1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Stuhr

DruckenTeilen

Uns auf Google folgenARCHIV - Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen am 31.05.2007 auf einem Baumstamm entlang. Aus der Luft und vom Boden aus soll dem allergieauslösenden Eichenprozessionsspinner in Hessen auch in diesem Jahr zu Leibe gerückt werden. Foto: Bernd Settnik/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++Die Raupen des Eichenprozessionsspinners treten wieder verstärkt auf. Die Gemeinde setzt deshalb auf schnelle Meldungen, digitale Abläufe und eine gezielte Bekämpfung. © Bernd Settnik/picture alliance / dpa

Der Eichenprozessionsspinner ist in Stuhr zurückgekehrt und wurde erstmals an der Kita in Seckenhausen festgestellt. Die Gemeinde reagierte umgehend und ließ die Nester noch vor dem Kita-Betrieb entfernen.
Dank digitalisierter Abläufe kann schneller gehandelt werden, besonders an sensiblen Orten wie Schulen und Spielplätzen.

Stuhr – Kaum klettern die Temperaturen in die Höhe, beginnt auch in Stuhr wieder die Zeit des Eichenprozessionsspinners (EPS) – dabei reagiert die Gemeinde inzwischen deutlich schneller als noch vor wenigen Jahren. Der erste Befall der Saison wurde bereits entdeckt: ausgerechnet an der Kita in Seckenhausen. Noch bevor die Kinder am nächsten Morgen eintrafen, war das Spezialunternehmen schon vor Ort und saugte die Nester ab.

„Wenn eine Eiche direkt an einer Kita oder an einem Spielplatz steht, dann müssen wir sofort handeln“, erklärt Guido Stuck, Leiter des Baubetriebshofs. Gemeinsam mit Benjamin Stresow, seinem Stellvertreter, stellte er jetzt die neue Bekämpfungsstrategie vor. Klar ist: Der Eichenprozessionsspinner wird bleiben. Aber man will schneller reagieren, gezielter handeln – und Gefahren möglichst früh eindämmen.

Besonders auffällig: Die Gemeinde hat ihre Abläufe inzwischen weitgehend digitalisiert. Meldungen von Bürgern landen nicht mehr in langen Telefonketten, sondern werden direkt an die beauftragte Fachfirma weitergeleitet. „Wir können die Fälle sofort digital erfassen und direkt an das Unternehmen schicken“, erklärt Stresow. Dort erscheinen die Daten unmittelbar auf dem Bildschirm – inklusive Adresse, Fotos und Gefahreneinschätzung.

Je nach Dringlichkeit greift dann ein gestuftes Reaktionssystem. Standardmeldungen sollen innerhalb von 48 Stunden bearbeitet werden. Für sensible Bereiche wie Schulen oder Spielplätze gilt ein 24-Stunden-Fenster. Bei akuter Gefahr – etwa am Silbersee während der Badesaison – kann die Fachfirma sogar innerhalb von vier Stunden ausrücken. „Das kostet natürlich mehr Geld“, sagt Stresow. „Aber bei Bereichen mit vielen Menschen müssen wir schnell reagieren können.“

Im vergangenen Jahr war der Aufwand enorm. Mehr als 300 Bäume wurden abgesaugt, insgesamt waren rund 600 Eichen betroffen. Anfangs hatte die Gemeinde noch versucht, kleinere Befälle selbst zu beseitigen – inzwischen setzt man vollständig auf spezialisierte Unternehmen. „Wir sind da schnell an unsere Grenzen gestoßen“, erinnert sich Stuck. „Die Firmen haben die richtige Schutzkleidung, die Ausbildung und die Erfahrung.“

Das brennt sich richtig rein und juckt wie der Teufel.

Denn ungefährlich ist der Kontakt mit den Raupen nicht. Die feinen Brennhaare können heftige Hautreizungen, Atemprobleme und starken Juckreiz auslösen. Besonders tückisch: Selbst alte Nester bleiben gefährlich, weil die Haare sich mit dem Wind verbreiten oder beim Mähen aufgewirbelt werden können. „Ich habe selbst mal so ein Haar abgekriegt“, erzählt Stresow. „Das brennt sich richtig rein und juckt wie der Teufel.“

Gleichzeitig versuchen die Mitarbeiter, auch falsche Meldungen einzuordnen. Denn nicht jedes Gespinst stammt automatisch vom Eichenprozessionsspinner. Gerade an Sträuchern handelt es sich häufig um harmlose Gespinstmotten. „Der Eichenprozessionsspinner sitzt aber wirklich nur an Eichen“, betont Stresow.

An besonders sensiblen Orten setzt die Gemeinde weiterhin auf konsequente Bekämpfung. Weniger gefährdete Bereiche werden dagegen abgesperrt und mit schwarz-gelben Warnbändern gekennzeichnet. Grundlage dafür ist eine landesweite Handreichung Niedersachsens, die befallene Orte in vier Gefahrenkategorien einteilt.

Auch Tierhalter stehen zunehmend im Fokus. Vor allem Hunde und Pferde reagieren empfindlich auf die Brennhaare. Die Gemeinde empfiehlt deshalb, bekannte Befallsgebiete möglichst zu meiden. „Wer mit dem Hund unterwegs ist, kann besser in Nadelwälder ausweichen“, rät Stuck. Denn der Schädling befällt ausschließlich Eichen.

Dass die Population in den vergangenen Jahren deutlich sichtbarer geworden ist, führen die Verantwortlichen auch auf das Klima zurück. Der Eichenprozessionsspinner liebe warme und trockene Bedingungen. Der kühle Frühling habe die Entwicklung in diesem Jahr zwar etwas verzögert – verschwinden werde das Problem aber nicht mehr. „Wir können das eindämmen, aber nicht verhindern“, betont Guido Stuck. „Damit müssen wir leben.“