Ab Dezember 2026 müssen große Unternehmen lückenlos nachweisen, dass ihre Produkte nicht von gerodeten Flächen stammen. Parallel dazu revolutionieren digitale Systeme die Kontrolle globaler Lieferketten.
Milliarden schwerer Markt für Blockchain entsteht
Die Nachfrage nach fälschungssicheren Daten treibt die Technologiebranche an. Der Markt für Blockchain in der Agrar- und Lebensmittelkette wuchs 2023 auf knapp 280 Millionen Euro. Bis 2032 prognostizieren Analysten ein Volumen von über 6,5 Milliarden Euro – ein jährliches Wachstum von mehr als 40 Prozent.
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Pilotprojekte in der Palmöl- und Aquakultur-Branche zeigen, wie die Kombination aus Blockchain und IoT-Sensoren funktioniert. Sie überwachen Umweltauswirkungen und Arbeitsbedingungen in Echtzeit. Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) hat kürzlich seinen Feed-Standard erweitert und schafft damit eine „Nachhaltigkeitsleiter“ für marine Zutaten.
EUDR: Letzte Phase vor dem Start
Anfang Mai 2026 legte die EU-Kommission ihren Abschlussbericht zur Vereinfachung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vor. Die Behörde bestätigte die Starttermine und kündigte Maßnahmen an, die den bürokratischen Aufwand drastisch senken sollen. Die jährlichen Compliance-Kosten für Unternehmen sinken demnach um rund 75 Prozent im Vergleich zum ursprünglichen Rahmen.
Die Verordnung verlangt von Importeuren den Nachweis, dass Rohstoffe wie Rinder, Kakao, Kaffee, Palmöl, Kautschuk, Soja und Holz nicht von Flächen stammen, die nach dem 31. Dezember 2020 gerodet wurden. Große und mittlere Unternehmen müssen die Regeln ab dem 30. Dezember 2026 anwenden. Kleinstbetriebe und kleine Firmen haben bis zum 30. Juni 2027 Zeit.
Die aktualisierten Leitlinien setzen auf Geolokalisierungsdaten und ein zentrales Informationssystem. Über dieses Portal reichen Unternehmen künftig ihre Sorgfaltserklärungen ein.
MSC überarbeitet Rückverfolgungsstandards
Parallel zur EU-Initiative reformiert der Marine Stewardship Council (MSC) seine Standards. Bis zum 30. Mai 2026 läuft eine 60-tägige öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der Chain-of-Custody-Zertifizierung. Ziel ist es, die verschiedenen Versionen in einem einzigen, neu strukturierten Dokument zusammenzuführen.
Die geplanten Änderungen verlangen von zertifizierten Betrieben regelmäßige interne Rückverfolgungsübungen. Zudem müssen Unternehmen nachweisen, dass sie auf standardisierte Datenelemente zur Rückverfolgung zugreifen können. Diese Neuerungen orientieren sich an den Vorgaben des Global Dialogue on Seafood Traceability (GDST).
Branchenkenner betonen, dass diese Reformen notwendig sind, um Betrug zu verhindern und die Fischereiindustrie gegen wachsende regulatorische Anforderungen zu wappnen.
Die Hürden der Digitalisierung
Der Umstieg auf digitale Systeme bleibt eine Herausforderung. Viele Produzenten arbeiten noch mit fragmentierten oder papierbasierten Aufzeichnungen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) hat diese Lücken in aktuellen Berichten hervorgehoben. Standardisierte Tracking-Praktiken seien essenziell, um illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei (IUU) zu bekämpfen.
Die Industrie setzt zunehmend auf Key Data Elements (KDEs) und Critical Tracking Events (CTEs). Diese schaffen eine gemeinsame Datensprache, die verschiedene Softwaresysteme miteinander kommunizieren lässt.
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Institutionelle Anleger mit einem verwalteten Vermögen von über 5,6 Billionen Euro erhöhen den Druck auf die größten börsennotierten Fischereiunternehmen. Während einige Konzerne bereits konzernweite Verpflichtungen für alle Produkte und Futtermittel eingegangen sind, kämpfen andere mit technischen Defiziten und einer alternden Belegschaft.
Ausblick: KI soll Kosten senken
Mit der nahenden Deadline rückt die Verfeinerung der Geolokalisierungsberichte in den Fokus. Auch die Einbindung nachgelagerter Händler wird zur Priorität. Im Aquakulturbereich dürften die Ergebnisse der MSC-Konsultation den Maßstab für die Rückverfolgbarkeit von Meeresfrüchten bis zum Ende des Jahrzehnts setzen.
Experten erwarten, dass künstliche Intelligenz und automatisierte Buchhaltung die Compliance-Kosten für Kleinproduzenten senken werden. Diese wurden bislang oft durch hohe Zertifizierungsgebühren ausgeschlossen. Die entscheidende Frage bleibt, ob die globale Synchronisierung von Industriestandards mit staatlichen Datensystemen gelingt. Nur dann können die Lieferketten die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen und legalen Lebensmitteln bedienen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die digitale Infrastruktur in den Produktionsregionen Schritt halten kann.
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