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Das seit 2012 existierende Hip-Hop-Festival „Tapefabrik“ in Wiesbaden legt eine Pause ein.
Nächstes Jahr soll es aber mit neuer Struktur wieder stattfinden / Ein Interview von Fabian Böker

Eigentlich sollte auch in diesem Jahr das Festival „Tapefabrik“ in Wiesbaden stattfinden. Doch die Verantwortlichen mussten es absagen. Im nächsten Jahr soll es aber mit neuer Struktur und neuen Ideen wieder aufleben. Festivalleiter Maximilian Schneider-Ludorff spricht im Interview über die Gründe für die Absage, die Reaktionen darauf und die Pläne für 2027.

Im Februar ging eine Mail rum, dass es dieses Jahr keine Tapefabrik gibt. Etwas kryptisch hieß es darin nur: „Wir müssen 2026 eine kreative Pause einlegen, um 2027 wieder in gewohnter Qualität am Start zu sein.“ Was genau waren die Gründe?

Wir sind an unserem eigenen Anspruch und an den Strukturen gescheitert. Wir haben entschieden, dass die Tapefabrik eine neue Basisstruktur braucht. Wir haben das Festival jahrelang unter der Schirmherrschaft des Schlachthofs veranstaltet.

Was genau war daran das Problem?

Zum Beispiel die Fördergelder. Die haben wir immer wieder beantragt, aber weil der Schlachthof schon gefördert wird, ging das nicht.

Wie sah dann eure Lösung aus?

Wir haben die „All Caps“ gegründet, eine gemeinnützige Agentur für Kultur in Wiesbaden. Und wir dachten, das läuft dann schon irgendwie.

Aber?

Dann hat es sage und schreibe acht Monate gedauert, bis das Finanzamt Hamburg, wo wir sitzen, und das Amtsgericht Wiesbaden gemeinsam entschieden haben, dass wir wirklich gemeinnützig sind. Ich habe – ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen – insgesamt zwölf Satzungsentwürfe eingereicht. Konkret hat das Finanzamt gesagt, wir würden euch ja als gemeinnützig akzeptieren, aber im Handelsregister ist eure neue Satzung noch nicht eingetragen. Das Handelsregister Wiesbaden wiederum hat gesagt, wir würden ja die neue Satzung eintragen, wenn das Finanzamt euch als gemeinnützig akzeptiert. Im Januar war es dann endlich so weit.

Bis Juni wären also nur noch fünf Monate Zeit gewesen. Zu wenig?

Ja, das fängt schon bei den Acts an. Natürlich kann man mit Agenturen sprechen, aber niemand macht einen Vertrag mit einem Unternehmen, das es noch gar nicht gibt.

Habt ihr denn nach der Absage direkt Reaktionen aus der Szene bekommen?

Das war für mich die große Überraschung: Wir haben ein überwältigendes Feedback bekommen. Auf der einen Seite Verständnis, auf der anderen Seite Unterstützung nach dem Motto: „Gut, dass ihr euch Zeit nehmt, das ist richtig so.“

Was sind denn die Pläne für 2027? In der Absage hieß es, die hätten es in sich. Was darf man sich darunter vorstellen? Was unterscheidet die Tapefabrik 2027 von der 2025?

Zunächst einmal darf man sich darauf verlassen, dass das Festival auch nächstes Jahr genauso schön und breit wird, wie es in den vergangenen Jahren immer schon war. Wir bleiben bei vier Bühnen und einer großen Außenbühne. Aber das, was wir noch einmal deutlich ausbauen, ist die Convention „Taped!“, die es im vorigen Jahr erstmals gab. Das bedeutet, dass wir mehr Stände haben werden, mehr Vereine, Labels und Kollektive aus ganz Deutschland, mehr interaktive Formate. Es ist schon unser Anspruch, dass das Ganze so groß wird, dass aus ganz Deutschland Kultur- und Subkulturinteressierte kommen.

Ist die Finanzierung des Festivals denn gesichert?

Eine wichtige neue Idee ist die einer Crowdfunding-Kampagne für die „Taped!“-Convention. Dafür haben wir ein Video gedreht. Wir wollen die Energie, die gerade da ist, positiv nutzen, damit gar nicht erst das Gefühl aufkommt, hier fehlt was, sondern alle – Team und Community – arbeiten darauf hin, dass es 2027 in Wiesbaden noch mal eine ganze andere Hausnummer wird.

