​Die Düne von Pilat an der französischen Atlantikküste gilt als Wunder der Natur und als Paradies für Gleitschirmflieger. Einem 30-jährigen Paraglider aus dem Hechinger Stadtteil Stetten wurde sie jetzt zum tödlichen Verhängnis. Am Abend des vergangenen Freitags, 15. Mai 2026, ist der junge Mann dort bei einem Absturz ums Leben gekommen.​

Todesnachricht schockiert viele​

In Hechingen hat die Todesnachricht aus dem Südwesten von Frankreich am Wochenende zahlreiche Menschen schockiert. Denn der Verunglückte war sowohl in den Blaulichtorganisationen als auch in der Fasnetslandschaft ein engagierter und gerngesehener Kamerad. „Für uns bedeutet sein Tod einen herben Verlust“, sagt Dennis Raible, der Hechinger Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks. Beim THW fungierte der Stettener als Truppführer. Er war im Ortsverband seit seiner Kindheit dabei und wurde erst kürzlich für 20-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Auch die Narrenvereinigung „Bachlumpen“ trauert um ein geschätztes Mitglied.

Das tragische Unglück ereignete sich am Robinson-Strand in La Teste-de-Buch, in unmittelbarer Nähe des bekannten Fluggebiets im Becken von Arcachon, westlich von Bordeaux. Wie französische Medien berichten, wurden die Rettungskräfte am Freitagabend kurz vor 20 Uhr alarmiert. Als die den am Strand liegenden Piloten antrafen, hatte der Mann bereits einen Herzstillstand erlitten. Trotz des Einsatzes eines Notarztteams aus Arcachon konnte der 30-Jährige nicht mehr wiederbelebt werden. Auch der Rettungshubschrauber „Dragon 33“ und die Kriminalpolizei rückten den Berichten zufolge zur Unfallstelle aus.​

Wie es genau zu dem Unfall kam, ist bislang unklar. Die Ermittlungen zu den Umständen des Unglücks dauern an. Eine Autopsie des Leichnams soll Klarheit bringen. Nach Angaben aus dem Umfeld der örtlichen Paragliding-Szene herrschte am Freitagabend ein Wind von rund 20 Stundenkilometern im Becken von Arcachon. Solche Bedingungen gelten an der Düne von Pilat grundsätzlich als beherrschbar. Fachleute verweisen jedoch darauf, dass Windstärke allein wenig über die tatsächliche Schwierigkeit eines Flugs aussagt. Entscheidend seien auch die Ausrichtung des Geländes, die Entwicklung der Luftströmungen und die Erfahrung des Piloten.​

Er liebte Herausforderungen​

Ein Anfänger war der Hechinger beileibe nicht. Freunde erzählen, dass der 30-Jährige für seinen Sport um die Welt gereist sei und schon an den verschiedensten Sehnsuchtsorten sportliche Herausforderungen gesucht habe – sowohl auf Skiern als auch mit dem Gleitschirm.​

Die Düne von Pilat, Europas höchste Sanddüne, ist nicht nur ein bekannter Touristenmagnet mit rund zwei Millionen Besuchern pro Jahr, sondern auch einer der beliebtesten Spots für Paraglider in ganz Frankreich. Jedes Jahr zieht das Gebiet zahlreiche Pilotinnen und Piloten aus dem In- und Ausland an. Das Gelände gilt als spektakulär, aber auch als anspruchsvoll.​

Vor Ort gelten klare Regeln. Einige Bereiche dürfen nicht überflogen werden, andere Zonen stehen aus Naturschutzgründen unter besonderem Schutz. Zudem müssen sich Piloten auf einer eigens eingerichteten Plattform registrieren. Damit soll der Betrieb an dem sensiblen Ort gesteuert und die Sicherheit verbessert werden.​

Immer wieder schwere Unfälle​

Trotzdem ereignen sich in dem Gebiet immer wieder folgenschwere Unfälle. Nach übereinstimmenden Medienberichten sind an der Düne von Pilat in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Gleitschirmflieger tödlich verunglückt; genannt werden rund 16 Todesfälle in den vergangenen 20 Jahren. Im Frühsommer 2024 schrieb die Düne Schlagzeilen, weil innerhalb von zwei Wochen vier Gleitschirmflieger bei Unfällen starben.​

„Keine voreiligen Schlüsse!“​

Experten verweisen darauf, dass gerade an stark frequentierten und anspruchsvollen Fluggebieten wie der Düne von Pilat Ortskenntnis besonders wichtig sei. Hinzu komme, dass viele Unfälle bei Anflug und Landung passierten – also in Phasen, die oft unterschätzt würden.​

Für Antoine Debeauvais, zertifizierter Fluglehrer bei Parapente Arcachon seit 2011, ist es aber noch viel zu früh, die Tragödie um den Hechinger mit einem konkreten Fehler in Verbindung zu bringen. „Wir dürfen auf keinen Fall voreilige Schlüsse ziehen, bevor wir die genauen Umstände kennen“, wird der Gleitschirm-Profi auf der Plattform franceinfo.fr zitiert.​

Europas höchste Wanderdüne

Die Düne von Pilat
an Frankreichs Atlantikküste ist mit rund 100 Metern Europas höchste Wanderdüne. Sie verschiebt sich stetig landeinwärts und bietet spektakuläre Blicke auf Meer, Wald und die Insel Banc d’Arguin. Für Gleitschirmflieger ist sie einer der beliebtesten Spots in ganz Frankreich.​