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Cannes – Interviews in Cannes laufen oft nach Schema F ab. Sicherheitscheck, Identitätscheck, Hallo an der Anmeldung, Kaffee im Vorzimmer und bevor es endlich losgeht, kommt häufig die Ansage: „Sorry, wir sind im Verzug, dein Gespräch wird kürzer.“ Als BILD jedoch Miles Teller (39) trifft, ist alles anders. Das wird schnell klar, als der Star aus „Top Gun 2“ alleine in die Interview-Suite kommt. Normalerweise folgen immer Aufpasser von Agentur oder Management, Blick aufs Handy, Kaugummi im Mund, die nur so tun, als hörten sie nicht zu. Doch Miles Teller bringt niemanden mit – weil er sich mal was von der Seele reden will?
„Paper Tiger“ feiert Premiere. Der Film von Star-Regisseur James Gray (57, „Ad Astra“) läuft im Wettbewerb und ist nichts für schwache Nerven. Zwei Brüder, denen es eigentlich ganz gut geht, wollen im New York der 80er Jahre bei einem gemeinsamen Projekt ein bisschen Geld verdienen. Dabei geraten sie an die russische Mafia und müssen plötzlich um ihr Leben fürchten. In Cannes wurde der Thriller umjubelt, auf dem roten Teppich genoss Hauptdarsteller Miles Teller das Blitzlicht mit Ehefrau Keleigh Sperry (33). Tags darauf kann er nicht mehr verbergen, was er und seine Frau hinter sich haben.

Regisseur James Gray (57, Mitte) mit den Hauptdarstellerin seines Fims „Paper Tiger“: Miles Teller (l.) und Adam Driver (42, „House of Gucci“)
Foto: Silvain Roger/BACKGRID
Dass ein scheinbar normales Leben schnell aus den Fugen geraten kann, lernen nicht nur die Brüder Gary (Adam Driver, 42) und Irwin (Teller) im Film. Auch Miles Teller selbst musste dies erfahren – unmittelbar vor dem Drehstart von „Paper Tiger“. Als der Schauspieler BILD beim Interview in Cannes davon erzählt, kämpft er mit den Tränen.
„Außer uns hatten wir nichts mehr“
Während Miles Teller spricht, ist scheint das ganze Hotel zu lauschen, so still ist es. „Zuerst verlor ich meinen Großvater, dann brannte unser Haus bei diesen großen Waldbränden ab“, berichtet Teller. Von der Villa in Pacific Palisades, einem noblen Teil von Los Angeles, blieb nichts mehr übrig. „Meine Frau und ich haben dann ein Haus etwa anderthalb Stunden außerhalb von L.A. gemietet“, so Teller weiter.

Am Set von „Paper Tiger“: Im Film spielt Scarlett Johansson (41) die Frau von Tellers Rolle Irwin. Adam Driver spielt dessen Bruder
Foto: IMAGO/Cover-Images
„Einen Monat später kam ein Anruf: ,In drei Wochen dreht James Gray einen Film, willst du dabei sein?‘“ Teller sagte sofort zu. „Es war einfach eine großartige Ablenkung, denn wir hatten eine traumatische Erfahrung hinter uns und außer dem guten Gefühl, zusammen zu sein, einfach nichts mehr. Kein Gefühl von Zuhause.“

Miles und Keleigh wünschen sich eines Tages eigene Kinder
Foto: action press
Alle Kinder von Oma starben – bis auf seine Mutter
Den Irwin, der im Laufe des Films immer mehr die Kontrolle verliert, spielt Teller brillant. Gerade diese Rolle funktioniere am besten, wenn der Darsteller selbst einiges durchmachen musste, so Teller. „In meiner Familie gab es sehr viele Tragödien“, berichtet der Künstler. „Meine Großmutter hatte sieben Kinder – sechs hat sie zu Grabe getragen. Eines lebte: meine Mutter.“
Miles Teller macht eine Pause, ist sichtlich bewegt. Dann meint er: „Wissen Sie eigentlich, dass es in keiner Sprache ein Wort für Eltern gibt, die ihr Kind verlieren? Das gilt als etwas Unvorstellbares. Für alles gibt es ein Wort. Waise, Witwe, aber dafür existiert keines.“
Trotz der Schicksale seiner Mutter und seiner Oma möchte Miles Teller unbedingt selbst Vater werden. „Ich weiß, dass wir irgendwann zurückblicken werden, hoffentlich als Eltern mit eigenen Kindern.“ Teller stoppt kurz, als mache ihm dieser Gedanke auch Angst. „Dann will ich ihnen sagen können: „Deine Mutter und ich haben in eurem Alter alles verloren, aber wir haben es geschafft.“