Die Niederlande wollen Tiertransporte bei hohen Außentemperaturen deutlich stärker einschränken. Nach Angaben des Branchenverbands Vee&Logistiek Nederland (VLN) soll ab 2027 ein Transportverbot für Nutztiere ab 30 Grad Celsius gelten.
Betroffen wären vor allem Transporte in den Sommermonaten. Fahrten müssten dann verstärkt in die frühen Morgenstunden oder in die Nacht verlegt werden.
Genau darin sieht die Branche erhebliche praktische Probleme. VLN kritisiert, dass die niederländische Lebensmittel- und Warenaufsicht NVWA ihre Mitarbeiter nicht verpflichtend zu Randzeiten einsetzen könne. Dadurch könnten Transporte teilweise nicht abgefertigt oder kontrolliert werden.
VLN-Präsidentin Helma Lodders spricht deshalb von einem „ungleichen Wettbewerb“ innerhalb Europas. Während in Brüssel noch über neue EU-Regeln verhandelt werde, schaffe Den Haag bereits nationale Verschärfungen.
30-Grad-Grenze gilt bereits heute
Neu ist die Temperaturgrenze allerdings nicht. Bereits die geltende EU-Verordnung 1/2005 schreibt vor, dass die Temperatur im Transportmittel 30 Grad nicht überschreiten darf.
Deutschland hatte die Vorschriften bereits 2019 verschärft. Das damalige Bundeslandwirtschaftsministerium kündigte an, Temperaturüberschreitungen künftig als Ordnungswidrigkeit zu ahnden. Unternehmen drohen seitdem Bußgelder, wenn Tiere bei zu hohen Temperaturen transportiert werden.
Auslöser war eine Auswertung deutscher Tiertransporte über die bulgarisch-türkische Grenze. Nach Angaben des Ministeriums wurden 184 von insgesamt 210 kontrollierten Transporten bei Temperaturen von über 30 Grad durchgeführt.
Die damalige Bundesagrarministerin Julia Klöckner erklärte damals:
„Wenn es bei den Tieren im Transporter über 30 Grad heiß ist, ist der Transport untersagt.“
Eine bundeseinheitliche Bußgeldhöhe gibt es allerdings nicht. Die Sanktionen werden von den zuständigen Behörden der Länder festgelegt.
Sehr lange Transportzeiten weiterhin erlaubt
Gleichzeitig erlaubt die aktuelle EU-Verordnung weiterhin sehr lange Tiertransporte – abhängig von Tierart und Fahrzeugausstattung.
- Schweine dürfen derzeit bis zu 24 Stunden transportiert werden, sofern dauerhaft Zugang zu Trinkwasser besteht.
- Pferde dürfen ebenfalls bis zu 24 Stunden unterwegs sein, wenn sie spätestens alle acht Stunden getränkt werden.
- Für Rinder, Schafe und Ziegen gelten zunächst 14 Stunden Transportzeit, anschließend eine Stunde Ruhepause und danach weitere 14 Stunden Fahrt.
- Nicht entwöhnte Jungtiere dürfen neun Stunden transportiert werden, gefolgt von einer Stunde Pause und weiteren neun Stunden Fahrt.
- Geflügel darf je nach Tierart bis zu zwölf beziehungsweise 24 Stunden transportiert werden.
Besonders umstritten ist dabei eine Regelung: Werden Tiere an Kontrollstellen entladen, versorgt und erhalten eine 24-stündige Ruhezeit, können die Transporte anschließend erneut beginnen. Dadurch sind Langstreckentransporte über mehrere Tage hinweg möglich.
EU plant weitere Verschärfungen
Die EU-Kommission arbeitet deshalb seit mehreren Jahren an einer Reform der Tiertransportregeln. Diskutiert werden unter anderem strengere Temperaturgrenzen, kürzere Transportzeiten, digitale Temperaturüberwachung sowie schärfere Regeln für Jungtiere.
Auch Transporte in Drittstaaten stehen zunehmend in der Kritik. Vor allem Tiertransporte per Schiff gelten als problematisch, weil Kontrollen außerhalb der EU kaum möglich sind.
Tierschutzorganisationen fordern deshalb seit Jahren deutlich strengere Vorgaben oder ein grundsätzliches Verbot langer Lebendtiertransporte.
Branche verweist auf bestehende Hitzeschutzmaßnahmen
Die Transportbranche hält zusätzliche nationale Verschärfungen dagegen für überzogen. Nach Angaben von VLN gilt in den Niederlanden bereits seit 2016 ein eigenes Hitzeschutzprotokoll.
Ab 27 Grad würden weniger Tiere verladen und zusätzliche Kontrollen durchgeführt. Laut vorläufigen Zahlen seien bei 135 Kontrollen im Jahr 2025 keine Fälle von Hitzestress festgestellt worden.
Für die Transport- und Agrarlogistik könnten strengere Regeln dennoch erhebliche Folgen haben. Transporte müssten verstärkt nachts stattfinden, gleichzeitig steigen Aufwand und Kosten für Planung, Kühlung, Dokumentation und Kontrollen.
Besonders betroffen wären grenzüberschreitende Tiertransporte innerhalb Europas sowie Exporte in Nicht-EU-Staaten.