Die Willicher Politik und Verwaltung wollen sich in den kommenden Monaten verstärkt mit dem Thema „Schutz von Frauen gegen geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt“ beschäftigen – und die anderen Kommunen im Kreis Viersen einbeziehen. Der erste Schritt wird sein, dass Bürgermeister Christian Pakusch (CDU) die Frage, ob und wie ein weiteres Frauenhaus (gegebenenfalls mit Standort in Willich) sinnvoll wäre, beim nächsten Treffen mit allen Bürgermeistern im Kreis Viersen besprechen wird. Die Ergebnisse soll er der Willicher Politik berichten. Diesen Auftrag erteilten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses in der jüngsten Sitzung.
Auslöser des Themas war ein Antrag der Willicher CDU: Die Willicher Verwaltung solle prüfen, „ob in Willich ein Frauenhaus betrieben werden sollte“, so die Christdemokraten. Sie verweisen auf das im Februar 2025 verkündete „Gewalthilfegesetz“ des Bundes. Es sieht „für den Zeitraum von 2027 bis 2030 einen bedarfsgerechten Ausbau der Plätze in Frauenhäusern vor, von 2032 an besteht für Betroffene ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung“, so die CDU.
Die Verwaltung hatte dazu eine Vorlage erstellt, in der sie unter anderem die Bedarfsberechnung nach der „Istanbul-Konvention“ (2017) für Willich beziehungsweise den Kreis Viersen heruntergebrochen hatte: „Übertragen auf die Stadt Willich ergibt sich daraus ein rechnerischer Bedarf von rund 13 Schutzplätzen. Für den gesamten Kreis Viersen wären demnach etwa 77 Plätze erforderlich. Tatsächlich steht derzeit lediglich ein Frauenhaus mit 17 Plätzen zur Verfügung, das zudem dauerhaft ausgelastet ist. Der bestehende Bedarf wird somit sowohl rechnerisch als auch praktisch deutlich bestätigt“, so die Verwaltung. Sie stellte dar, dass es derzeit für die Stadt Willich kein eigenes Schutzangebot für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder gebe. Aus ihrer Sicht wären drei Handlungsoptionen zu betrachten: Die Einrichtung eines eigenen Frauenhauses, die Schaffung von „Schutzwohnungen“ oder der Aufbau einer lokalen Beratungsstruktur.
Ein Frauenhaus wäre mit einem „erheblichen organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand“ verbunden, so die Verwaltung: Trägergewinnung, Immobilienbereitstellung, Fachkräfteakquise. Die langfristige Tragfähigkeit sei derzeit nur eingeschränkt abschätzbar. Schutzwohnungen „könnten kurzfristiger realisiert werden, bieten jedoch keine durchgehende psychosoziale Betreuung und sind daher nur eingeschränkt geeignet, insbesondere in akuten Gefährdungslagen“. Eine Beratungsstelle vor Ort könnte niedrigschwellige Unterstützung bieten und bestehende regionale Hilfesysteme sinnvoll ergänzen, so die Verwaltung zu dem dritten Aspekt.
Paul Schrömbges (CDU) fand dazu deutliche Worte: „Dass im Kreis Viersen 77 Plätze fehlen, ist schlicht eine Katastrophe – da muss Dampf in die Sache!“ Diese Auffassung unterstützten Lukas Maaßen (SPD), Hannes Zühlsdorff (FDP) und Christian Winterbach (Grüne). Schrömbges war es wichtig, zu erläutern, dass die CDU nicht „ein Frauenhaus für Willich“ wolle. Das Konzept dieser Häuser sieht vor, dass die Standorte nur einem kleinen Kreis bekannt sind und dass von Gewalt bedrohte Frauen mit ihren Kindern nicht im eigenen Wohnort, sondern weiter entfernt untergebracht werden. So sollen sie vor Verfolgungen durch den gewaltbereiten Partner besser geschützt sein. Maaßen regte zudem an, die Verwaltung solle sich ein Konzept des Landes NRW zur finanziellen Förderung der „Schutzhäuser/Schutzwohnungen“ anschauen. Für ihn stellte sich die Frage, ob das eine Option für Willich wäre. Sein Fraktionskollege Lukas Siebenkotten hielt die Einbeziehung des Kreises ebenfalls für sinnvoll.
In letzter Konsequenz mündet Gewalt gegen Frauen in einem sogenannten „Femizid“ – der Tötung einer Frau durch geschlechtsspezifische Gewalt. Die Organisation „One Billion Rising“ nennt für die ersten fünf Monate dieses Jahres: „Durch die Gewalt ihres Partners, Ex-Mannes, Bekannten, Verwandten, Lebensgefährten, Bruders, Sohnes, Vaters, Mitschülers, Nachbarn, Kollegen, etc. wurden bis heute (in Deutschland) 47 Frauen, 2 Mädchen (6, 10), 2 Jungen (13, 14) getötet.“