Für die beiden markanten Hochstraßenbrücken über den Riebeckplatz in Halle (Saale) schlägt in diesem Monat die Stunde der Wahrheit. Der Stadtrat soll das offizielle Ende der Auto-Trassen beschließen, um Platz für das prestigeträchtige „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ zu machen. Am 27. Mai soll das Kommunalparlament die endgültige Einziehung der beiden Hochstraßenbrücken über den Riebeckplatz als Verkehrsraum beschließen. Was wie ein rein bürokratischer Akt klingt, bedeutet das definitive Aus für die Betonbauten der DDR-Moderne. Von dieser Maßnahme ist auch der direkt daneben verlaufende Abschnitt der Volkmannstraße betroffen.
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Die Stadtverwaltung stützt sich in ihrer Beschlussvorlage auf das Straßengesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Eine solche Straßeneinziehung ist rechtlich dann möglich, wenn eine Straße „keine Verkehrsbedeutung mehr hat oder wenn überwiegende Gründe des öffentlichen Wohles vorliegen.“ Genau dieses öffentliche Interesse sieht die Stadt durch den Bau des Zukunftszentrums als gegeben an. Der Grund für den radikalen Schritt ist pragmatisch, da die Hochstraße und die Volkmannstraße mitten über das geplante Baufeld führen. Mit der Transformation des Riebeckplatzes sollen die Freiräume eine deutliche Aufwertung und Qualifizierung erfahren, so die Stadt.
Eine grüne Brücke ersetzt den sanierungsbedürftigen Beton
Die Pläne der Stadtverwaltung sehen eine fundamentale Umgestaltung des gesamten Areals vor. Durch die Verlegung der Volkmannstraße und den Rückbau der Brücken soll eine größere zusammenhängende Freifläche geschaffen werden, die das Zukunftszentrum künftig umgibt. Dieser bisher völlig unzugängliche Bereich wird dadurch erstmals für den Fuß- und Radverkehr geöffnet.
Eine Umnutzung der bestehenden Brücken, etwa als reine Fußgängerpromenade, ist dabei laut Stadt keine Option. Aufgrund des schlechten Zustands der Überbauten müssen demnach die Bauwerke für den Kraftverkehr komplett außer Betrieb genommen und zurückgebaut werden. Anstelle der vorhandenen Betonbrücken soll stattdessen eine neue, moderne „Grüne Brücke“ errichtet werden, die künftig exklusiv Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist.
Wie der Autoverkehr und der Parkraum neu geregelt werden
Die Befürchtung, Halle könne ohne die Hochstraßen im Verkehrschaos versinken, teilt die Stadtverwaltung nicht. Der Planung liegt ein detailliertes Verkehrsgutachten zur Anpassung der Infrastruktur am Riebeckplatz zugrunde. Mit der Umsetzung der vorgesehenen Verkehrsführung werde die Leistungsfähigkeit im Kraftverkehr bei einem Wegfall der Brücken vollständig erhalten. Gleichzeitig werden die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr durch neue Verbindungen und den gezielten Ausbau der Infrastrukturen sogar deutlich verbessert. Der Wegfall der Brücken für den motorisierten Individualverkehr soll konkret durch den Ausbau der östlichen Volkmannstraße sowie die Anpassung des Verlaufs der Querspange der Volkmannstraße und Magdeburger Straße kompensiert werden. Hinzu kommen neue Spuraufteilungen und verbesserte Signalisierungen an den Kreuzungen.
Ursprünglich war vorgesehen, das Zukunftszentrum lediglich auf der Fläche des Parkplatzes an der Volkmannstraße zu realisieren. Dies entsprach dem Strukturkonzept Riebeckplatz aus dem Jahr 2019 und dem damals in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan „Riebeckplatz Ost“. Dieser Parkplatz wurde bereits im August 2020 rechtskräftig eingezogen und umfasste 194 Pkw-Stellplätze sowie 13 Stellplätze für Busse. Um die entfallenen Pkw-Stellplätze adäquat zu ersetzen, soll im Norden des Riebeckplatzes ein neues Geschäfts- und Parkhaus mit mindestens 300 Stellplätzen errichtet werden. Für die ebenfalls wegfallenden Busstellplätze wird aktuell ein tragfähiges Ersatzkonzept erarbeitet.
Ein neues, attraktives Tor zur halleschen Innenstadt
Die Umgestaltung der Flächen im Bebauungsplangebiet entspricht den langfristigen Planungen zur Entwicklung des Riebeckplatzes als bedeutendem Eingangsbereich in die Innenstadt. Die Stadtverwaltung betont, dass das Vorhaben im klaren öffentlichen Interesse steht. Die Situation für die Allgemeinheit wird sich durch die Einziehung und die bauliche Umgestaltung der betroffenen Flächen objektiv verbessern. Zudem wird für alle entfallenden oder zu ändernden öffentlichen Verkehrsanlagen ein mindestens gleichwertiger Ersatz geschaffen. Mit dem bevorstehenden Beschluss des Stadtrates werden nun die entscheidenden Weichen für das neue Gesicht der Stadt gestellt.
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