Geheimplan in Hannover

Unternehmer wollte Pelé in die Bundesliga holen

  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.

Aktualisiert am 19.05.2026 – 04:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Pelé wird von Fans bei der Ankunft am Flughafen Hamburg stürmisch begrüßt (Archivild): Ein Unternehmer versuchte sogar den Brasilianer zu einem deutschen Club zu holen.Vergrößern des Bildes

Pelé wird von Fans am Flughafen begrüßt (Archivbild): Es war ein Sensationsplan, ihn einst in die junge Bundesliga zu holen. (Quelle: United Archives / Helmut Reiss/imago-images-bilder)

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Der brasilianische Fußballstar starb vor vier Jahren. Was viele nicht wissen: Ein Unternehmer wollte ihn einst nach Deutschland holen.

Pelé starb am 29. Dezember 2022 im Alter von 82 Jahren. Auch Hannover hat einen besonderen Bezug zu dem brasilianischen Fußballer. In der niedersächsischen Landeshauptstadt erzählt man sich seit Jahrzehnten eine Geschichte, die bis heute ungewöhnlich klingt: In den 1960er-Jahren gab es Bemühungen eines Unternehmers, Pelé zum Fußballklub Hannover 96 zu locken.

Pelé war mit dem FC Santos auch in Barsinghausen bei Hannover zu Gast. Der brasilianische Klub absolvierte dort in der Sportschule des Niedersächsischen Fußballverbands ein Trainingslager. Seit Mitte der 1950er-Jahre hatte die deutsche Nationalmannschaft um Bundestrainer Sepp Herberger die Anlage regelmäßig genutzt. 1959 kam erstmals auch der FC Santos mit Pelé nach Barsinghausen.

Den Angestellten soll Pelé nahbar begegnet sein, berichtet die Mutter dieses Autors. Ihr Vater führte die Bewirtung der Sportstätte. Fotos im Archiv der Familie dokumentieren Begegnungen zwischen Pelé und den Angestellten der Gaststätte.

Pelé mit Angestellten des NFV-Stützpunkts in Barsinghausen.Vergrößern des BildesPelé mit Angestellten des Fußball-Stützpunkts in Barsinghausen. (Quelle: privat)

Ein Eismaschinen-Verkäufer ergreift die Initiative

Nach der Gründung der Bundesliga und dem Aufstieg von Hannover 96 in die Erstklassigkeit im Jahr 1964 soll der inzwischen zweifache Weltmeister Pelé ganz oben auf dem Wunschzettel der „Roten“ gestanden haben, wie „Sport Bild“ 2006 berichtete.

Demnach ergriff Hans-David Ziegra die Initiative. Der Hannoveraner war Verwaltungsratsmitglied bei 96, Eismaschinenverkäufer und Erfinder einer Maschine zur Herstellung von Eisstücken. Über persönliche, portugiesischsprachige Kontakte soll er im Auftrag des Vereins den FC Santos kontaktiert haben. Das Präsidium habe ihm Rückendeckung gegeben: „Dann machen Sie das mal“, soll es laut „Sport Bild“ geheißen haben.

Auch 96-Spielmacher Friedel Schicks war beteiligt. Er hatte bereits Walter Rodekamp und Hans Siemensmeyer nach Hannover gelotst – zwei spätere prägende Spieler der „Roten“. Pelé kannte er aus mehreren Trainingslagern und Testspielen in Niedersachsen, wie Hannover 96 auf seiner Website berichtet. Nach seinem Karriereende wollte Schicks dem Klub bei der Suche nach einem Nachfolger auf seiner Position helfen.

Brasilien untersagt Auslands-Transfers

Doch Pelé, den Schicks aus Trainingslagern in Barsinghausen und aus Spielen gegen den FC Santos kannte, konnte er 1964 nicht nach Deutschland lotsen: Die brasilianische Regierung und der FC Santos verhinderten damals noch Spielerwechsel ins Ausland.

Ein konkretes Vertragsangebot an den FC Santos findet sich nach Angaben von Hannover 96 nicht im Vereinsarchiv. Der Klub ordnet die Geschichte deshalb vorsichtig ein: „Vieles spricht eher für eine Solonummer von Konsul Ziegra, bei der der Wunsch Vater des Gedankens war.“ Laut „Sport Bild“ soll Pelé später selbst von Verhandlungen mit Hannover 96 gesprochen haben.