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Uns auf Google folgenMitarbeiter des Online-Einzelhändlers Amazon machen im Logistik-Zentrum im osthessischen Bad Hersfeld Päckchen für den Versand fertig. Lager der Superlative: Im Unterschied zum Logistikzentrum in Bad Hersfeld (Foto), wo 3600 Menschen arbeiten, entsteht in Kassel ein kleiner Amazon-Standort. Von dort aus sollen Päckchen für die sogenannte „letzte Meile“ zum Kunden vorbereitet werden. © Archivfoto: Uwe Zucchi:dpa

Das neue Verteilzentrum startet im August in Waldau. Der Online-Händler investiert in die letzte Meile der Lieferkette.

Kassel – Seit Amazon 2010 in Deutschland startete, kennen die Zahlen des Online-Giganten nur eine Richtung: steil nach oben. Bundesweit hat sich der Umsatz des US-Unternehmens innerhalb von 15 Jahren auf zuletzt 40 Milliarden Euro verzehnfacht. Bot man anfangs nur Bücher an, ist bei Amazon inzwischen so gut wie alles zu haben – von der Handyhülle bis zum Rasenmäher.

Einzelhändlern auch in Nordhessen und Südniedersachsen macht die Online-Konkurrenz große Sorgen: Statt in ihr Geschäft zu kommen, bleiben viele Kunden fern und bestellen bequem vom heimischen Sofa. Doch vom Wachstum des Konzerns kann die Region durchaus profitieren, wie das Beispiel des Logistikzentrums in Bad Hersfeld zeigt. An einem der größten deutschen Amazon-Standorte arbeiten 3600 Menschen. Nun hat auch Kassel etwas vom Online-Boom: Bis August entsteht dort ein Verteilzentrum, wie Amazon auf HNA-Anfrage bestätigt.

An der Falderbaumstraße im Stadtteil Waldau will der Konzern mit dem neuen Standort auf einer Fläche von 9600 Quadratmetern seine Lieferkapazitäten ausbauen. Damit würden 90 Arbeitsplätze geschaffen, so ein Firmensprecher. „Hinzu kommen mehr als 200 Fahrer, die bei Lieferpartnern beschäftigt sein werden.“ Die Personalsuche laufe bereits. Im Netz finden sich mehrere Stellenanzeigen für Kassel. Gesucht werden demnach insbesondere Instandhalter, Mechatroniker, Elektroniker und Kundendienstmitarbeiter.

Was genau wird in Kassel gemacht? Es geht, kurz gesagt, um die „letzte Meile“. Damit ist in der Logistik der letzte Schritt in der Lieferkette gemeint, also der Weg von der Zwischenstation bis zum Kunden. „Es handelt sich nicht um ein klassisches Warenlager, sondern um ein Verteilzentrum“, so der Sprecher.

Pakete aus größeren Logistikzentren würden für die regionale Zustellung sortiert. „Anschließend übernehmen lokale, unabhängige Lieferpartner die Zustellung.“ So gelangten die Päckchen per Kleintransporter bis an die Haustür des Bestellers. Das Kasseler Verteilzentrum ist laut Amazon eins von bundesweit 70 dieser Zentren. In der Region gibt es ein Verteilzentrum bislang nur in Knüllwalld (Schwalm-Eder-Kreis).

Im Unterschied dazu ist das Sortierzentrum in Wolfhagen/Breuna, wo 500 Menschen arbeiten, deutlich größer. Von dort aus transportieren Lkw die Sendungen an kleinere Zentren weiter. Noch größer sind laut Amazon die Logistikzentren, von denen es in Deutschland 23 gibt. „Auf einer Fläche von bis zu 40 Fußballfeldern wird die Ware dort gelagert und verpackt“, sagt der Sprecher. Wie riesig ein solches Logistikzentrum ist, dürfte manchem Autofahrer an der A4 in Bad Hersfeld aufgefallen sein.

Warum fiel die Wahl auf Kassel? Neben der zentralen Lage gehe es vor allem um eine Verkürzung der Lieferwege. Die Dezentralisierung beschreibt der Sprecher mit den Worten: „lieber einen weiteren Standort haben als einen bestehenden ausbauen“. Zugleich kündigt er an, dass der US-Konzern in Kassel Gewerbesteuer zahlen wolle. „Unser Engagement für Kassel bleibt stark. Wir wollen gute Nachbarn sein und uns in der Stadt engagieren.“

Das Kasseler Verteilzentrum ist Teil eines bundesweiten Logistikausbaus bei Amazon. Weitere solcher Zentren entstehen 2026 im badischen Ettenheim, in Salzgitter, Cottbus und Dahlewitz (Brandenburg). Für die Standorte in Knüllwald und Wolfhagen/Breuna habe die Kasseler Neueröffnung laut Unternehmen keine Folgen.