Diese Schar an Schülern auf Fahrrädern konnte am Montag kein Autofahrer in Lintorf übersehen. Schüler aller in Lintorf ansässigen Schulen beteiligten sich an der Tour, die auf dem Schützenplatz startete und dann quer durch den Ort führte, begleitet von der Polizei, die jeweils für die Durchfahrt die Zufahrtsstraßen sperrte, damit die Kinder und Jugendlichen gefahrlos passieren konnten.

Was auf den ersten Blick wie ein fröhlicher Schulausflug wirken mochte, hat einen bedeutsameren Hintergrund. Mit der Aktion soll auf die radelnden Kinder im Straßenverkehr aufmerksam gemacht und zudem für das Fahrrad als Alternative zum Elterntaxi geworben werden. Die Eduard Dietrich Montessori Grundschule mit ihrer Schulleitung Claudine Stricker hat diese erste „Kidical Mass“ in Ratingen organisiert, nachdem die Idee dazu schon vor drei Jahren aufkam.

Bei einer Kidical Mass handelt es sich um eine organisierte Fahrradtour für Kinder und Jugendliche, die polizeilich begleitet wird. Ziel der Aktion ist es, auf die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr aufmerksam zu machen und das Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmenden für radfahrende Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Die Kidical Mass ist eine weltweite Bewegung. Mit Aktionen wie Fahrraddemos, Schulstraßen, Fahrradbussen/Bicibús und kreativen Schulweg-Aktionen setzt sich das Bündnis für sichere und lebenswerte Straßen ein – für Kinder und alle Generationen. Herzstück der Bewegung sind über 1000 lokale Organisationen und Initiativen – dezentral und selbstorganisiert. Diese Aktion ist in großen Städten, wie zum Beispiel Köln, bereits bekannt.

Die Aktion verfolgt keinen politischen Hintergrund. Im Mittelpunkt steht ausschließlich die Sicherheit der Kinder auf ihrem täglichen Schulweg. Gerade zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr sind viele Kinder mit dem Fahrrad unterwegs und sollen sich sicher im Straßenverkehr bewegen können. Und genau zu diesem Zeitpunkt waren am Montag auch die Schüler in Lintorf unterwegs. Die Aktion wurde auch vom ADFC Ratingen unterstützt.

So funktioniert der Fahrradbus

Die Aktion war bewusst im Zeitraum des Stadtradelns angesetzt worden. Und für Claudine Stricker soll sie noch darüber hinaus wirken. Sie hat die Hoffnung, dass sich dadurch der Gedanke des Bici-Busses in Lintorf durchsetzt. Bei einem Schul-Fahrradbus überwachen ein oder mehrere Erwachsene eine Route und die Kinder werden an verschiedenen Punkten eingesammelt, bis sie die Bildungseinrichtung erreichen. Für Lintorf könnte das bedeuten, dass Kinder, die in der gleichen Nachbarschaft wohnen, morgens gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule fahren, begleitet von einem Erwachsenen. Dabei können sich die Eltern absprechen, wer an der Reihe ist. „Unsere Hoffnung ist, dass in Lintorf private Netzwerke entstehen“, sagt Claudine Stricker. Denn wenn Kinder in der Gruppe fahren werden sie besser von Autofahrern gesehen.

Ursprung der Kidical Mass

Die erste Kidical Mass fand übrigens im Jahr 2008 in Eugene in Oregon, USA statt. Ab 2017 rollen Kidical Masses auch in Deutschland. Claudine Stricker hofft, dass diese Aktion auch in Ratingen keine Eintagsfliege bleibt. Im nächsten Jahr könnte sie beispielsweise in Ratingen Mitte ausgetragen werden. Schließlich ist neben der Sichtbarkeit der jungen Radfahrer auch das Elterntaxi nach wie vor ein Thema, vor allem an Grundschulen. Die Elterntais könnten reduziert werden, wenn die Kinder stattdessen mit dem Fahrrad zur Schule fahren.