Montage: Vor einem Plakat des Mordopfers Calogero C. liegt ein Mann im Dunklen.

Ein 51-jähriger Italiener wird in Mannheim auf offener Straße erschossen. Die großkalibrige Pistole mit Schalldämpfer deutet auf einen Mord nach Mafia-Manier hin.

22.09.2024 | 42:22 min

Mannheim,1990: Der Italiener Calogero C. ist auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich fallen Schüsse auf offener Straße. Die Waffe: eine großkalibrige Pistole mit Schalldämpfer. Der 50-jährige Calogero stirbt am Tatort. Er war Vater dreier Söhne und einer Tochter. Die Polizei ermittelt, doch zunächst fehlt jede Spur.

Die Tochter gesteht – und widerruft

Drei Jahre nach dem Mord wenden sich zwei von Calogeros Söhnen an die Polizei. Sie belasten ihre Schwester Concetta: Sie soll in einem Streit den Mord zugegeben haben. Die Polizei nimmt Concetta fest. Und sie gesteht.

Sie habe einem Bekannten von dem jähzornigen Vater erzählt und der habe seine Hilfe angeboten. Doch dafür habe er nicht nur Geld gewollt, sondern auch Sex mit ihr. Sie habe sich darauf eingelassen, erklärte Concetta den Polizisten. In der Nacht habe er ein Kind mit ihr gezeugt – ihren Sohn. Danach seien sie getrennte Wege gegangen. Den Nachnamen des Mörders wisse sie nicht, sein Vorname sei Joaquino. Der Fall scheint gelöst.

Grafik/Collage: Portrait Georgine Krüger, Foto Linienbus.

Die 14-jährige Georgine verschwindet 2006 spurlos in Berlin. Elf Jahre später gibt es einen Verdächtigen – aber keine Beweise. Können verdeckte Ermittler ihm ein Geständnis entlocken?

17.03.2025 | 43:55 min

Doch als sie dem Haftrichter vorgeführt wird, widerruft sie ihr Geständnis. Das bedeutet: Die Ermittler können ihre Aussage nicht verwerten.

Natürlich ist es äußerst frustrierend, wenn ein Fall so endet. Die Kollegen waren ja auch absolut von der Schuld überzeugt.

Kriminalhauptkommissar Jürgen Benz, der den Fall 2003 übernommen hat

Montage eines Portraitfotos von Giovanni Strangio mit geschwärzter Augenpartie vor einem Foto des Restaurants "Da Bruno".

Sechs Männer werden 2007 mitten in Duisburg auf offener Straße erschossen. Die Taten geben den Anschein Hinrichtungen zu sein. Handelt es sich um kaltblütige Mafia-Morde?

23.08.2025 | 43:40 min

BGH erlaubt DNA-Analyse in Strafprozessen

Die Polizei braucht einen anderen Beweis als das Geständnis. Den Ermittlern kommen die Entwicklungen der Kriminaltechnik zugute: 1990, im Jahr des Mordes an Calogero, erklärt der Bundesgerichtshof DNA als Beweismittel in Strafprozessen für zulässig.

Ein Glücksfall für die Polizei. Denn wenn die Zeugenaussage der Tochter von Calogero C. stimmt, müsste ihr Sohn, der jüngste Enkel von Calogero C., den genetischen Code des Mörders in sich haben. Damit besteht die Chance, dass der Täter anhand seiner DNA gefunden werden kann.

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Doch anfangs fehlt die Infrastruktur, um das Verfahren anwenden zu können. Für einen Durchbruch sorgte ein Fall drei Jahre später: 1993 wurde ein Mädchen aus einer US-Kaserne entführt und getötet. Es gab zwar eine DNA-Probe, aber sie passte mit niemandem aus dem Umfeld überein. So entstand die Idee einer DNA-Reihenuntersuchung. Harald Schneider von der LKA Hessen übernahm den Fall und überprüfte die DNA von 2.000 Personen.

Das war so ungewöhnlich, dass wir erst mal gesagt haben: ‚Wie kriegen wir denn da überhaupt das in dem Labor organisiert?‘

Harald Schneider, kriminaltechnischer Experte des LKA Hessen

Alica Vierwiebe von der Stfitung Warentest mit "Volle Kanne"-Moderator Florian Weiss im Gespräch

Immer mehr Menschen suchen ihre Wurzeln – mit kommerziellen DNA-Tests. Doch wie zuverlässig sind die Ergebnisse? Und was passiert mit den Daten?

17.06.2025 | 4:37 min

Seit 1998 hat die Polizei eine DNA-Datenbank

Der organisatorische Aufwand war enorm: Zu dem Zeitpunkt hatten die meisten Polizeibüros keine Computer, nur elektronische Schreibmaschinen. Harald Schneider musste ein System entwickeln, um die ganzen Proben zu kategorisieren und zu vergleichen.

1998 entstand dann die sogenannte „DNA-Analyse-Datei“: Die Polizei speichert seither DNA von verurteilten Tätern für zehn Jahre, genau wie Spuren von Tatorten, die bisher keiner Person zugeordnet werden konnten.

Prozessauftakt: Mord nach 22 Jahren aufgeklärt

Über 20 Jahre nach dem Mord an Tino W. hat die Polizei durch neueste DNA-Technik den Cold Case lösen können. Nun muss sich der mutmaßliche Täter vor Gericht verantworten.

05.11.2025 | 2:59 min

Festnahme in Landau hilft der Polizei

2010, 20 Jahre nach dem Mord in Mannheim, bekommt der Fall eine neue Wendung: Ein Mann wird im 60 Kilometer entfernten Landau festgenommen, weil er mit Falschgeld und Waffen gehandelt haben soll. Sein Name: Joaquino S. Früher wohnte er in Mannheim. Für die Polizisten genug Indizien, um seine DNA zu testen und mit der DNA des Enkels von Calogero C. abzugleichen.

Dann ging alles ganz schnell: Sechs Tage nach der Speichelprobe kam die Meldung, dass der Beschuldigte zu 99,999991 Prozent der Vater des Jungen ist.

Reinhard Hoffmann, Staatsanwalt in dem Mordfall an Calogero C.

Das ist der entscheidende Beweis. Jaoquino S. kommt 21 Jahre nach dem Mord an Calogero C. vor Gericht. Er muss lebenslänglich in Haft, genau wie die Tochter Concetta. Dank der DNA-Analyse wurde damit ein Fall gelöst, der 20 Jahre lang ungeklärt war.

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