dem vor der Insel Anholt angespülten Kadaver zweifelsfrei um den zuvor vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal handelt, rückt zunehmend die Frage nach den Todesumständen in den Fokus. Im Interview mit dem NDR hat Dr. Henning von Nordheim, Honorarprofessor für Meeresnaturschutz an der Universität Rostock, deshalb Aufklärung gefordert. Aus Sicht des Experten braucht es nun unter anderem eine professionelle wissenschaftliche Sektion des Kadavers.

Backhaus: Obduktion bringt wohl keine Klarheit mehr

Eine wissenschaftliche Untersuchung des Kadavers, wie sie Nordheim fordert, hält Backhaus inzwischen allerdings für kaum noch zielführend. „Nach mindestens vier Tagen im Wasser ist der Verwesungszustand so stark, dass man die genaue Todesursache vermutlich nicht mehr herausfinden wird“, so der Minister im NDR Interview. Die dänischen Behörden hätten zudem entschieden, den Wal zunächst liegen zu lassen. Nach deren Einschätzung störe der Kadaver niemanden, da er weit vor der Küste liege und inzwischen Teil des natürlichen Kreislaufs geworden sei. Er diene derzeit mehreren Dutzend Möwen als Fressen, so Morten Abildstrøm von der dänischen Naturschutzbehörde am Samstagabend.

Video:
Wal vor Dänemark: Genaue Todesursache wohl nicht mehr ermittelbar (4 Min)

Gleichwohl hofft das Umweltministerium auf weitere Erkenntnisse: Mecklenburg-Vorpommern wolle den gefundenen Tracker und die zugehörigen Daten auswerten, um besser nachvollziehen zu können, wann und unter welchen Bedingungen der Wal starb. Der am Tier angebrachte Tracker sei inzwischen gefunden worden und habe die Identität endgültig bestätigt, sagte Backhaus dem NDR. Mecklenburg-Vorpommern stehe dazu im engen Austausch mit den dänischen Behörden.

Meeresexperte fordert Aufklärung

Der Rostocker Honorarprofessor für Meeresnaturschutz, Henning von Nordheim, hatte zuvor eine professionelle Sektion des Kadavers gefordert. Die Kosten dafür sollten von deutscher Seite getragen werden, so von Nordheim. Aus seiner Sicht müsse geklärt werden, welche Ursachen zum Tod des Tieres geführt haben, welche Rolle der schlechte Gesundheitszustand des Wals spielte und welchen Einfluss das im Maul gefundene Netz gehabt haben könnte. Außerdem müsse jetzt endlich ein viel größerer Schutz der heimischen Schweinswale durchgesetzt werden, so der Wissenschaftler.

Möwen machen sich über die Überreste eines toten Wals im Wasser her.

Auf dem Tier wurde ein angebrachter Tracker gefunden. Arne Bartram aus dem ARD Studio Stockholm informiert über die Details.

Auch Greenpeace fordert Konsequenzen. Meeresschutzexperte Thilo Maack sagte dem NDR: „Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist, dass es wirklich Sinn macht, auf die Wissenschaft zu hören und von dem Einzelschicksal des bemitleidenswerten Tieres Aufmerksamkeit auf ein größeres Problem zu lenken“, womit er unzählige Wale und Delfine anspricht, die immer wieder als Beifang in Fischereinetzen verenden.

Rettungsaktion soll aufgearbeitet werden

Nach Angaben von Backhaus soll die umstrittene Rettungsaktion nun umfassend ausgewertet werden. Die private Initiative habe damals die volle Verantwortung für die Bergung übernommen. Für die Zukunft brauche es jedoch klarere Regeln und Zuständigkeiten. Bereits auf der Umweltministerkonferenz sei vereinbart worden, ein Gesamtkonzept für den Umgang mit Walstrandungen zu entwickeln. Bis zum Herbst solle geklärt werden, wie Behörden, Wissenschaft und private Akteure in vergleichbaren Situationen künftig zusammenarbeiten.

Backhaus verteidigt Entscheidung zur Rettung

Trotz des tragischen Endes verteidigt der Umweltminister die damalige Entscheidung, den Rettungsversuch zu dulden. Aus heutiger Sicht würde er wieder so handeln, sagte Backhaus. „Es war ein junger Bulle, der Lebensmut bewiesen hat“, so Backhaus wörtlich. Man habe damals sorgfältig abgewogen. Das Schicksal des Wals habe zudem international große Aufmerksamkeit ausgelöst und zeige, dass künftig bessere Verfahren nötig seien.

Wochenlange Odyssee, spektakuläre Bergung und weltweite Aufmerksamkeit

Der Buckelwal hat nach einer ersten Sichtung Anfang März im Wismarer Hafen und nach einer Strandung in der Ostsee vor Timmendorf (Schleswig-Holstein) wochenlang in einer schmalen Bucht vor der Insel Poel festgelegen. Sein Schicksal hat viele Menschen im In- und Ausland bewegt. Obwohl Fachleute den Gesundheitszustand des geschwächten Tieres kritisch und seine Überlebenschance als gering eingeschätzt hatten, wurde dennoch Anfang Mai mit Duldung des Umweltministeriums in Schwerin eine umstrittene Rettungsaktion unternommen. Eine private Initiative transportierte den Wal mit viel Geld, Aufwand und einem Spezialschiff aus der flachen Ostsee in Richtung Nordsee. Am 2. Mai wurde das Tier nördlich von Dänemark im Skagerrak freigelassen. Ein Peilsender am Buckelwal soll laut Rettungsinitiative Vitaldaten des Tiers übermittelt haben, eine genaue Position des Wals blieb aber unklar.

Buckelwal Poel Dänemark

Wie die dänische Umweltbehörde mitteilte, steht inzwischen zweifelsfrei fest, dass es sich um den Wal aus der Wismarbucht handelt.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Was als Sorge um ein geschwächtes Tier beginnt, entwickelt sich zu einem emotionalen Medien-Ausnahmezustand und immer neuen Rettungsideen.

Ein gestrandeter Buckelwal vor der Insel Poel in der Ostsee.

Die wiederholte Strandung eines Buckelwals an der Ostseeküste sorgt für große Aufmerksamkeit. Eine private Initiative versucht, ihn zu retten.

Ein Wal gibt Atemluft ab, während er noch immer in der Wismarer Bucht liegt.

Zwischen Mitgefühl, Politik, Inszenierung und einem System im Dauerstress.

Ein Mann sitzt mit aufgesetzten Kopfhörern vor einem Laptop, der die Website von Google zeigt

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