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Frankfurt – 25 Jahre lang gaben die Ermittler keine Ruhe. Jetzt lösten sie einen der spektakulärsten Cold Cases aus Frankfurt (Hessen). Das tote Mädchen aus dem Main, das offenbar niemand kannte oder vermisste, hat endlich einen Namen bekommen, ihr mutmaßlicher Mörder sitzt in U-Haft. Es ist der 67-jährige Vater des Mädchens.

„Das Mädchen aus dem Main“

Am 31. Juli 2001 trieb nachmittags die Leiche eines Mädchens im Main. Der Leichnam war in einen Bettbezug mit Leopardenmuster und ein Frotteebetttuch gewickelt. Die Beine des Mädchens, das zwischen 13 und 16 Jahre alt sein musste, waren angewinkelt und an die Brust gepresst, die Arme lagen eng am Körper. Mit Textilbändern war das Mädchen verschnürt. Schon früh gaben diese Bänder den Ermittlern Auskunft über die Herkunft: Es handelte sich um sogenannte Nalas. Diese Bänder werden in Pakistan, Afghanistan oder auch Indien als Gürtel für Pluderhosen genutzt. Mit genau so einem violett gestreiften Band wurde der Leichnam der Jugendlichen an einen Sonnenschirmständer gebunden, in den Main geworfen. 

An diesem Sonnenschirmständer aus dem Baumarkt (Firma „Elfe“) wurde der Leichnam gebunden und in den Main geworfen

An diesem Sonnenschirmständer aus dem Baumarkt (Firma „Elfe“) wurde der Leichnam gebunden und in den Main geworfen

Foto: Landeskriminalamt Hessen

Mädchen jahrelang brutal misshandelt

Hinter dem grausamen Fund im Main verbarg sich eine Lebensgeschichte voller Schmerz und Gewalt, die sich bis dahin im Verborgenen abgespielt haben muss. Bei der Obduktion wurden zahlreiche Verletzungen am Körper des Mädchens festgestellt, ein Zeichen von jahrelanger und schwerer Misshandlung. Die Arme waren gebrochen und verheilt, es hatte Narben an Beinen, Rumpf und Stirn. Damals die Erklärung der Ermittler: Die Brandnarben stammen von Verbrennungen mit Zigaretten. Dank Spenden der Ermittler wurde das Mädchen auf dem Parkfriedhof Heiligenstock beigesetzt.

Mit Textilbändern war das Mädchen verschnürt. Schon früh gaben diese Bänder den Ermittlern Auskunft über die Herkunft: Es handelte sich um sogenannte Nalas.

Mit Textilbändern war das Mädchen verschnürt. Schon früh gaben diese Bänder den Ermittlern Auskunft über die Herkunft: Es handelte sich um sogenannte Nalas.

Foto: Landeskriminalamt Hessen

25 Jahre später die Festnahme

25 Jahre lang wusste niemand mehr über die junge Unbekannte aus dem Main. Ihre Identität und ihr Schicksal konnten nicht geklärt werden. Jetzt haben die Ermittler den Fall endlich gelöst. Am 12. Mai wurde der 67-jährige Vater des Kindes festgenommen. Er sitzt jetzt wegen Mordverdachts in U‑Haft. Nach der internationalen Kampagne „Identify Me“ (dt. „Indentifziere mich“), bei der im Oktober 2024 noch einmal auf den Fall aufmerksam gemacht wurde, kamen die entscheidenden Anhaltspunkte. „Nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung wurden die Ermittlungen mit unverminderter Intensität fortgeführt, was nun zur Festnahme des Tatverdächtigen führte.“, so die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Virginie Wegner vom Hessischen LKA zu BILD: „Wir haben das Mädchen zwar identifiziert. Aber dennoch: wer kann Angaben zu ihr machen. Zu ihrem Umfeld, ihrem Leben in Offenbach. Das Hessische LKA ermittelt akribisch weiter.“

Das linke Ohr der Toten war durch Gewalteinwirkung komplett entstellt

Das linke Ohr der Toten war durch massive Gewalteinwirkung komplett entstellt

Foto: Landeskriminalamt Hessen

Der 67-jährige Vater des Mädchens wurde in Pakistan geboren, lebte mit seiner Familie in Offenbach, hat eine deutsche Staatsbürgerschaft. Er soll seine Tochter zwischen dem 28. und 31. Juli 2001 in der damaligen Familienwohnung mit etlichen brutalen Schlägen getötet haben. Nach der Tat, da sind sich die Ermittler sicher, soll er „den Leichnam der 16-Jährigen in ein Bettlaken eingewickelt, verschnürt und die verpackte Leiche an einem Sonnenschirmständer befestigt und ihn in Frankfurt in den Main geworfen haben“,  so die Staatsanwaltschaft.

Insgesamt 46 Cold Cases gehören zur Kampagne „Identify Me“. Neun Fälle kommen aus Deutschland. Jetzt wurde einer von ihnen gelöst

Insgesamt 46 Frauenschicksale gehören zur Kampagne „Identify Me“. Neun Fälle kommen aus Deutschland. Jetzt wurde einer von ihnen gelöst

Foto: Interpol