Sophia (5) ist noch ganz aufgeregt: „Wir haben Wildschweine und ihre Frischlinge gesehen“, erzählt sie bei ihrer Rückkehr an den Bauwagen. Der steht am Waldrand zwischen dem Seniorenzentrum Haus Horst und dem Garather Forst und ist der Mittelpunkt der Waldkobolde, einer Waldkindergartengruppe, die seit einem Jahr unter der Leitung von SOS-Kinderdorf steht. Vorher war die Kita über den Zeitraum von fast 25 Jahren eine Elterninitiative. Doch 2025 fand sich kein neuer Vorstand mehr.

Und da eh zuvor schon Kontakte zwischen SOS-Kinderdorf und den Waldkobolden bestanden, entschied sich der Düsseldorfer Sozialträger, die Wald-Kita-Gruppe weiterzuführen. „Dieses Angebot muss einfach erhalten bleiben“, erläutert Herbert Stauber, Leiter von SOS-Kinderdorf in Düsseldorf. Eingegliedert ist diese nun in die Garather Kita Farbkleckse an der Carl-Friedrich-Goerdeler-Straße. Aktuell sind 14 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren bei den Waldkobolden angemeldet. Einige von ihnen gehen nach den Ferien auf die Schule. Bislang gibt es aber erst zehn Anmeldungen für die 20 Plätze.

So rühren Stauber und Rebecca Irwin, die die Kita Farbkleckse leitet, die Werbetrommel. Sie bekommen an diesem Montagmittag Unterstützung von Daniela Kopp. Sie ist zum Bauwagen gekommen, um ihre Tochter (5) abzuholen. Auch der ältere Bruder (8) war schon ein Waldkobold. Sie habe sich bei ihren beiden Kindern ganz bewusst für diese Einrichtung entschieden, erzählt sie. Besonders schätzt sie an dem Angebot, dass die Kinder dort lernen, sich selbst zu beschäftigen und dass das Umfeld ihre Fantasie anregt. Aus Hassels sei sie in gut zehn bis 15 Minuten an der Kita, egal, ob mit dem Auto oder mit dem Rad. In den vergangenen Jahren seien auch schon Kinder aus Wersten oder Vennhausen in die Wald-Kita gegangen. Herbert Stauber ergänzt: „Mit dem Fahrrad aus Garath sind es auch gerade mal zehn Minuten bis hierher.“

Auch Daniela Kopps Tochter erzählt von den kleinen Wildschweinen. Alle Kinder stecken in Regenjacken und -hosen und man sieht ihnen an, dass sie den ganzen Vormittag draußen herumgetollt sind. Weil heute ein Geburtstagskind in der Gruppe ist, durfte dieses entscheiden, wohin es nach dem Frühstück zum Spielen geht. „Deshalb waren wir am Hügelplatz“, berichtet Erzieherin Larissa Lindemann. Sie arbeitet seit sieben Jahren bei den Waldkobolden und hat auch den Übergang zu SOS mitgemacht. „Am Anfang meiner Laufbahn habe ich auch schon in einer so genannten Haus-Kita gearbeitet, doch das könnte ich heute nicht mehr, sagt sie mit einem breiten Lächeln: „Mein Herz schlägt für den Wald.“

Und dann ist es ihr, aber auch ihren beiden Kolleginnen und den Kindern egal, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist. Mutter Daniela Kopp ergänzt: „Die Kinder lieben es, wenn es regnet. Oder sie im Winter in Behältern Wasser gefrieren lassen und sie dann die Eisklumpen bearbeiten.“ Bei Unwetter oder bei Krankheit von Erzieherinnen weichen die Waldkobolde in die Kita Farbklecks aus.

Doch warum stehen die Eltern für solch ein besonderes Betreuungsangebot nicht Schlange? Einen Grund sieht Rebecca Irwin darin, dass die Kinder dort nur 35 Stunden die Woche betreut werden. Berufstätige Eltern würden sich aber oft 45 Stunden wünschen. Die Stundenzahl einfach erhöhen, funktioniert bei den Waldkobolden aber nicht. Zum einen wird es im Winter am Waldrand früh dunkel und zum anderen, so Irwin, sei der Tag in der freien Natur anstrengend, da reichten 35 Stunden definitiv aus. „Das wissen ja auch wir Erwachsenen, wenn wir uns den ganzen Tag draußen bewegt haben.“ Nach dem Mittagessen, das jedes Kind von zu Hause mitbringt, geht es nach Hause. Zweimal im Monat wird an der Feuerstelle zusammen gekocht. Dann gibt es Milchreis oder Nudeln, aber auch schon mal frittierte Brennnesselblätter. „Die sind lecker“, sagt Herbert Stauber, der auch schon probieren durfte.

Ein weiterer Punkt, dass es noch freie Plätze bei den Waldkobolden gibt: Noch vor ein paar Jahren gab es in der Landeshauptstadt deutlich mehr Kinder als Kita-Plätze, der Run ist inzwischen deutlich abgeebbt, vor allem wegen des deutlichen Geburtenrückgangs. „Früher hatte ich für unsere Kita Farbkleckse mit den vier Gruppen bis zu 600 Anfragen pro Kita-Jahr“, sagt Rebecca Irwin. Inzwischen ist sie froh, wenn sie jeden der 74 Plätze in der Haus-Kita und die 20 für die Wald-Kita besetzt bekommt. Denn alle sind sich einig: „Dieses besondere Angebot für Kinder muss erhalten bleiben.“