Mit der Show „Travesty“ zündet Sasha Velour am 21. Mai im Admiralspalast ein Feuerwerk aus Drag, Poesie, queerer Geschichte und Politik
Sasha Velour steht für eine radikal künstlerische und intellektuelle Form von Drag. Stetig erweitert sie dabei die Grenzen dieser Kunstform, ohne aber auf die essenziellen Zutaten des Glamourösen zu verzichten. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie 2017 durch ihren Sieg in der 9. Staffel von „RuPaul’s Drag Race“. Ihre Siegperformance, bei der sie ihre Perücke hochhob und Rosenblütenblätter auf ihre markante Glatze regnen ließ, erlangte Kultcharakter. Aber auch vorher und nachher hat sie kontinuierlich ihre ganz eigene Interpretation von Drag vorangetrieben: mit dem Magazin „Velour“, mit ihrer über 10 Jahre in New York aufgeführten Dragshow „NightGowns“ und auf ihrer Tour „Smoke & Mirrors“, mit der sie 2022 auch in Berlin Station machte.
Immer wieder scheint in ihrer Arbeit ihr intellektueller Hintergrund durch. Aufgewachsen in einem akademischen Elternhaus tauchte Velour nach dem Studium der Literatur und des Comiczeichnens in die Brooklyner Dragszene ein. 2023 veröffentlichte sie ihr Buch „The Big Reveal: An Illustrated Manifesto of Drag“, eine Mischung aus Memoir, Queer-Theorie und Geschichte des Drag. Ihre Beschäftigung mit der jahrhundertealten Tradition der Travestie und des Drag inspirierte sie offensichtlich auch bei der Kreation ihrer neuen Show „Travesty“, mit der sie am 21. Mai für einen einzigen Abend nach Berlin kommt.
Jede Erscheinung verkörpert eine andere Facette queerer Erinnerung – von verlorener Geschichte bis zu Selbstermächtigung.
Die Show feierte erst im April in Washington, D.C., Premiere und ist zur Zeit auf Welttournee. Im Zentrum steht ein imaginärer Ort – ein „haunted drag theater“ –, der als Projektionsfläche für mehrere Jahrhunderte queerer Geschichte dient. Velour entfaltet diese Geschichte in einer Reihe von Episoden und Figuren: von einer als Hexe verfolgten Außenseiterin über clowneske Bühnenfiguren bis hin zu einem widerständigen Underground-Club. Jede Erscheinung verkörpert eine andere Facette queerer Erinnerung – von verlorener Geschichte bis zu Selbstermächtigung. So wird Drag selbst als „metaphysischer Ort“ verstanden, als etwas, das Identität und Gemeinschaft bewahrt, selbst wenn reale Räume verschwinden.
Opulent und experimentell
Bei aller geistigen Durchdringung bestechen ihre Performances aber vor allem auch mit kreativer Opulenz: Aufwendiges Lichtdesign, Videoprojektionen und Lipsync-Interpretationen von Florence Welch, Halsey und Björk entfachen ein visuell-akustisches Feuerwerk. Ein zentrales Element sind die Kostüme, die nicht nur Hingucker sind, sondern jeweils eigene Geschichten erzählen. Velour selbst bezeichnet „Travesty“ als ihre bislang „reinste, radikalste und experimentellste“ Arbeit, die bewusst auf Erklärungen verzichtet und stattdessen auf unmittelbare Wirkung setzt, nach dem Motto: „Keine Entschuldigungen, keine Erklärungen, nur KUNST!“ So wird „Travesty“ zu einer poetischen, politischen und zutiefst persönlichen Reflexion über die Vergangenheit und Zukunft queerer Kultur.
SIEGESSÄULE präsentiert Sasha Velour „Travesty“
21.05., 20:00
Admiralspalast
admiralspalast.theater