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Mit dem Thema Migration setzt sich Fotografin Lisa Franz in ihrer neuen Ausstellung auseinander. © Lohmann
In Peking geboren, in Deutschland aufgewachsen, gelebt in Spanien und Argentinien: Die Kraiburger Fotografin Lisa Franz kennt Migration aus unterschiedlichen Perspektiven. In ihrer Ausstellung „Porträt eines Migranten“ setzt sie sich mit den Fragen nach Identität und Zugehörigkeit auseinander.
Kraiburg – Auf ihren Fotografien ist das Gesicht nicht zu erkennen. Überdeckt von Ticket-Barcodes, Einreise-Dokumenten oder Schatten verliert die Person ihre Individualität – und wird gerade dadurch zum Sinnbild einer Debatte, die längst die ganze Gesellschaft betrifft.
Hinter den Bildern steht eine klare Haltung. Für Fotografin Lisa Franz ist Kunst mehr als nur Ästhetik. Kunst soll bewegen, muss aufrütteln und darf auch mal wehtun. Besonders deutlich wird das in der Auseinandersetzung mit dem Thema Migration – einem gesellschaftlichen Thema, das die Menschen weit über politische Debatten hinaus beschäftigt. Gestern, heute und auch morgen. „Viele Menschen haben oft selbst einen Migrationshintergrund. Man muss sich dazu viel mehr im Dialog austauschen, das würde viel Empathie schaffen“, ist die Fotografin überzeugt.
Fragen nach der Identität
Migration ist in ihrer eigenen Biografie tief verwurzelt: Sie ist in Peking geboren, in Deutschland aufgewachsen. Später studierte sie in Spanien, bevor sie ihre Koffer packte und zehn Jahre in Argentinien lebte. Heute wohnt und arbeitet sie mit ihrem argentinischen Mann Facundo Barreyra in Kraiburg. „Wo gehöre ich hin? Wer bin ich? Wo fühle ich mich zu Hause? Das sind Fragen, die mich mein ganzes Leben schon begleiten“, erzählt sie.
Diese Fragen ziehen sich auch durch ihre Arbeit, die in ihrer aktuellen Ausstellung „Porträt eines Migranten“ vom 15. bis 25. Mai im Stadtmuseum Trostberg zu sehen ist. Die Arbeiten brechen bewusst mit den klassischen Vorstellungen eines Porträts, wirken damit „provozierend“: Das Gesicht bleibt verborgen, die Identität wird der Person damit genommen. Die langen, blonden und gelockten Haare machen die Person als Frau aus, der Titel lässt aber auf eine männliche Person schließen.
„Ich sehe mich selbst als Ausgangspunkt, als Mittel zum Zweck“, erklärt die Künstlerin. Sie selbst sei in Argentinien eine „privilegierte Migrantin“ gewesen. „Als Europäerin hat man einen ganz anderen Status. Migration ist nicht gleich Migration.“ Dass es Unterschiede gibt, hat sie mit ihrem argentinischen Mann selbst erfahren, als sie nach Deutschland gezogen sind.
Gebunden an Nation und Papiere
Unabhängig davon, wie international man lebt und wie die Welt zusammengewachsen ist, sei man trotzdem an die Nation und Papiere gebunden. Bei Migration gehe es viel um Bürokratie, ein Thema, das sie mit Dokumenten und Barcodes in ihrer Kunst darstellt. Wie prägend solche Formalitäten sein können, hat Lisa Franz selbst erlebt.
Als sie nach Argentinien auswandern wollte, musste sie mehrere Dokumente vorlegen – unter anderem eine Geburtsurkunde. Doch weil sie in Peking geboren war, konnte sie diese nicht einfach bei einem Standesamt beantragen. Erst nach vielen Telefonaten in Deutschland und bis nach Peking erfuhr sie, dass für im Ausland geborene Deutsche ein Standesamt in Berlin zuständig ist. „Ich hatte das Gefühl, eine Deutsche 2. Klasse zu sein.“ Eine Erfahrung, die sie nachhaltig geprägt habe. In ihrer Kunst setzt sie das um, was sie bewegt. Und das seien nun mal gesellschaftlich relevante Themen.
Ausstellung im Trostberger Stadtmuseum
Die Ausstellung „Porträt eines Migranten“ von Lisa Franz ist vom 15. bis 25. Mai im Atrium am Stadtmuseum zu sehen. Geöffnet ist Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr sowie Samstag, Sonntag und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Begleitend zur Ausstellung leitet die Fotografin am Freitag, 22. Mai, einen Workshop. Er richtet sich an kunstinteressierte Erwachsene und an Fotografen, die ihre fotografische Praxis reflektieren und weiterentwickeln wollen. Anmeldung im Kulturamt Trostberg unter Telefon 08621/801-117 oder per E‑Mail kultur@trostberg.de.
„Mein Projekt ist 2014 in Argentinien gestartet und war auch auf der Biennale in Argentinien zu sehen.“ Nun wird das Projekt im Atrium am Trostberger Stadtmuseum gezeigt. Gerne würde die Fotografin ihre Arbeiten auch im Landkreis Mühldorf zeigen. Möglichkeiten für zeitgenössische Kunst gebe es dort aber bislang kaum.
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