Am Standort Wiesbaden gab es also nie Zweifel?

Nein, wir werden wieder am Schlachthof sein. Es ist ja kein Zufall, dass das Festival in Wiesbaden zu Hause ist. Der Schlachthof passt perfekt zu uns, wie er aufgebaut ist, geführt wird, welche politische Ausrichtung er hat. Und auch für die Hip-Hop-Historie spielt der Ort eine wichtige Rolle. Hier hat vor knapp 30 Jahren das erste Wall-Street-Graffiti-Meeting stattgefunden, aus dem sich dann das „Meeting of Styles“ entwickelt hat, das nächstes Jahr sein 25. Jubiläum feiert.

Das Publikum muss bis 2027 auf eine Neu-Auflage warten.Das Publikum muss bis 2027 auf eine Neu-Auflage warten. © TapefabrikAbseits der Bühne wird auch diskutiert.Abseits der Bühnen wird auch diskutiert. © Felix Basqué/TapefabrikRapper Retrogott auf der Bühne 2025Rapper Retrogott auf der Bühne 2025. © Felix Basqué/TapefabrikZur Person

Maximilian Schneider-Ludorff hat das Festival einst gegründet und ist immer noch der Hauptverantwortliche. Er stammt aus Hessen, wohnt aber mittlerweile in Hamburg.

Das Festival „Tapefabrik“ findet seit 2012 in Wiesbaden statt. Es ist eine Mischung aus Musik-Festival und Jam, also dem klassischen Hip-Hop-Fest, mit allen Elementen dieser Kultur: Rap, DJing, Graffiti, Breakdance.

Neu ist seit dem Vorjahr die Convention „Taped!“, bei der Vorträge und Diskussionsrunden stattfinden, auch zu in der Hip-Hop-Szene durchaus kontroversen Themen wie Männlichkeit, rechten Tendenzen oder Kommerzialisierung. Damit wollen die Verantwortlichen auch ihrem Anspruch gerecht werden, mit dem Festival für eine bestimmte politische Haltung zu stehen: frei von Diskriminierung, offen für alle, ein Gegenentwurf zu oft geltenden Stereotypen.

Dieses Jahr war als Termin der 19. und 20. Juni geplant. Im kommenden Jahr findet die „Tapefabrik“ am 11. und 12. Juni statt, wieder rund um den Schlachthof in Wiesbaden.

Karten sind bereits erhältlich, sie kosten 35 Euro für das Warm-Up am Freitag und 50 Euro für das Festival am Samstag. Erhältlich sind die unter www.tapefabrik.de, wo es auch Infos zur Crowdfunding-Kampagne gibt.

Maximilian Schneider-LudorffSchneider-Ludorff.jpg © privat

Das Festival „Tapefabrik“ findet seit 2012 in Wiesbaden statt. Mittlerweile läuft es über zwei Tage. Es ist eine Mischung aus Musik-Festival und Jam, also dem klassischen Hip-Hop-Fest, an dem alle Elemente dieser Kultur – Rap, DJing, Graffiti, Breakdance – zelebriert werden.

Neu ist seit dem Vorjahr die Convention „Taped!“, in deren Rahmen Vorträge und Diskussionsrunden stattfinden. Dabei geht es auch in der Hip-Hop-Szene durchaus kontroverse Themen wie Männlichkeit, rechte Tendenzen oder Kommerzialisierung. Damit wollen die Verantwortlichen auch ihrem Anspruch gerecht werden, mit dem Festival für eine bestimmte politische Haltung zu stehen: frei von Diskriminierung, offen für alle, ein Gegenentwurf zu oft geltenden Stereotypen im Hip Hop.

Dieses Jahr war als Termin der 19. und 20. Juni geplant. Im kommenden Jahr findet die „Tapefabrik“ am 11. und 12. Juni statt, wieder rund um den Schlachthof in Wiesbaden.Karten sind bereits erhältlich, sie kosten 35 Euro für das Warm-Up am Freitag und 50 Euro für das Festival am Samstag. Erhältlich sind die unter www.tapefabrik.de, wo es auch Infos zur Crowdfunding-Kampagne gibt..