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Frankfurt/München – Der Übernahmepoker um die Commerzbank spitzt sich weiter zu! Jetzt schlagen Vorstand und Aufsichtsrat Alarm und raten den Aktionären ganz klar: Das Angebot der italienischen UniCredit ist aus ihrer Sicht nicht attraktiv genug – und soll abgelehnt werden.

In einer deutlichen Stellungnahme aus Frankfurt heißt es, die Offerte biete „keine angemessene Prämie“ und basiere zudem auf keinem „nachvollziehbaren und belastbaren strategischen Plan“ für einen Zusammenschluss. Stattdessen sei der Plan der Italiener vage und mit „erheblichen Risiken“ behaftet. Besonders kritisch sehen die Commerzbank-Spitzen mögliche Ertragsverluste, überzogene Synergie-Erwartungen sowie eine „unrealistische Umsetzungsdauer“.

Auch der geplante Personalabbau, die komplexe IT-Integration und Überschneidungen im Firmenkundengeschäft werden scharf kritisiert. Die von der UniCredit erwarteten Einsparungen seien „weder belastbar noch überzeugend“, so die klare Ansage aus dem Commerzbank-Tower.

„Massiver Eingriff in unser bewährtes Geschäftsmodell“

Vorstand und Aufsichtsrat gehen sogar noch weiter: Sie empfehlen den Aktionären ausdrücklich, das Umtauschangebot nicht anzunehmen. Man sei überzeugt, dass die eigene Strategie mit erhöhten Gewinnzielen langfristig mehr Wert schaffe als ein Zusammenschluss. Aktionäre, die investiert bleiben, würden davon profitieren, so die Botschaft.

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„Was die UniCredit als Zusammenschluss bezeichnet, ist in Wahrheit ein massiver Eingriff in unser bewährtes Geschäftsmodell“, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp deutlich. Auch Aufsichtsratschef Jens Weidmann warnte vor Risiken: Die „unausgereiften Vorstellungen“ der Italiener könnten Kundenbeziehungen beschädigen und die Belegschaft demotivieren.

Währenddessen treibt die UniCredit ihren Einstieg weiter voran. Die Italiener haben sich bereits Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile gesichert und über Finanzinstrumente sogar Einfluss auf noch mehr Aktien aufgebaut. Offiziell steigt ihr Stimmrechtsanteil damit deutlich an – der Machtkampf um die Commerzbank wird damit immer härter.

Bund steht hinter Commerzbank

Die Offerte selbst sieht vor, dass Commerzbank-Aktionäre für ihre Aktien 0,485 neue UniCredit-Aktien erhalten. Ziel: eine Übernahme ohne Pflichtangebot, das deutlich teurer wäre. Die Frist läuft bis Mitte Juni, kann aber noch verlängert werden. Die Commerzbank kontert jedoch auch mit Zahlen: Der angebotene Preis liege deutlich unter dem langfristigen Wertpotenzial und selbst unter dem aktuellen Börsenkurs. Seit Bekanntwerden des Angebots habe die Aktie durchgehend darüber notiert – ein weiteres Argument gegen die Offerte.

Die UniCredit, die in Deutschland bereits über die HypoVereinsbank präsent ist, verspricht sich im Fall einer Übernahme milliardenschwere Einsparungen. In Frankfurt hingegen wächst die Sorge vor einem radikalen Umbau. Der Bund, der selbst noch Anteile hält, steht hinter der Commerzbank.