Das Landgericht im tschechischen Plzeň (Pilsen) hat die Entscheidung über eine
mögliche Auslieferung von Neonazi Liebich vertagt. Die Verkündung einer Entscheidung wurde am ersten Verhandlungstag nach
zwei Stunden ohne Angaben von Gründen auf den 1. Juni verschoben.
In Deutschland steht nach einem Urteil für den Rechtsextremisten Sven Liebich, der sich inzwischen Marla-Svenja nennt, eine Haftstrafe an: Die Person Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Die Berufung dagegen scheiterte, ebenso wie später die Revision. Anfang 2025 war bekannt geworden, dass Liebich den Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla-Svenja hat ändern lassen.
Ohne die Haft anzutreten, floh Liebich Ende August 2025, wurde zur Fahndung ausgeschrieben und erst
einige Monate später von tschechischen Beamten festgenommen. Derzeit sitzt Liebich in Plzeň im Gefängnis.
Neonazi Liebich
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Marla-Svenja Liebich:
Offiziell eine Frau. Eine Behörde will das ändern
Selbstbestimmungsgesetz:
Stimmt es, dass das Selbstbestimmungsgesetz zum Missbrauch einlädt?
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Marla-Svenja Liebich:
Jetzt machen sie einen auf subversiv
Liebich spricht sich erneut gegen Auslieferung aus
Zum Prozessauftakt in Pilsen äußerte Liebich die Befürchtung, in ein Gefängnis für Männer gebracht zu werden, und lehnte eine Auslieferung erneut ab. »Das kann ich nicht, weil ich im Gefängnis getötet würde«, sagte Liebich. Die mögliche Unterbringung in einem Männergefängnis sei menschenverachtend und diskriminierend. Zudem sprach Liebich davon, dort möglicherweise in den Suizid getrieben zu werden.
Hilfe holen bei Suizidgedanken
Suizidgedanken können einem Teufelskreis ähneln: Sie drängen sich auf und scheinen dann unaufhaltsam. Doch sie lassen sich durchbrechen und sind zeitlich begrenzt. Betroffene berichten im Nachhinein, dass sie froh sind, am Leben zu sein. Suizidalität lässt sich also überwinden.
Es hilft, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch Hilfsangebote wie die Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr erreichbar unter den Telefonnummern 0800-1110111 und 0800-1110222. Jeder Anruf ist anonym und kostenlos. Wem Schreiben leichter fällt, kann die Berater auch per Chat erreichen. Dafür genügt hier eine kurze Anmeldung.
Für Kinder und Jugendliche gibt es außerdem die Nummer gegen Kummer 116111. Für Eltern gibt es die 0800-1110550. Speziell an Männer richtet sich die Website www.maenner-staerken.de. Das muslimische Seelsorgetelefon ist unter 030-443509821 erreichbar.
Direkte Anlaufstellen sind Hausärztinnen und Hausärzte. Deutschlandweit gibt es außerdem Beratungsstellen, die auf Suizidalität spezialisiert sind. Eine Übersicht bietet hier die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention.
Suizidgefahr erkennen
Die Ursachen für Suizidgedanken sind vielfältig. Sie können Folge einer psychischen Erkrankung sein. Doch auch andere belastende Umstände können zu schweren seelischen Krisen führen, zum Beispiel der Verlust eines geliebten Menschen, des Arbeitsplatzes oder eine körperliche Erkrankung. Meistens kommen viele Faktoren zusammen.
Etwa 80 Prozent aller Suizidversuche werden zuvor angekündigt. Hinweise darauf sind nicht nur klare Äußerungen, sondern auch indirekte wie „Es hat alles keinen Sinn mehr“ oder „Ich fühle mich gefangen“. Ein Warnsignal können auch bestimmte Verhaltensweisen sein. So wollen suizidgefährdete Menschen häufig ihre Angelegenheiten ordnen: Sie verschenken zum Beispiel Wertgegenstände oder verabschieden sich ungewöhnlich. Einige Menschen wirken plötzlich erleichtert, wenn sie einen Suizidplan gefasst haben. Häufig wird ein solcher Umschwung als Besserung missinterpretiert, er sollte aber aufhorchen lassen.
Generell gilt: Ansprechen und Nachfragen kann Leben retten.
Was Angehörige tun können
Wer den Verdacht hat, dass ein Familienmitglied, eine Freundin oder ein Bekannter an Suizid denkt, sollte ihn oder sie darauf ansprechen und dabei unterstützen, professionelle Hilfe zu finden. Dass durch das Ansprechen ein Suizid erst ausgelöst werden kann, ist falsch. Vielmehr bringt es Betroffenen Entlastung, ihre Gedanken auszusprechen.
Hilfreiche Tipps für ein solches Gespräch hat zum Beispiel die Suizidprävention Berlin hier gesammelt. Unterstützung für Angehörige bietet die Telefonseelsorge (siehe oben) oder der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen unter der Telefonnummer 0228-71002424 oder der E-Mail-Adresse seelefon@bapk.de.
Von jedem Suizid sind zahlreiche Personen betroffen: Mitmenschen aus Familien- und Freundeskreis, aus Kollegium, Schule, Nachbarschaft, Vereinen. Sie können durch einen Suizid selbst in eine schwere Krise geraten. Hilfe für Hinterbliebene bietet der Verband Agus unter der Telefonnummer 0921-1500380 oder der E-Mail-Adresse kontakt@agus-selbsthilfe.de.
Wird eine Auslieferung rechtskräftig entschieden, kann Liebich nach Angaben des Landgerichts Plzeň dagegen eine Beschwerde einlegen. Darüber müsste dann das Oberlandesgericht in
der tschechischen Hauptstadt Prag entscheiden.
Es ist davon auszugehen, dass Liebich im Falle einer Auslieferung in das Frauengefängnis in Chemnitz
gebracht wird. Dort könnte noch einmal über die Art der Unterbringung entschieden
werden.