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Pilsen (Tschechien) – Er ist wieder da! Nach Monaten auf der Flucht, Festnahme und Auslieferungshaft in Tschechien steht der deutsche Neonazi Marla Svenja Liebich (55) am 18. Mai 2026 erstmals wieder in der Öffentlichkeit. In Saal 14 des Pilsener Bezirksgerichts wurde über die Auslieferung des Hetzers verhandelt.

Kurz nach 13 Uhr tauchte Liebich in Begleitung von zwei Justizwärterinnen im Gericht auf. Liebich, der vor deutschen Gerichten im Leopardenlook mit lackierten Nägeln, Hut und Handtäschchen auftrat, blieb seinem Stil treu, kam mit roten Lippen, Bart und Leo-Shirt in den Saal. Knapp 40 Tage sitzt der Neonazi nun bereits in Auslieferungshaft im Gefängnis von Pilsen-Bory.

Liebich fürchtet Auslieferung nach Deutschland

Am Montag nahm Liebich vor Gericht neben seinem Anwalt, dem Chemnitzer Martin Kohlmann (Chef der rechtsextremen Kleinstpartei „Freie Sachsen“), Platz. Es geht um viel: Liebich will die Auslieferung nach Deutschland verhindern. Besonders geschmacklos: Der Neonazi hat auf den Oberarm einen gelben, sechszackigen Stern tätowiert. Eine widerliche Anspielung auf das Zwangskennzeichen mit der Inschrift „Jude“, das Juden unter der NS-Herrschaft ab 1941 als Zeichen der Ausgrenzung tragen mussten. Bei Liebich steht stattdessen das Wort „Ungeimpft“. Damit setzt er die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit dem Massenmord an 6 Millionen Juden gleich.

Liebich wird von den Justizwärtern in Handschellen in den Saal geführt. Neben ihm sein deutscher Anwalt Martin Kohlmann

Liebich wird von den Justizwärtern in Handschellen in den Saal geführt. Neben ihm sein deutscher Anwalt Martin Kohlmann

Foto: Pastierovic

In Deutschland würde er in den Frauenknast kommen

Gleich zu Beginn teilte ihm die Richterin mit, dass ein deutscher Anwalt ihn nicht vertreten könne. Kohlmann wurde nach mehreren Ermahnungen aus dem Saal geführt, eine tschechische Kollegin übernahm. Um den Neonazi direkt nach Deutschland ausliefern zu können, braucht es Liebichs Zustimmung. Doch der Neonazi will nicht. Liebich befürchtet, in Deutschland in einen Männerknast zu kommen. Aufgrund seiner Bekanntheit würde er dort diskriminiert werden. „Ich bin eine Frau“, sagt Liebich und behauptet, in Tschechien würde er für die ihm in Deutschland vorgeworfenen Taten nicht verurteilt werden.

Im berüchtigten Gefängnis im Pilsener Stadtteil Bory sitzen rund 1200 Häftlinge ein

Im berüchtigten Gefängnis im Pilsener Stadtteil Bory sitzen rund 1200 Häftlinge ein

Foto: picture alliance/dpa/CTK

Marla Svenja Liebich ist wegen übler Nachrede und Beleidigung verurteilt worden

Marla Svenja Liebich ist wegen übler Nachrede und Beleidigung verurteilt worden

Foto: Sebastian Willnow/dpa

Volksverhetzung, üble Nachrede, Beleidigung

Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Eigentlich hätte der Neonazi seine Haftstrafe, unter anderem wegen wiederholter Volksverhetzung, bereits am 29. August vergangenen Jahres antreten sollen. Doch Liebich erschien nicht zum Haftantritt und tauchte unter. Nach monatelanger Flucht wurde er am 9. April im westböhmischen Dorf Krasna gefasst. Bei einem Liebesbesuch seiner Freundin.

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Seitdem ist Liebich in Tschechiens größtem Gefängnis untergebracht. Vize-Gefängnisdirektor Martin Cerny (51) zu BILD: „Wir sind zu 95 Prozent ausgelastet, haben rund 1200 Insassen.“ Liebig ist nach BILD-Information die einzige Transperson, die in dem Gefängnis untergebracht ist. Der Neonazi sitzt von den Männern abgeschirmt in Einzelhaft.

Auch die Nägel hat Neonazi Liebich rot lackiert. „Ich bin eine Frau“, sagt er vor Gericht

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Foto: Pastierovic

Liebichs deutscher Anwalt Martin Kohlmann wird nach mehreren Ermahnungen aus dem Gericht geführt

Liebichs deutscher Anwalt Martin Kohlmann wird nach mehreren Ermahnungen aus dem Gericht geführt

Foto: Pastierovic

Monatelange Flucht endete in Tschechien

Liebich hieß bis zur Änderung der Geschlechtseintragung Anfang 2025 mit Vornamen Sven. In Deutschland würde der Rechtsextremist – so wie er zum Haftantritt geladen wurde – im Frauengefängnis in Chemnitz untergebracht werden. Auch die von Liebich behauptete erneute Änderung seines Geschlechts auf non-binär wird an der separierten Unterbringung im Frauenknast nichts ändern. Wie BILD erfuhr, könnte Liebich anschließend zum Schutz der anderen Insassinnen (u. a. NSU-Terroristin Beate Zschäpe) separiert in Einzelhaft untergebracht werden.

Urteil um Auslieferung Liebichs vertagt

Nach immer wieder langen Ausführungen, Wiederholungen und Gejammer von Liebich vertagte die sichtlich genervte Richterin schließlich das Urteil über die Auslieferung auf den 1. Juni. Der Neonazi wird zunächst weiter im Männergefängnis in Tschechien untergebracht. Laut Gerichtssprecher Jakub Steverak (27) hat Liebich dort bereits Beschwerde gegen die Haftbedingungen eingelegt. Das soll am obersten Gericht in Prag verhandelt werden.