Vincent Wagner steht auf der großen Bühne auf dem Rasen in der Ursapharm-Arena und schreit ins Mikrofon: „Wer nicht hüpft, der ist kein Elversberger.“ Und Tausende Fans auf dem Rasen springen in die Höhe und rasten aus. Danach startet der 40-Jährige die La Ola, und alle machen mit. Am Sonntagnachmittag ist in Elversberg der Ausnahmezustand ausgebrochen. Das saarländische Fußball-Wunder ist perfekt – die SV Elversberg steigt in die Bundesliga auf.
Zum Abschluss gewinnt die SVE ihr Heimspiel mit 3:0 (2:0) gegen den zuvor bereits abgestiegenen SC Preußen Münster. Danach startet die größte Party, die das 7.500 Einwohner große Elversberg jemals gesehen hat. Erstmals seit 33 Jahren ist das Saarland wieder in der Bundesliga vertreten. „Das ist wie die Mondlandung, und dort sind wir heute gelandet. Jetzt machen wir uns auf den Weg zum Mars“, sagt Wagner.
Conté trifft zum 1:0 in der zehnten Minute
Er schickte zuvor vor 9.307 Zuschauern Bambasé Conté von Beginn an auf den Platz, und der gebürtige Saarbrücker schrieb sein ganz persönliches Saarland-Märchen. In der zehnten Minute kombinierten sich Lukasz Poreba und Tom Zimmerschied durch den Münsteraner Strafraum, Zimmerschied passte flach in die Mitte, und dort drückte Conté den Ball zum 1:0 über die Linie. Ein Saarländer brachte die Saarländer in Führung und leitete den Aufstieg in die Bundesliga ein. „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich in dieser Mannschaft spielen durfte. Ich kann das alles noch gar nicht richtig glauben“, sagt der von der TSG Hoffenheim ausgeliehene Conté.
Nur vier Minuten später stand es 2:0. Lasse Günther sprintete links in den Strafraum, legte in die Mitte, und David Mokwa erzielte das 2:0. Zwei Tore, die sinnbildlich für die Elversberger Saison waren – starke Kombinationen bis in den gegnerischen Strafraum. Die SVE machte es perfekt, die Preußen hatten in der Offensive keine Chance. Daran konnte auch der zweite Saarländer auf dem Platz nichts ändern. Der Lebacher Joshua Mees stürmte bei den Gästen über die linke Seite.
SVE-Torhüter musste nur einen Ball halten
Die SVE hatte vor der Pause mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Nach dem Seitenwechsel blieb die SVE weiter klar tonangebend, aber richtig gefeiert wurde auf den Rängen noch nicht. Dafür war das Ergebnis nicht deutlich genug. Das änderte sich in der 66. Minute: Conté marschierte in den Strafraum, legte quer in den Fünf-Meter-Raum, und dort brauchte Mokwa wieder nur den Fuß hinzu halten – das 3:0. SVE-Torhüter Nicolas Kristof musste in den 90 Minuten nur einen Ball halten.
Nach dem 3:0 gab es kein Halten mehr. Wagner wechselte die Spielentscheider Conté und Mokwa aus und brachte Immanuel Pherai und Luca Schnellbacher. Die letzten 20 Minuten wurde die Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde zum Tollhaus. „Oh, wie ist das schön. Oh, wie ist das schön“, donnerte es minutenlang von den Rängen auf den Rasen. Keinen hielt es mehr auf den Plätzen. Es wurde gehüpft, gesungen und den 59. Bundesligisten gefeiert. „Ich weiß nicht, wann ich das alles realisieren werde. Das ist einfach unfassbar. So eine Geschichte hat es im deutschen Fußball so noch nicht gegeben“, sagt Stürmer Schnellbacher, der den Weg von der Regionalliga Südwest bis in die Bundesliga mitgemacht hat – mit drei Aufstiegen in nur fünf Jahren.
Party von Elversberg nach Mallorca
Gefeiert wurde in Elversberg bis tief in die Nacht – übrigens auch mit Younes Ebnoutalib. Den Torjäger hatte die SVE in der Winterpause an Eintracht Frankfurt verkauft. Am Sonntag stand Ebnoutalib mit der SVE-Mannschaft jubelnd auf dem Rasen – natürlich mit Aufstiegs-Shirt am Körper. 3.000 Liter Freibier spendete der Verein an die Fans. Aber die gigantische Party ist noch lange nicht vorbei. An diesem Montag (18 Uhr) wird die SV Elversberg offiziell auf einem aufgebauten Gerüst vor dem Rathaus in Elversberg empfangen – der Party-Marathon geht weiter. Anschließend fährt die Mannschaft nach Mallorca.
Und dann? In der Saison 2026/2027 kommen der FC Bayern München mit Harry Kane, Joshua Kimmich und Manuel Neuer, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Co. nach Elversberg an die Kaiserlinde – und werden vielleicht auch sportlich überrascht werden. Daran wollte in Elversberg am Sonntag aber keiner denken. Es wird einfach nur gefeiert – mit Chef-Einheizer und Chef-Feierbiest Vincent Wagner. Der hat auf der Bühne eine Dreiviertelstunde das Mikrofon in der Hand, singt und feiert, als gäbe es kein Morgen.