Anwohner reagierten nach der gebannten Gefahr erleichtert, äußerten sich jedoch auch besorgt: „Unsere Idylle war gestern erschüttert“, sagt Silvia Kaempf der Deutschen Presseagentur. Sie hat eine Laube in dem angrenzenden Kleingartenverein und war gerade mit ihrem Ehemann angekommen, als sie von Polizisten über den Ausbruch des Raubtieres informiert wurde. „Wir sollten sofort ins Auto und abschließen“, erzählt die 68-Jährige.

Dann habe sie gesehen, wie Polizisten auf ein Autodach gestiegen waren und dreimal auf den Tiger geschossen hatten. Das Tier habe nur wenige Meter von einem kleinen Zaun zur Kleingartenanlage gelegen. Danach habe es Entwarnung gegeben und sie hätten ihr Auto verlassen.

Anwohnerin Janin Nordengrün sagte MDR SACHSEN am Sonntag: „Dann kam jemand und sagte, wir sollen alle in unsere Lauben gehen, es ist ein Tiger frei.“ Man habe aber anfangs nicht gewusst, ob noch mehr Tiger ausgebrochen waren, so die Gartenbesitzerin weiter.

Bei dem getöteten Tiger handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um „Sandokan“, ein rund neun Jahre altes Tier im Besitz der ehemaligen Zirkus-Dompteurin Carmen Zander. Was mit dem toten Tier geschieht, ist derzeit noch unklar. Es wurde in eine behördliche Einrichtung in Leipzig-Wiederitzsch gebracht.

Ebenfalls offen ist die Zukunft der weiteren Tiere auf dem Gelände. Im Landratsamt Nordsachsen fand dazu nach eigenen Angaben am Montag eine erste Abstimmung statt.

Der Vorfall hat auch eine neue Debatte über die private Haltung von Wildtieren ausgelöst. Der Deutsche Tierschutzbund sowie die Organisation Peta forderten bereits am Sonntag strengere gesetzliche Regelungen bis hin zu einem Verbot.

Das Gehege wird von einer Dompteurin betrieben, gegen die es in der Vergangenheit schon mehrfach Vorwürfe gegeben hatte. Ein Verfahren gegen sie wurde im vergangenen Jahr gegen eine Geldauflage eingestellt.