Johannes Frick (SG Terra Libre Ravensburg), Tamara und Peter Muschel (beide (BC Friedrichshafen) entwickelten sich zur Gefahr für Düsseldorf Sur Place. Das Team Baden-Württemberg fünf schaltete bei den Deutschen Pétanque-Meisterschaften im Triplette auf der Anlage von Sur Place nacheinander drei Teams mit Gastgeber-Beteiligung aus. „Dass sie für uns das kleine Schreckgespenst der Meisterschaft waren, kann man so sagen“, meinte Sur Place-Vorsitzender Werner Kötter augenzwinkernd. „Klar ärgert man sich kurz über Niederlagen, aber das war es dann auch schon. Die Meisterschaftsteilnehmer kennen sich alle untereinander, sind miteinander befreundet.“ Einige sähen sich auch immer wieder bei Trainingsmaßnahmen für die Auswahlspieler der Landes- und des Bundesverbandes.
So lag also eine sehr entspannte, wenn die Sonne durchkam fast südfranzösisch lässig-legere Atmosphäre über der Boule-Anlage an der Pariser Straße. Und das, obwohl insgesamt 128 Dreier-Teams aus allen 16 Bundesländern mit Ehrgeiz und Ernsthaftigkeit um den Meistertitel kämpften.
64 Boulebahnen, von denen 20 noch kurz vor Turnierbeginn vom Sportamt der Landeshauptstadt auf Vordermann gebracht wurden, waren spielbereit, der Turnierplan konnte also genau eingehalten werden. Der überdachte große Aufenthaltsbereich mit digitaler Ergebnistafel, Bierzelt-Garnituren, Liegestühlen und einem Stand mit französischen Wurst- und Käsespezialitäten, sowie das Grillgut-Angebot trug so einiges zur Wohlfühl-Atmo bei. „Niemand musste lange anstehen, alle haben uns gelobt, auch die Vertreter des Deutschen Pétanque-Verbandes“, freute sich Kötter. „Der Verband hat auch nachgefragt, ob wir im kommenden Jahr nicht wieder eine Deutsche Meisterschaft ausrichten können. Das ist doch das höchste Lob, das man erhalten kann.“ Auch den Zuschauern hat es wohl gefallen. Zweien ganz besonders gut. „Eine Frau ist noch während der Meisterschaft bei uns eingetreten. Ein Mann kommt am Montag zum Training vorbei und schaut es sich an, bevor er über eine Mitgliedschaft entscheidet“, sagte Kötter.
Sportlich lief es für den Düsseldorfer Verein, der seit seiner Gründung im Jahr 1987 bereits 27 deutsche Meisterschaften in den verschiedenen Wettbewerbsdisziplinen einheimsen konnte und beispielsweise mit Moritz Rosik einen Europameister und mit Gudrun Deterding eine Vize-Weltmeisterin stellte, eher so lala. Über das Viertelfinale kam keines der sieben mit Sur Place-Beteiligung gestarteten Teams hinaus.
Den Ehrgeiz zu gewinnen, besitzen alle Sur Place-Meisterschaftsteilnehmer, aber die Düsseldorfer nutzten „ihre“ Titelkämpfe auch, um den Nachwuchs zu fördern. So bildete der erst 14-jährige Gustav Ebbing zusammen mit Philipp Niermann und dem international erfahrenen Ex-Nationalspieler Marco Lonken eine Mannschaft. Das ungleiche Trio hatte sich durch den Sieg bei der NRW-Landesmeisterschaft für die DM qualifiziert. „Mit etwas Losglück könnten wir einiges erreichen“, hatte Lonken noch vor der Hauptrunde der Meisterschaft orakelt. Aber dann kam die Auslosung gegen Baden-Württemberg 5 in der Runde der letzten 64.
Dass es so früh vorbei war, war auch im Sinne der Nachwuchsförderung nicht ganz glücklich, denn gerade für Nachwuchsspieler wie Ebbing zählt in dem mental anspruchsvollen und von Taktik und Millimeter-genauen Würfen geprägten Spiel jede Kugel auf hohem Niveau. „Es ist schon ein hoher Anspruch mit einem ehemaligen deutschen Meister und Nationalspieler gemeinsam anzutreten“, erklärte der jüngste Spieler der Triplette-DM 2026. „Ich gehe trotzdem locker in die Partien, denn ich weiß, die Jungs nehmen es mir nicht übel, wenn ich mal daneben ziele.“ Und so oft hat Gustav gar nicht daneben geworfen. „In unserem ersten Spiel in der ersten Aufnahme hat er uns mit seiner letzten Kugel gerettet“, sagte Lonken.
Dem Pétanque-Talent, das mit der NRW-Jugendauswahl bereits zweimal den deutschen Jugend-Länderpokal in der Altersklasse Cadets gewonnen hat, ist es herzlich egal, wenn seine Schulkameraden seine Leidenschaft als „Opa-Spiel“ verspotten. „Das ignoriere ich ganz einfach. Ich weiß ja, dass es nicht so einfach ist“, meint Ebbing. „Und ich weiß, dass es ein sehr vielfältiges Spiel ist. Jung und alt, Frauen und Männer können in verschiedenen Disziplinen zusammen und gegeneinander spielen. Ich habe sehr viel Bock darauf, mit meinem Vater zusammen zu spielen.“ Vater Georg Ebbing trat auch bei der Triplette-DM an und scheiterte in der Runde der letzten 16 an Johannes Frick, Tamara und Peter Muschel, eben an Baden-Württemberg 5.